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In der Hauptstadt Conakry bejubeln die Menschen das Militär.
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Ein weiterer Putsch – In der Hauptstadt Conakry bejubeln die Menschen das Militär, nachdem der Präsidentenpalast gestürmt wurde.

Putschisten Hochburg

Guinea: Militär verspricht Demokratie nach weiterem Putsch

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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In der Hauptstadt Conakry ist der Jubel groß – Schon wieder gelang es den Putschisten, den Präsidentenpalast und die Rundfunkanstalt in Guinea zu stürmen.

Guinea – Mit einem vierten Coup innerhalb eines Jahres hat Westafrika seinen Ruf als globale Hochburg der Putschisten bestätigt. Nach zwei Staatsstreichen in Mali und einem im Tschad war am Sonntag Guinea an der Reihe – mit einem Umsturz, dessen Skript aus einem Handbuch für Obristen stammen könnte.

Rund fünfzig Fahrzeuge einer zur Terror-Bekämpfung gegründeten Spezialtruppe machten sich am Sonntagmorgen unter ihrem Kommandeur Mamady Doumbouya auf den rund hundert Kilometer langen Weg von ihrer Kaserne in die Hauptstadt Conakry, wo sich die Elitesoldaten alsbald Gefechte mit der Schutztruppe des Präsidenten Alpha Condé lieferten. Dabei sollen mehrere Uniformierte getötet worden sein, wie viele genau, steht derzeit nicht fest.

Den Putschisten gelang es innerhalb von zwei Stunden, sowohl den Präsidentenpalast als auch die Rundfunkanstalt des Landes zu stürmen: Dort gab der 41-jährige Doumbouya, der das Kriegshandwerk bei der französischen Fremdenlegion und in der Pariser „École de Guerre“ gelernt hatte, vor laufenden Kameras eine Stellungnahme ab.

Putsch in Guinea: „Wir sind hier, um das Elend des guineischen Volkes zu beenden“

„Wir sind hier, um das Elend des guineischen Volkes zu beenden“, sagte der in eine guineische Flagge gehüllte Oberstleutnant: „Die Zeiten sind vorbei, in der ein einziger Politiker die Geschicke des Landes diktieren konnte.“ Ein von den Offizieren gebildetes „Nationales Komitee zum Zusammenschluss und zur Entwicklung“ (CNRD) werde vorübergehend die Macht an sich nehmen. Zugleich solle aber auch der „Respekt für demokratische Institutionen“ wieder hergestellt und für einen „offenen, integrativen und friedlichen Übergang“ gesorgt werden. Um dies zu bestätigen, wurde ein Video präsentiert: Auf diesem war der entmachtete Präsident sichtlich verwirrt und mit halboffenem Hemd von Soldaten umringt auf einer Couch kauernd zu sehen. „Haben wir Ihnen ein Haar gekrümmt, Exzellenz?“, fragt ein Offizier. Der 83-jährige Condé zog es vor, nicht zu antworten.

Alpha Condé war vor elf Jahren als erster Staatschef Guineas durch Wahlen an die Macht gekommen. Alle vorigen Präsidenten des 1958 von Frankreich in die Unabhängigkeit entlassenen Staats hatten sich an die Macht geputscht. Die Führung seiner Oppositionspartei „Zusammenschluss des guineischen Volks“ (RPG) brachte dem Lehrer mehrere Gefängnisstrafen ein.

Leere Versprechungen führen zu Enttäuschungen – Alpha Condé schaffte es nicht, die Korruptionen in Guinea zu beenden.

Nach seiner Wahl 2010 ließ er sich gerne als „Guineas Nelson Mandela“ feiern. Bei seinem Amtsantritt versprach er, der Korruption ein Ende zu bereiten und die Demokratie im Land zu stärken. Mit diesem Programm wurde Condé fünf Jahre später sogar wiedergewählt. Allerdings waren seine Versprechungen auch am Ende seiner zweiten Amtszeit nicht eingelöst. Stattdessen verschaffte sich der Präsident noch eine von der Verfassung eigentlich untersagte dritte Amtszeit – und ließ die Proteste dagegen von Sicherheitskräften niederschlagen. Bei den Unruhen im vergangenen Jahr sollen weit über zweitausend Menschen getötet worden sein. Von Guineas Nelson Mandela ist seitdem nicht mehr die Rede.

Korruption: Guinea ist ein armes Land - trotz voller Rohstoff-Depots

Guinea hat die größten Bauxit-Vorräte der Welt. Jährlich werden dort 66 Millionen Tonnen des für die Aluminium-Produktion benötigten Rohstoffs im Wert von fast drei Milliarden Euro gefördert. Der Preis des Bauxit steigt derzeit stark an: Mehr als 70 Prozent der Guineer bekommen von dem Rohstoff-Segen allerdings nichts ab. Sie müssen nach UN-Angaben mit knapp drei Euro am Tag auskommen. Unterdessen werden Berichte über Korruptionsaffären, in die Condé und sein Kabinett verwickelt sein sollen, immer häufiger.

Der Präsident erhöhte jüngst sogar sein Gehalt, während die Bevölkerung eine 20-prozentige Preissteigerung des Benzins zu verkraften hatte. Da war es um die Geduld der Offiziere geschehen. „Zeit zum Erwachen!“, rief Putschistenchef Doumbouya in seiner Fernsehansprache. Tausende Menschen zogen nach der Rede Doumbouya jubelnd durch die Straßen von Conakry.

Einmal mehr sehen sich Westafrikas Staatschefs nun mit der Frage konfrontiert, wie sie mit einem Coup umgehen sollen, der nicht gegen die Bevölkerung, sondern gegen tatsächliche Missstände gerichtet ist. Offiziell sind ausländische Regierungen gezwungen, Staatsstreiche kategorisch abzulehnen. So steht es sowohl in der Satzung der Afrikanischen Union wie des westafrikanischen Staatenbundes Ecowas. Beide werden die Mitgliedschaft Guineas zumindest vorübergehend suspendieren. Doch dass ein Staatstreich nach der Anwendung derartiger „Druckmittel“ rückgängig gemacht wird, ist unwahrscheinlich. Guinea wird sich – wie Mali und der Tschad – irgendwie durchlavieren. (Johannes Dietrich)

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