1. Startseite
  2. Politik

Günstiger Strom vom Balkon: Förderprogramm für kleine Solaranlagen

Erstellt:

Von: Jörg Staude

Kommentare

Mecklenburg-Vorpommern startet ein Förderprogramm für kleine Solaranlagen. Erst sollte das Programm im Oktober starten, jetzt im November.

Kiel/Frankfurt – Der Strompreis ist zu hoch? Vor nicht allzu langer Zeit hätten alle Ratgeber gesagt: Wechsle den Stromanbieter! Seit der Strompreis kriselt und viele Versorger Neukund:innen gar nicht gern sehen, lautet der Rat zum Sparen stattdessen: Schaff dir eine eigene Solaranlage an – und am schnellsten geht das mit einer für den Balkon, sofern vorhanden.

Gerade in Zeiten, wo die Energiekosten galoppieren, können Menschen, die zur Miete wohnen und auch einen Balkon haben, aber oft nicht die mehreren hundert Euro aus dem Ärmel schütteln, die so eine Balkonanlage kostet. Da ist es fast logisch, dass Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin des Bundeslandes mit den deutschlandweit niedrigsten Löhnen, Ende August die Idee verkündete, Photovoltaik für hauseigenen Strom von Balkon und Fassaden zu fördern.

Nicht schön, aber praktisch und sinnvoll: Solar-Panele über dem Balkon eines Passivhauses in der Wiener Roschegasse. imago images
Nicht schön, aber praktisch und sinnvoll: Solar-Panele über dem Balkon eines Passivhauses in der Wiener Roschegasse. imago images © Imago

Förderprogramm für kleine Solaranlagen: Zehn Millionen Euro für 20.000 Anlagen

Erst sollte das Programm im Oktober starten, jetzt laut Medienberichten im November. Zehn Millionen Euro stehen dafür bereit. Für jede Anlage, die bis zu 600 Kilowatt Leistung haben kann, soll es maximal 500 Euro Zuschuss geben. Damit reicht das Geld rechnerisch für 20.000 Anlagen.

Förderanträge können Privatpersonen mit Erstwohnsitz in Mecklenburg-Vorpommern stellen, die zur Miete wohnen oder selbst genutztes Wohneigentum haben. Photovoltaik für Gärten, Boote, Campingunterkünfte und Ähnliches soll nicht gefördert werden.

Die Solarwirtschaft begrüßt die bundesweit bisher recht einmalige Idee. „Förderprogramme für Steckersolargeräte und Balkonsolarmodule, die dazu dienen, auch Wohnungshaushalte aktiv an der Energiewende teilhaben zu lassen, halten wir für sinnvoll“, sagt Carsten Körnig, Chef des Verbandes BSW Solar.

Körnig geht es dabei nicht nur um die kostengünstigere Anschaffung. Das Programm sei auch ein wichtiges politisches Signal. Derartige Haushaltsphotovoltaik sei inzwischen eine ausgereifte Anwendung.

Bürokratie und besondere Anforderungen hemmen Förderprogramm für kleine Solaranlagen

Nach Einschätzung des BSW Solar kostet ein Steckersolar-Set mit 300 bis 600 Watt Anschlussleistung derzeit zwischen 500 und 1000 Euro. Bislang sollen die Zuschüsse auch nicht nach Größe der wohnungseigenen Solaranlage gestaffelt werden: Theoretisch könnte es künftig also möglich sein, sich allein mit dem 500-Euro-Zuschuss eine besonders preiswerte 300-Watt-Anlage zuzulegen. Leider wird die weitere Solarbürokratie den Geförderten nicht erleichtert. Vermieter:innen müssen gefragt werden, ob Solarmodule an der Fassade erlaubt sind. Auch sollte geprüft werden, ob der häusliche Stromkreis und die Steckdose den Anschluss des Moduls vertragen.

Größtes Ärgernis aber ist der vorgeschriebene Einbau eines Zweirichtungszählers anstelle der meist jetzt noch eingesetzten elektromechanischen Zähler mit Drehscheibe. Zwar sind die Kosten für so einen neuen, digitalen Zähler auf 20 Euro pro Jahr gedeckelt, sie können aber lokal auch davon abweichen. Des Weiteren muss die Photovoltaikanlage an den Netzbetreiber und das Marktstammdatenregister gemeldet werden. Und natürlich dürfen die neuen Stromerzeuger:innen eventuell anfallenden Überschuss-Strom nicht mit Menschen in der Nebenwohnung, dem Nebenhaus oder Nebengrundstück teilen – jedenfalls nicht legal. Der nicht genutzte Strom fließt über den neuen Zähler ins lokale Stromnetz – ohne eine Vergütung, versteht sich.

Förderprogramm für kleine Solaranlagen: Solarmodul schon nach wenigen Jahren amortisiert

Carsten Körnig hält die – nach seiner Erfahrung vor allem von der Bundesnetzagentur ausgehende – Forderung für übertrieben, dass jede Kilowattstunde, die ins Netz und aus dem Netz fließt, gemessen werden soll. „In der Vergangenheit hatten einzelne Netzbetreiber auf den Zählertausch verzichtet, wenn es sich um Solargeräte bis 300 Watt gehandelt hatte, weil bei dieser Leistung davon auszugehen ist, dass nur sehr geringe Mengen ins Netz rückgespeist werden und diese kleinen Mengen im Bereich des Messfehlers der Zähler liegen“, erläutert Körnig.

Wenn das Solarmodul an einem weitgehend unverschatteten Ort sicher befestigt oder aufgestellt werden kann, kann es sich dank Förderung schon nach wenigen Jahren amortisieren und 20 Jahre oder länger zuverlässig Strom erzeugen, meint der BSW Solar.

Selbst wenn alle 20.000 Anlagen installiert sind und genutzt werden, hält sich die tatsächlich erzeugte Strommenge allerdings in Grenzen. Das Schweriner Umweltministerium schätzt die jährliche Stromerzeugung, die das Förderprogramm hervorbringt, auf 7200 Megawattstunden. Das entspricht in Deutschland dem Verbrauch von rund 2000 Durchschnittshaushalten.

Schlanke Prozesse und Bürokratieabbau anstatt Förderprogramm für kleine Solaranlagen gefordert

Für den Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE) zeigen das Förderprogramm und seine Umsetzung auch, woran es bei der privaten Energiewende hapert. Weitaus wichtiger als Förderprogramme sei es, für schlanke Prozesse zu sorgen, betont Bernhard Strohmayer, beim BNE zuständig für erneuerbare Energien.

„Die Hemmnisse für Balkon-Photovoltaik sollten sofort wegfallen“, fordert Strohmayer. „Solche Kleinstanlagen sollten von Laien als steckerfertige Geräte eingesteckt werden dürfen – ohne überbordende Bürokratie, ohne Anmeldung beim Verteilnetzbetreiber und ohne besondere Anforderungen an die Installation in gewöhnliche Haushaltsstromkreise.“

Auch das Erneuerbare-Energien-Gesetz müsse auf die kommende große Anzahl kleinster Anlagen vorbereitet werden, sagt Strohmayer. Das könne beispielsweise durch eine Definition von Kleinstanlagen geschehen, die dann über eine Freigrenze von Bürokratie befreit werden. (Jörg Staude)

Auch interessant

Kommentare