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Homeoffice

AUFGEZEICHNET

Ausbeutung in der Tech-Branche: Liav Keren von der Tech Workers Coalition fordert härtere Strafen

Eine neue Regierung müsste sich um Arbeiterinnen und Arbeiter in der IT-Branche kümmern, findet Liav Keren von der Berlin Tech Workers Coalition.

Ich war nie ein großer Fan von Kanzlerin Angela Merkel. Aber in der Corona-Krise hat ihre Regierung viel Vertrauen verspielt und den Kontakt zur Bevölkerung verloren. Natürlich war ich auch enttäuscht über das Hin und Her an Ostern oder das lange Zögern bei der Maskenpflicht. Der Tiefpunkt war für mich aber am Ende des vergangenen Jahres erreicht, als ich gelesen habe, dass 75 Prozent der Beschäftigten kein Recht auf oder keine Möglichkeit zu Homeoffice haben. Gleichzeitig konnten 85 Prozent der Menschen, die in Bundesministerien beschäftigt sind, von zu Hause arbeiten. Das ist eine riesige Ungerechtigkeit. Kein Mensch sollte gezwungen sein, sich zwischen Lohn und Gesundheit entscheiden zu müssen.

Liav Keren: „Ob sich eine Kanzlerin Baerbock mit Amazon und Google anlegen wird?“

Zur Person

Liav Keren, 22, ist KI-Entwickler, Student aus Berlin und Mitglied der Tech Workers Coalition.

In die SPD setze ich für die kommende Wahl nicht viele Hoffnungen. Hier in Berlin, wo ich lebe, unterstützen die Sozialdemokrat:innen zum Beispiel den Ausbau der Stadtautobahn durch Kreuzberg und Friedrichshain, obwohl der Widerstand der Anwohner:innen groß ist. Deshalb sind sie für mich grundsätzlich keine Alternative. Bei Umweltschutz und Nachhaltigkeit setze ich größere Hoffnungen in die Grünen, insbesondere wenn sie die nächste Bundesregierung anführen sollten. Skeptisch bin ich, was die Gig-Economy und den Umgang mit den großen Internetkonzernen angeht. Dort sind die Arbeitsbedingungen oft schlecht und es gibt kein System, mit dem man sich über Ausbeutung oder Überwachung am Arbeitsplatz beschweren kann. Natürlich gibt es deutsche und europäische Datenschutzgesetze, aber es fehlt an der konsequenten Durchsetzung. Ähnlich ist es beim Thema Steuern. Ob sich eine Kanzlerin Baerbock mit Amazon und Google anlegen wird?

Menschen mit Migrationshintergrund sind in der Tech-Branche besonders von Ausbeutung betroffen.

In einer idealen Welt geht die nächste Bundesregierung die Probleme von Arbeiter:innen mit Migrationshintergrund an. Sie sind von der Ausbeutung in der IT und der Tech-Branche besonders betroffen. Das liegt daran, dass sie oft nicht wissen, welche Rechte sie haben. Diese Menschen kommen oft aus Ländern, in denen es kaum Arbeitsrechte gibt und natürlich sprechen manche auch kein oder nur wenig Deutsch. Deshalb braucht es Infos – auf Deutsch, aber auch auf anderen Sprachen. Am besten in einer digitalen Form, einfach zugänglich, mit Beispielen und ohne die Hürden der juristischen Fachsprache. Außerdem bräuchte es ein System, mit dem man seinen Lohn überprüfen kann: Ist die Bezahlung fair? Verdiene ich genug? Das betrifft natürlich nicht nur Menschen mit Migrationshintergrund, sondern auch Frauen – Stichwort Gender-Pay-Gap. Auch sollten Betriebsratswahlen modernisiert werden, online stattfinden können und transparenter sein.

Die Serie

Zur Bundestagswahl am 26. September will die FR denjenigen Gehör verschaffen, die sich auch jenseits der Parteien engagieren: für neue Formen des Wirtschaftens, die den Planeten nicht zerstören. Für wohnliche Städte, gesunde Ernährung, umweltfreundliche Mobilität. Fürmehr politische Teilhabe und Gleichberechtigung.

Diese Menschen haben den Mut , auch das zu wählen, was nicht zur Wahl steht. Oft sind es nachdenklich-leise Töne, die von den Mächtigen in Politik und Wirtschaft arrogant ignoriert und von rechtspopulistischen Lautsprechern übertönt werden.Die FR-Serie „Wir können auch anders“ soll ein Verstärker für diese inspirierenden Stimmen sein.

Auch Sie, die Leserinnen und Leser, können sich an unserer Serie beteiligen. Was wäre das Erste, das die nächste Bundesregierung tun sollte? Schreiben Sie Ihre Antwort in einem bis drei Sätzen auf und schicken Sie sie an bundestagswahl21@fr.de . Eine Auswahl veröffentlichen wir im Rahmen der Serie.

Schwerpunkt Digitalisierung: Henriette Litta von der Open Knowledge Foundation fordert eine transparentere Demokratie.

In der nächsten Folge geht es um Verkehr. Sie erscheint am Freitag, 28. Mai

Zuletzt erschienen: eine Folge zum Thema Ungleichheit, am Dienstag, 18.Mai.

Alle Teile zum Nachlesen unter fr.de/Bundestagswahl

Ganz grundsätzlich sollten Arbeitnehmerrechte für alle gelten, also auch in weniger traditionellen Branchen. Arbeitgeber, die ihre Beschäftigten ausbeuten, müssen bestraft werden – härter als bisher. Und, ganz klar, die Löhne müssen steigen. In vielen Städten geben Menschen 50 bis 80 Prozent des Lohns für die Miete aus. Das darf so nicht sein.

Aufgezeichnet von Steffen Herrmann

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