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Nord Stream 1: Gas-Lieferung sinkt deutlich

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Von: Tobias Utz, Helena Gries, Katja Thorwarth, Fee Halberstadt

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Aus Russland fließt immer weniger Gas nach Europa. Der russische Konzern Gazprom drosselt die Menge des über die Pipeline Nord Stream 1. 

+++ 11.55 Uhr: Nach entsprechenden Ankündigungen ist die Menge des über die Ostseepipeline Nord Stream 1 gelieferten russischen Erdgases am Mittwochmorgen gesunken. Das geht aus Netzdaten auf der Nord-Stream-1-Website hervor. Demnach wurden seit 9.00 Uhr nur noch gut 14 Millionen Kilowattstunden pro Stunde geliefert. Zu Beginn des Gastages - also zwischen 6.00 und 7.00 Uhr waren es noch mehr als 27 Millionen gewesen.

Das nach 9.00 Uhr erreichte Niveau entspricht der für den weiteren Tag auf der Nord-Stream-1-Website angekündigten Liefermenge.

Ab Donnerstag (21. Juli) könne wieder Gas durch die Pipeline Nord Stream 1 kommen. Wie viel, bleibt unklar.
Ab Donnerstag (21. Juli) könne wieder Gas durch die Pipeline Nord Stream 1 kommen. Wie viel, bleibt unklar. (Symbolbild) © Stefan Sauer/dpa

Gaslieferungen über Nord Stream 1: Liefermenge über Pipeline sinkt weiter

+++ 11.15 Uhr: Die Menge des über die Ostseepipeline Nord Stream 1 gelieferten russischen Erdgases ist weiter gesunken. Das geht aus vorläufigen Netzdaten der beiden Anschlusspunkte im vorpommerschen Lubmin hervor. Dort kamen demnach zwischen 8.00 und 9.00 Uhr gut als 17 Millionen Kilowattstunden an. Die Liefermenge dürfte weiter sinken. Für den weiteren Tag waren laut Nord-Stream-1-Website gut 14 Millionen Kilowattstunden pro Stunde angekündigt.

+++ 08.00 Uhr: Die Menge des über die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 gelieferten russischen Erdgases ist zu Beginn des Tages am Mittwochmorgen ab 6 Uhr noch weitgehend unverändert geblieben. Eine Absenkung der Liefermengen war laut Nord-Stream-1-Website allerdings ab 8 Uhr angekündigt.

Laut vorläufigen Netzdaten der beiden Anschlusspunkte im vorpommerschen Lubmin kamen dort zwischen 6.00 und 7.00 Uhr insgesamt mehr als 27 Millionen Kilowattstunden an und damit in etwa so viel wie in den Stunden zuvor.

EU-Staaten einigen sich auf Gas-Notfallplan

Update vom Mittwoch, 27. Juli, 06.40 Uhr: In Vorbereitung auf einen möglichen Stopp russischer Gaslieferungen haben sich die EU-Staaten nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur auf einen umfangreichen Notfallplan zur sofortigen Drosselung des Gas-Verbrauchs verständigt. Die bei einem Sondertreffen der Energieminister am Dienstag (26. Juli) getroffene Einigung sieht vor, den nationalen Konsum im Zeitraum vom 1. August 2022 bis zum 31. März 2023 freiwillig um 15 Prozent zu senken. Zudem soll die Möglichkeit geschaffen werden, bei weitreichenden Versorgungsengpässen einen Unionsalarm auszulösen und verbindliche Einsparziele vorzugeben.

Der nun vereinbarte Plan setzt zunächst beim 15-Prozent-Ziel auf Freiwilligkeit. Erst im nächsten Schritt könnte es dann verpflichtende Einsparziele geben, die in der Regel bei 15 Prozent liegen sollen. Im Vergleich zum Vorschlag der EU-Kommission wurden die Hürden für die Einführung der Einsparvorgaben allerdings erhöht. Sie sollen nur noch vom Rat der Mitgliedstaaten und nicht von der EU-Kommission durchgesetzt werden können. Dafür bräuchte es die Zustimmung von mindestens 15 EU-Ländern, die zusammen mindestens 65 Prozent der Gesamtbevölkerung der Union ausmachen. Auch sind deutlich mehr Ausnahmen vom Gassparen möglich.

Nord Stream 1: Gazprom senkt Gaslieferung auf 20 Prozent – Habeck spricht von einer „Farce“

Update vom Dienstag, 26. Juli, 06.30 Uhr: Russland fährt die Gaslieferungen durch die nach Deutschland führende Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 noch einmal drastisch zurück. Die Liefermengen würden ab Mittwoch (06.00 Uhr MESZ) wegen der Wartung einer Turbine auf nur noch 33 Millionen Kubikmeter Gas pro Tag reduziert, teilte der Energiekonzern Gazprom am Montag im Online-Dienst Telegram mit. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sprach von einer „Farce“. 

Vergangene Woche drohte der russische Präsident Wladimir Putin mit einer weiteren Drosselung, sollte eine defekte Siemens-Turbine, die in Kanada repariert wurde, nicht in Russland eintreffen. Am Montag machte Gazprom erneut westliche Sanktionen für die Verzögerungen bei der Lieferung der Turbine verantwortlich. Die kanadische Regierung hat auf Drängen der Bundesregierung dem Siemens-Konzern inzwischen erlaubt, trotz der Russland-Sanktionen die Turbine zunächst nach Deutschland zu bringen.

Die Turbine traf laut dem Bundeswirtschaftsministerium vergangene Woche in Deutschland ein. Das Ministerium verwies am Montag nochmals darauf, dass für die Weiterlieferung nach Russland nach EU-Sanktionsrecht keine Ausnahmegenehmigung nötig sei. Für die Ausfuhr der Turbine fehlen nach Angaben von Siemens Zolldokumente für den Import nach Russland. Diese könnten nur von Gazprom bereitgestellt werden, sagte ein Sprecher von Siemens Energy am Montag der Nachrichtenagentur AFP.

Update vom Montag, 25. Juli, 09.30 Uhr: Klaus Müller, Chef der Bundesnetzagentur, hat sich zufrieden mit dem aktuellen Fülltempo der Gasspeicher gezeigt. Die Speicher in Deutschland befänden sich „endlich wieder auf einem ordentlichen Einspeicherpfad“, teilte Müller auf Twitter mit. Der Füllstand habe am 23. Juli bei 65,91 Prozent gelegen. „Jetzt gilt es, die 75% Quote zum 1.9. zu schaffen“, so Müller weiter. Auch der angeschlagene Gasimporteur Uniper habe die Ausspeicherung, also die Entnahme von Gas, beendet.

+++ 18.45 Uhr: Nach einer Routine-Wartung in Kanada wurde die Turbine der Gaspipeline Nord Stream 1 aufgrund des aktuellen Ukraine-Konflikts an Deutschland übergeben. Damit die Turbine zurück nach Russland darf, fehlt es aktuell an einer Bestätigung für eine Ausnahme von geltenden Sanktionsregelungen. Bereits in der vergangenen Woche berichtete Gazprom, es habe diese schriftliche Bestätigung angefordert. „Aber Siemens hat sie (die Dokumente) bislang nicht bereitgestellt.“ Nun wiederholte der Konzern die Forderung.

Update vom Freitag, 22. Juli, 08.30 Uhr: Weiterhin herrscht Unklarheit bezüglich der fehlenden Turbine für die Gaspipeline Nord Stream 1. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) vermutet, dass Russland dafür verantwortlich ist. Er hält dies offenbar für eine Verzögerungstaktik. „Man hat manchmal den Eindruck, Russland will sie gar nicht mehr zurücknehmen“, sagte der Grünen-Politiker der Nachrichtenagentur Reuters zufolge.

Nord Stream 1: Russische Gaslieferung nach Wartung wieder angelaufen

Update vom Donnerstag, 21. Juli, 06.30 Uhr: Nach der Wartung von Nord Stream 1 ist am Donnerstagmorgen die Gaslieferung durch die deutsch-russische Pipeline wieder angelaufen. Es fließe wieder Gas, sagte ein Sprecher der Nord Stream AG der Deutschen Presse-Agentur.

Nord Stream 1: Putin deutet an, dass bald wieder Gas aus Russland kommen soll

Erstmeldung vom 20. Juli: Moskau – Wegen jährlich wiederkehrenden Wartungsarbeiten wurde die Gaspipeline Nordstream 1 zeitweise abgeschaltet. Nun deutet einiges darauf hin, dass bald wieder Gas aus Russland durch sie strömt. Bereits in der Nacht zum Mittwoch (20. Juli) hatte der russische Präsident Wladimir Putin weitere Lieferungen nach planmäßigem Ende der Wartungen angedeutet. „Gazprom erfüllt seine Verpflichtungen, hat sie stets erfüllt und ist gewillt, weiterhin alle seine Verpflichtungen zu erfüllen“, zitiert die russische Agentur Interfax den Kremelchef. Auch die Nord Stream AG hat bisher keine Verzögerungen oder mögliche Einschränkungen der Kapazität an den Markt gemeldet, wozu sie nach eigenen Angaben verpflichtet wäre.

Laut vorläufigen Daten des Netzbetreibers Gascade sind für Donnerstag (21. Juli) ab 06.00 Uhr Gaslieferungen vorgemerkt. Gascade betreibt die beiden Empfangspunkte von Nord Stream 1 im vorpommerschen Lubmin. Diese Vormerkungen – sogenannte Nominierungen – seien Voraussetzung, damit nennenswerte Mengen transportiert werden können, hatte eine Gascade-Sprecherin zuvor erklärt. Die Anmeldungen können sich demnach allerdings noch bis kurz vor der tatsächlichen Lieferung ändern.

Gas aus Russland: Liefermengen sind bisher unklar

Putin warnte in der Nacht zum Mittwoch (20. Juli) vor einem weiteren Absenken der Liefermenge, denn sollte Russland die in Kanada reparierte Turbine nicht zurückerhalten, drohe Ende Juli die Durchlasskapazität nochmals deutlich zu fallen. „Dann gibt es nur 30 Millionen Kubikmeter am Tag.“ Die Pipeline kann pro Tag theoretisch mehr als 167 Millionen Kubikmeter transportieren. Die Turbine wurde wegen der westlichen Sanktionen infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine lange zurückgehalten. Zuletzt hatte Kanada entschieden, die Turbine an Deutschland zu übergeben.

Nord Stream 2 als Druckmittel: Putin könnte Gashahn vollständig zudrehen

Der Kremlchef brachte erneut die weitgehend parallel verlaufende, fertiggestellte, aber nicht betriebene Pipeline Nord Stream 2 ins Spiel. „Wir haben noch eine fertige Trasse – das ist Nord Stream 2. Die können wir in Betrieb nehmen“, zitiert ihn die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass. Er hatte schon in der Vergangenheit erklärt, der Betrieb von Nord Stream 2 könnte die Gaspreise senken. Nach Beginn des Ukraine-Konflikts setzte Deutschland das Genehmigungsverfahren für den Betrieb der Leitung aus.

Denkbar wäre, dass Moskau die Inbetriebnahme von Nord Stream 2 durch die Drosselung von Nord Stream 1 erzwingen will. Politiker aus den Reihen der Berliner Ampel-Koalition sprachen unter anderem von einem „plumpen Erpressungsversuch“. Auch von der Bundesnetzagentur und von der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) kamen Absagen.

Russiche Gaslieferungen: Von der Leyen hält Lieferstopp für wahrscheinlich

Von der Leyen hält nach eigener Aussage einen kompletten Lieferstopp von Gas aus Russland in die Europäische Union für wahrscheinlich. „Wir müssen uns auf eine vollständige Unterbrechung der russischen Gasversorgung vorbereiten.“ Bereits zwölf EU-Länder würden gar nicht mehr oder nur eingeschränkt von Russland mit Gas beliefert würden. „Russland erpresst uns, Russland setzt Energie als Waffe ein.“

Im Fall eines Gasnotstands sollen EU-Staaten nach dem Willen der Europäischen Kommission zum Gassparen gezwungen werden können. Konkret schlug die Brüsseler Behörde am Mittwoch (20. Juli) vor, dass verbindliche Reduktionsziele möglich sein sollen, wenn nicht genug gespart wird. Freiwillig sollen die EU-Länder alles dafür tun, ihren Verbrauch in den kommenden Monaten um 15 Prozent im Vergleich zum Schnitt der vorangegangenen fünf Jahre zu verringern. Die EU-Staaten müssen dem Vorhaben noch zustimmen. (fh/ktho/tu mit AFP/dpa)

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