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Die libysche Küstenwache bringt abgefangene Flüchtlinge zurück an die nordafrikanische Küste.

OECD-Bericht

Häufiger arbeitslos oder schlecht bezahlt

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Ein Bericht der Industrieländer-Organisation OECD kritisiert die Benachteiligung von Migranten im Berufsleben.

Die Industrieländer-Organisation OECD hat die Politik aufgefordert, mehr für die Integration von Migranten und Flüchtlingen zu tun. In den vergangenen Jahren habe die Zuwanderung stark zugenommen. Zwar sorge die wirtschaftliche Erholung für mehr Arbeitsplätze für In- und Ausländer. Dennoch seien Migranten hier benachteiligt und stärker dem Risiko von Arbeitslosigkeit und Rationalisierung ausgesetzt, so die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. „Die Integration von Migranten und ihrer Kinder – Flüchtlinge eingeschlossen – ist eine zentrale Aufgabe, um eine Zukunft in Wohlstand für alle zu sichern.“, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría am Donnerstag bei der Vorstellung des Internationalen Migrationsausblicks 2017.

Nach vorläufigen Daten sind 2016 rund fünf Millionen Menschen in die OECD-Länder eingewandert, 2015 waren es noch 4,7 Millionen, was dem Niveau von 2007 entsprach. Die Migranten kamen vor allem aus China, dahinter folgten Syrien, Rumänien, Polen und Indien. Bei den Zielländern liegen die USA an erster Stelle.

Die Zahl der Flüchtlinge sei in jüngster Zeit allerdings stark geschrumpft, stellt die OECD fest. In der ersten Hälfte des laufenden Jahres kamen nur 85 000 Geflüchtete nach Europa. Ihre Zahl war damit um das Zehnfache geringer als noch in der zweiten Hälfte 2015.

Bei den Migranten handelt es sich allerdings nicht nur um jene, die aus Krisen- und Kriegsgebieten fliehen. Für das vergangene Jahr zählt die OECD 1,6 Millionen Asylbewerber in den Industriestaaten. 1,5 Millionen Studienvisa wurden erteilt, dazu kommen Saisonarbeiter und die reguläre Arbeits- und Familienmigration. Insgesamt lebten in den OECD-Staaten 124 Millionen Menschen ausländischer Herkunft. Im Durchschnitt machten sie 13 Prozent der Bevölkerung aus.

Die wirtschaftliche Erholung hat die Job-Aussichten auch der Ausländer verbessert. Mehr als zwei von drei Migranten in den OECD-Staaten gehen einer bezahlten Arbeit nach. Mit 67,4 Prozent lag die Beschäftigungsquote von Zugewanderten 2016 einen Prozentpunkt höher als im Vorjahr. Dennoch liege die Quote noch immer niedriger als bei den Inländern, vor allem in Europa.

Laut OECD sind Migranten überdurchschnittlich häufig in geringer bezahlten Jobs zu finden. Dies liege nicht immer an einer geringen Qualifikation. Da Zuwanderer über schlechtere soziale Absicherung, geringere Vermögen und Alternativen verfügten, seien sie häufig gezwungen, schlecht entlohnte Tätigkeiten anzunehmen – auch wenn ihre Qualifikation hoch sei.

Häufig überqualifiziert

Das Risiko der Überqualifikation sei unter Migranten überdurchschnittlich groß. „Zu häufig werden die Lebenschancen der Menschen durch ihr Herkunftsland bestimmt und nicht durch ihre Fähigkeiten und ihren Ehrgeiz“, rügt die OECD. Auch tragen im Ausland Geborene ein höheres Risiko, ihren Job zu verlieren, vor allem in Europa. Mit 12,4 Prozent sei die Arbeitslosenrate von Migranten dort höher als die der Inländer (8,1 Prozent). Im Durchschnitt der OECD-Staaten liege die Migranten-Arbeitslosigkeit nur 1,8 Prozentpunkte höher.

Ein Problem erkennt die OECD auch in der Tatsache, dass Migranten überdurchschnittlich häufig Jobs mit Routine-Tätigkeiten hätten. In Europa arbeiteten 47 Prozent der im Ausland geborenen Erwerbstätigen auf Stellen mit vorwiegend Routine-Anteilen. „Solche Arbeitsplätze unterliegen einem größeren Risiko der Automation“, so die Organisation. Ohne die Möglichkeiten der Weiterbildung werde die technologische Entwicklung die Migranten daher besonders hart treffen. Die OECD lobt die Anstrengungen einiger Länder bei der Integration und hob die guten Ergebnisse neuer Integrationsgesetzes in Deutschland und Schweden hervor. „Andere Länder zögern noch mit der Einführung solcher Programme.“

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