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Die elf Häftlinge

Die Entführer des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer verlangen die Freilassung von elf Häftlingen, die wegen terroristischer Taten verurteilt

Die Entführer des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer verlangen die Freilassung von elf Häftlingen, die wegen terroristischer Taten verurteilt wurden oder in Untersuchungshaft sitzen. Andreas Baader (34), wurde wegen gemeinschaftlicher Tötung von fünf Menschen und Mordversuchen in 59 Fällen, Gründung einer kriminellen Vereinigung, Sprengstoffdelikten und Banküberfällen vom Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart am 28. 4. 1977 zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Gudrun Ensslin (37), eine ehemalige Lehrerin, wurde zusammen mit Baader, Ulrike Meinhof und Jan-Carl Raspe am 28. 4. 1977 vom OLG Stuttgart wegen Mordes und Mordversuchs zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Jan-Carl Raspe (33), Diplom-Soziologe, wurde zusammen mit Baader im Juni 1972 in Frankfurt verhaftet und vom OLG Stuttgart am 28. 4. 1977 wegen Mordes und Mordversuchs zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Seine Freilassung sowie die Freilassung von Andreas Baader und Gudrun Ensslin wurde anläßlich des Überfalls auf die Deutsche Botschaft in Stockholm am 24. 4. 1975 gefordert.

Irmgard Möller (30), ehemalige Studentin, wurde am 16. 3. 1976 wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und anderer Delikte zu viereinhalb Jahren Freiheitsstrafe vom Hamburger Schwurgericht verurteilt. Vom Vorwurf des Mordes und Mordversuchs wurde sie freigesprochen. Sie wurde verdächtigt, zusammen mit Angela Luther am 24. 5. 1972 den Bombenanschlag auf das US-Hauptquartier in Heidelberg ausgeführt zu haben, deswegen wurde sie von der Staatsanwaltschaft Heidelberg angeklagt. Am 31. 1. 1977 wurde sie von Hamburg nach Stuttgart verlegt. Verena Becker (25), Mitglied der Bewegung 2. Juni, wurde am 12. 12. 1974 zu sechs Jahren Jugendstrafe wegen Sprengstoffanschlags auf den britischen Yacht-Club in Berlin-Gatow verurteilt, bei dem es einen Toten gab. Am 3. 3. 1975 nach der Lorenz-Entführung mußte sie in die Volksrepublik Jemen ausgeflogen werden. Am 3. 5. 1977 wurde sie zusammen mit Günter Sonnenberg nach dem Attentat auf Generalbundesanwalt Buback festgenommen.

Günter Sonnenberg (23) wird der Gruppe um den Rechtsanwalt Siegfried Haag zugerechnet. Bei seiner Festnahme wurde er durch Kopfschüsse schwer verletzt. Aus der Universitätsklinik Tübingen wurde er zunächst nach Stuttgart-Stammheim und anschließend in die Vollzugsanstalt Hohenasperg verlegt. Karl-Heinz Dellwo (25), ehemaliger Industriekaufmann aus Opladen, wurde wegen Hausbesetzungen in Hamburg 1973 zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, überfiel zusammen mit Hanna-Elise Krabbe, Bernhard Maria Rössner und Lutz Taufer (er steht nicht auf der Liste) am 25. 4. 1975 die Deutsche Botschaft in Stockholm. Dabei wurde er wie die anderen festgenommen, an die Bundesrepublik ausgeliefert und mit ihnen in Düsseldorf zu lebenslanger Haftstrafe verurteilt. Wie bei den Stuttgarter BM-Häftlingen sind diese Urteile noch nicht rechtskräftig. Dellwo sitzt wahrscheinlich in Bochum ein.

Hanna-Elise Krabbe (31), ehemalige Studentin, ist ebenfalls wegen des Attentats von Stockholm verurteilt. Sie gehörte dem Kreis um das Sozialistische Patientenkollektiv (SPK) in Heidelberg an und nahm auch in Hamburg an Hausbesetzungen teil. Sie sitzt in Nordrhein-Westfalen ein. Bernhard Maria Rössner (31), ehemaliger Student, ist der dritte der verurteilten Attentäter von Stockholm. Er gehörte, wie Krabbe, dem Kreis um das Heidelberger SPK an und nahm ebenfalls an Hausbesetzungen in Hamburg teil. Er sitzt in Nordrhein-Westfalen ein.

Werner Hoppe (28), ehemaliger Hafenarbeiter in Hamburg, wurde nach einer Schießerei mit der Polizei festgenommen und 1972 von einem Hamburger Schwurgericht zu einer zehnjährigen Freiheitsstrafe wegen Totschlags inzwischen rechtskräftig verurteilt. Hoppe, vorübergehend von Hamburg nach Stammheim verlegt, sitzt jetzt in Hamburg ein.

Ingrid Schubert (32), ehemalige Medizinalassistentin, wurde am 8.10.1970 nach der Befreiung von Andreas Baader in West-Berlin festgenommen und wegen Gefangenenbefreiung und versuchten Mordes ein Jahr später zu sechs Jahren Haft verurteilt. 1974 wurde sie unter anderem wegen dreier Banküberfälle zu weiteren 13 Jahren rechtskräftig verurteilt. Die Attentäter von Stockholm wollten ihre Freipressung. Von West-Berlin wurde sie nach München zur Verbüßung ihrer Strafe verlegt.

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