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Der Deutsche Bundestag zu Berlin: Wenn politische Kommunikation zum Ritual verkommt.

Bundestag

Hackerangriff auf Hunderte Politiker

Alle Parteien im Bundestag sind betroffen - mit Ausnahme der AfD. Auch Informationen über andere Prominente und Journalisten tauchen im Netz auf.

Unbekannte haben persönliche Daten und Dokumente von Hunderten deutschen Politikern, anderen Prominenten und Journalisten im Internet veröffentlicht. Sprecher des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) sagten der Nachrichtenagentur AFP am Freitag, die Behörden sei mit dem Vorgang befasst.

Durch den Hackerangriff sind nach Angaben der Bundesregierung keine sensiblen Daten des Kanzleramts veröffentlicht worden. Das sagte Vize-Regierungssprecherin Martina Fietz am Freitag. Das gelte auch für die Bundeskanzlerin.

Ein BSI-Sprecher sagte AFP, seine Behörde prüfe den Vorgang in Zusammenarbeit mit weiteren Bundesbehörden „intensiv“. Das BfV sichtet derzeit das veröffentlichte Material, wie eine Sprecherin AFP sagte. Das Nationale Cyber-Abwehrzentrum übernahm den Sprechern zufolge die zentrale Koordination zu dem Fall.

Die Bundesregierung prüft, ob die im Internet veröffentlichten Daten von Prominenten und Politikern durch einen Hackerangriff abgefischt wurden. Man hält es nach dpa-Informationen auch für möglich, dass jemand, der durch seine Tätigkeit Zugang zu sensiblen Daten hat, diese online gestellt haben könnte. Fest stehe bereits, dass der Datenabfluss nicht über das Regierungsnetz erfolgt sei. Ein möglicher Angriffspunkt sei das Netz des Bundestages.

Daten bereits vor Weihnachten verbreitet

Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestages, Armin Schuster (CDU), hat gefordert, dass die geleakten Daten von Politikern und Prominenten möglichst schnell aus dem Netz genommen werden. „Die Daten müssen aus dem Netz“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. „Die Bundesregierung arbeitet mit den Providern daran, dass das möglichst schnell geschieht. Denn das sind ja kapitale Daten.“ Im Übrigen seien alle Sicherheitsbehörden des Bundes damit befasst, den Fall aufzuklären.

Schuster stellte zugleich infrage, ob die Daten tatsächlich einem Hackerangriff entstammen. „Das kann ein Hackerangriff sein, das kann aber auch eine sehr intensive Recherche sein“, sagte er. „Daten von Ministerpräsidenten und anderen Prominenten findet man jedenfalls nicht im Bundestagssystem.“ Der CDU-Politiker betonte: „Wir müssen schleunigst rauskriegen, was das für ein Szenario ist.“

Die unbekannten Datendiebe veröffentlichten Links zu ihrer Beute über den Kurzbotschaftendienst Twitter. Unter anderem sind dort E-Mail-Adressen und eine Faxnummer von Merkel zu finden. Inwieweit die Daten allesamt authentisch sind, blieb zunächst unklar. Offenbar sind von dem Hackerangriff alle im Bundestag vertretenen Parteien mit Ausnahme der AfD betroffen, also CDU/CSU, SPD, Grüne, Linke und die FDP.

Neben privaten Chats, abgelichteten Personalausweisen und Briefen wurden dem RBB und der „Bild“-Zeitung zufolge auch Kreditkarteninformationen veröffentlicht. Auch fänden sich parteiinterne Dokumente wie interne Kommunikation und Adress- und Mitgliederlistenin dem Material. Verbreitet worden seien die Daten bereits vor Weihnachten, bemerkt worden sei dies aber erst am Donnerstagabend, berichtete der RBB.

Unter den Opfern des Hackerangriffs sind der „Bild“-Zeitung zufolge auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, die Moderatoren Jan Böhmermann und Christian Ehring, Bands und Künstler wie der Deutsch-Rapper Materia und die Band K.I.Z, sowie Journalisten von ARD und ZDF. Der Zeitung zufolge kamen die Angreifer unter anderem bei Grünen-Chef Robert Habeck, SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil und Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel an besonders viele sensible Daten.

Erste Untersuchungen bei den betroffenen Parteien hätten ergeben, dass sich die Hacker möglicherweise Zugang über das E-Mail-Programm Outlook verschafften, schrieb die „Bild“-Zeitung weiter.

Die „Heilbronner Stimme“ berichtete, erste Bundestagsabgeordnete hätten wegen des Datendiebstahls Anzeige erstattet. Es gebe großen Unmut, dass die Informationen über den Angriff nicht vom BSI oder vom Bundesamt für Verfassungsschutz an die Fraktionen herangetragen worden sei, sondern sie zuerst von Bürgern und dem Chaos Computer Club darauf aufmerksam gemacht worden seien. Einige Abgeordnete hätten intern bereits in den vergangenen Wochen über Hackerangriffe berichtet, unter anderem auf Facebook-Konten.

In der Vergangenheit hatte es bereits mehrmals Hackerangriffe auf deutsche Politiker gegeben. Auch das besonders geschützte Regierungsnetz wurde erfolgreich angegriffen.

Auch Politiker in Hessen betroffen

Von dem Online-Angriff auf Hunderte Politiker und Prominente sind auch Politiker aus Hessen betroffen. Zahlreiche persönliche Daten und Dokumente waren im Internet veröffentlicht worden. Auf den Listen finden sich auch die Namen mehrerer Parteichefs und Bundestagsabgeordneter aus Hessen. Zu den veröffentlichten Daten zählen unter anderem Adressen, Telefonnummern oder Chat-Verläufe. 

Ein Sprecher des hessischen Innenministeriums bestätigte, dass auch Politiker aus dem Land Ziel der Hackerangriffe waren. Die Bundesbehörden und die hessischen Sicherheitsbehörden stünden in engem Austausch und ermittelten. Das Landeskriminalamt (LKA) nehme eine sogenannte Gefährdungsbewertung bei den Betroffenen vor. Falls diese vorliege, würden entsprechende Schutzmaßnahmen eingeleitet. (afp/dpa/FR)

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