Promi-Daten gestohlen

Hacker von Promi-Daten zeigte rechte Gesinnung

  • Markus Decker
    vonMarkus Decker
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Ermittlungen gegen den Verdächtigen jungen Mann laufen noch. Auf einer Plattform im Internet zeigte er sein rechtes Weltbild.

Die Ermittlungen gegen den damals 20-jährigen Hacker aus dem hessischen Homberg, der Hunderte Politiker und andere Prominente ausspionierte, verzögern sich. „Die Ermittlungen in dem Ermittlungsverfahren sind noch nicht abgeschlossen“, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Einen Zeitpunkt, wann die Ermittlungen abgeschlossen sein würden, könne er „nicht nennen, das lässt sich bei einem Verfahren mit diesem Umfang nicht verlässlich prognostizieren“.

Der Sprecher fügte hinzu: „Die bisherige Dauer der Ermittlungen ist dem Verfahrensumfang geschuldet.“ Anfang Mai hatte er noch erklärt: „Die Ermittlungen sollten Mitte des Jahres abgeschlossen sein.“

Nach Bekanntwerden des Hackerangriffs Anfang Januar war der Schüler verhaftet, später aber wieder freigelassen worden. Er gestand die Taten. Die Daten soll er teilweise selbst erbeutet, teilweise aber auch gekauft haben. Wie genau und warum, das war bis zuletzt unklar. Zwar gilt der Schüler als rechtsorientiert. Die Sicherheitsbehörden hatten eine politische Motivation jedoch eher heruntergespielt.

Allerdings hat sich die politische Situation seither deutlich verändert. Nach dem Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, der sich ebenfalls in Hessen ereignete, und dem versuchten Anschlag auf die Synagoge von Halle, wird der Rechtsextremismus von den Sicherheitsbehörden sehr viel ernster genommen als zuvor.

Nach offiziellen Angaben gibt es rund 1000 Betroffene und 50 schwerwiegendere Fälle, bei denen umfangreichere und teils sehr private Informationen für alle sichtbar ins Netz gestellt wurden. Zu den Hauptgeschädigten zählten seinerzeit unter anderem der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck und der ZDF-Satiriker Jan Böhmermann. Der Hacker hatte im vergangenen Dezember in einer Art „Adventskalender“ bei Twitter täglich neue Daten veröffentlicht.

Von der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft verlautete stets, bei dem Schüler handele es sich um einen Einzeltäter. Unter Betroffenen wird die Einzeltäterthese freilich unter anderem wegen des Umfangs der erbeuteten Daten bezweifelt. Überdies sei die rechtsextreme Radikalisierung des Täters über seinen Twitter-Account mühelos nachvollziehbar, wodurch sich Fragen nach möglichen Gesinnungsgenossen ergäben.

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