+
Abiy Ahmed, der Ministerpräsident von Äthiopien, wurde mit dem Friedensnobelpreis 2019 ausgezeichnet.

Auszeichnung

Friedensnobelpreis: Es hätte kein besserer Träger im traurigen Jahr 2019 sein können

  • schließen
  • Tobias Möllers
    Tobias Möllers
    schließen

Erst acht Mal wurde ein Mensch aus Afrika mit einem Nobelpreis ausgezeichnet. Mit Abiy Ahmed wurde nun ein Praktiker der Macht geehrt. Ein Kommentar.

Wie viele Menschen aus Afrika wurden bisher mit einem Nobelpreis ausgezeichnet (die weißen Nadine Gordimer und J.M. Coetzee ausgenommen)? Acht. Einer für Literatur, der Rest für Frieden. Wie oft wurde der Friedensnobelpreis verliehen? 99 Mal. Wie viele Preise wurden bisher überhaupt vergeben? 590.

Fällt da was auf? Abgesehen vom krassen Missverhältnis (wir wollen gar nicht anfangen aufzuzählen, wie viele US-Amerikaner bisher geehrt wurden)? Man muss genau hinschauen: Bis zur kenianischen Umweltaktivistin Wangari Maathai 2004 wählte das Nobelkomitee vorzugsweise Männer, vorzugsweise „zivilisiertere“ Südafrikaner und vorzugsweise niemanden, der sich die Hände im politischen Alltagsgeschäft schmutzig machen musste.

Abiy Ahmed: Unzweifelhaft ein Praktiker der Macht

Und jetzt also Äthiopiens Premierminister Abiy Ahmed. Unzweifelhaft ein Praktiker der Macht, „die“ politische Kraft seines oft schon international aufgegebenen Landes, Einer, der augenscheinlich den Teufelskreis afrikanischer Politik aus Korruption, Machtgier und Zynismus mittels Friedenssehnsucht, Zukunftshoffnung und Ausgleichswillen durchbricht. Es hätte kein besserer im traurigen Jahr 2019 sein können. Man kann den Schweden und den Äthiopiern nur wünschen: Weiter so!

Vor der Auszeichnung galten besonders die 16-jährige Klima-Aktivistin Greta Thunberg, der brasilianische Häuptling Raoni Metuktire, Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern sowie Organisationen wie Reporter ohne Grenzen als Favoriten. 

Lesen Sie auch: 

Ein Nobelpreis für Greta rettet nicht das Klima

Und nächstes Jahr: Greta 

Der Nobelpreis gilt als der renommierteste politische Preis der Welt. Er ist mit neun Millionen schwedischen Kronen (rund 830.000 Euro) dotiert. Wie Ahmed das Preisgeld verwenden wird, ist bislang nicht bekannt.

100. Vergabe des Nobelpreises geht an Abiy Ahmed

Bisher hatte das norwegische Nobelkomitee die Auszeichnung seit 1901 99 Mal vergeben, insgesamt wurden 130 verschiedene Preisträger gekürt, darunter 89 Männer, 17 Frauen und 24 Organisationen. In 19 Jahren gab es – vor allem in Kriegs- und Krisenzeiten – keinen Preisträger. Die diesjährige Vergabe war damit die 100. und somit ein Jubiläum für die Jury.

Im vergangenen Jahr hatte das Komitee den Preis an zwei Personen vergeben: die Irakerin Nadia Murad und Denis Mukwege aus der Demokratischen Republik Kongo. Geehrt wurden beide für „ihren Einsatz gegen sexuelle Gewalt als Waffe in Kriegen und bewaffneten Konflikten“, wie es in der Erklärung hieß.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion