Der Aufenthaltsort des abgesetzten Präsidenten blieb am Montag unterdessen unklar. Nach Angaben von Militärquellen soll sich Condé unter Hausarrest in einem Hotel in Conakry befinden. Die Vereinten Nationen, Europäische Union, Vereinigte Staaten und Russland verurteilten den Umsturz.
Das Fußballnationalteam von Marokko, zu dem auch Aymen Barkok vom Bundesligisten Eintracht Frankfurt gehört, flog am Sonntagabend nach ungewissen Stunden zurück in die Heimat. Das WM-Qualifikationsspiel gegen Guinea war wegen der „volatilen Lage“ im Land abgesagt worden (siehe vorheriges Update). Die Mannschaft habe sich „dank der Bemühungen seiner Majestät des Königs Mohammed VI auf den Rückweg nach Marokko gemacht“, sagte Verbandsfunktionär Mohamed Makrouf der Nachrichtenagentur AFP.
Update vom 5. September, 21.46 Uhr: Die aktuelle politische Lage in Guinea ist nach dem mutmaßlichen Putschversuch weiterhin unklar. Der Fußballweltverband Fifa hat nun bekannt gegeben, das WM-Qualifikationsspiel zwischen Guinea und Marokko aufgrund der „sehr volatilen“ Situation abzusagen. Betroffen ist damit auch Aymen Barkok vom Bundesligisten Eintracht Frankfurt. Der Offensivspieler wurde ebenso für die marokkanische Nationalmannschaft nominiert wie der frühere Dortmunder Achraf Hakimi (jetzt Paris).
Der marokkanische Verband arbeite laut Funktionär Mohamed Makrouf daran, das Team zu evakuieren. Man befinde sich derzeit in einem Hotel, „weit weg von den Spannungen. Am Flughafen steht bereits ein Flugzeug.“ Wann die Partie nachgeholt wird, steht noch nicht fest.
Erstmeldung vom 5. September: Conakry - An mehreren Orten in Conakry, Hauptstadt des westafrikanischen Land Guinea, ist es zu anhaltenden Schusswechseln gekommen. Vor allem in der Nähe des Präsidentenpalastes im Ortsteil Kaloum sei es zu Feuergefechten gekommen, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. „Ich habe eine Kolonne von Militärfahrzeugen mit Soldaten gesehen, die in die Luft schossen und militärische Parolen riefen“, sagte eine Bewohnerin Conakrys AFP. „Die Soldaten waren alle vermummt.“ Das Militär patroullierte auf den Straßen Conakrys – während ein Putschversuch in vollem Gange sein soll.
Der Putschversuch soll unmittelbar vom Militär ausgehen. Spezialkräfte der Armee hätten Präsident Alpha Condé am Sonntag gefangen genommen und die Regierung „aufgelöst“, hieß es in einem Video der Putschisten, das der Nachrichtenagentur AFP vorliegt. Die Lage war aber unklar: Das Verteidigungsministerium erklärte, „die Aufständischen“ hätten in Conakry Angst und Schrecken verbreitet und den Präsidentenpalast angegriffen. Ein Angriff auf den Präsidentensitz sei aber durch die Spezialeinheit zurückgeschlagen worden. Dass Spezialkräfte der Armee Condé gefangen genommen haben, bestätigte wiederum eine Quelle aus dem Präsidentenpalast der Deutschen Welle.
In dem Video der Putschisten hieß es, nach der Gefangennahme des Präsidenten sei beschlossen worden, die Verfassung außer Kraft zu setzen und die Institutionen aufzulösen. „Wir haben auch beschlossen, die Regierung abzusetzen und die Grenzen zu schließen“, sagte ein uniformierter und bewaffneter Putschist in dem Video, das in sozialen Medien weite Verbreitung fand, aber nicht vom Staatsfernsehen veröffentlicht wurde.
In dem Video ist auch der Präsident zu sehen, der sich in der Gewalt der Putschisten befand. Condé - in Jeans und Hemd auf einem Sofa sitzend - weigerte sich darin auf die Frage der Putschisten zu antworten, ob er misshandelt worden sei. Informationen eines westlichen Diplomaten zufolge hat die Eliteeinheit den Präsidentenpalast zumindest vorübergehend übernommen. Der Diplomat, der gegenüber AFP anonym bleiben wollte, vermutete als Ursache Spannungen zwischen der Regierung und dem Kommandeur der Spezialeinheit. UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte „jegliche Übernahme der Regierung durch Waffengewalt“. Er fordere die sofortige Freilassung des Präsidenten.
Präsident Condé hatte vergangenes Jahr eine Verfassungsänderung durchgesetzt, die ihm eine dritte Amtszeit ermöglichte. Im Oktober ging der heute 83-Jährige nach offiziellen Angaben aus der von Gewalt begleiteten, umstrittenen Wahl als Sieger hervor, was wiederum zu Massenprotesten führte. Bei Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften starben damals dutzende Menschen. Guinea zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Die wirtschaftliche Krise im Land wurde durch die Coronavirus-Pandemie* weiter verschärft. (as/afp) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA