Porträt

G'standener Papa

Was taten sie damals empört, die CSU-Herren, als Familienministerin Ursula von der Leyen ankündigte, Elterngeld für Väter einzuführen. Gespottet haben sie

Von IRIS HILBERTH

Was taten sie damals empört, die CSU-Herren, als Familienministerin Ursula von der Leyen ankündigte, Elterngeld für Väter einzuführen. Gespottet haben sie gar, die g'standenen Mannsbilder aus dem Süden. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer meinte: "Wir müssen dieses Wickel-Volontariat nicht unbedingt haben." Etwas kleinlauter waren sie dann ein Jahr später, als sich herausstellte, dass gerade bayerische Väter das Angebot gern annehmen und darin nur noch von den Männern aus Mecklenburg-Vorpommern übertroffen werden.

Inzwischen sind die modernen bayerischen Männer gar im CSU-Vorstand anzutreffen. Stefan Rößle, Landrat des Landkreises Donau-Ries und Chef der Kommunalpolitischen Vereinigung der CSU, tauscht ab März für zwei Monate seinen Schreibtisch im Landratsamt Donauwörth mit der Betreuungsaufgabe zu Hause bei Tochter Maike. Bundesweit ist der 44-jährige fünffache Vater der erste Landrat, der Elternzeit nimmt.

Maike ist eine Nachzüglerin. Und macht Papa möglicherweise zum echten Pionier. Ein Bürgermeister aus Franken soll bei ihm angefragt haben, ob die Leute arg geschimpft hätten. "Durchziehen", hat er dem Kollegen geraten. Das hatte Rößle sich auch vorgenommen, als er kurz nach der Geburt der Kleinen im vorigen Sommer seinen Entschluss vor dem Kreistag bekanntgab. Spontanen Applaus hatte er da geerntet - von den Grünen, den Linken und der Frauenliste. In der CSU aber herrschte erst mal Schweigen. Rößle musste sich Fragen gefallen lassen wie: "Könnt ihr euch keinen Babysitter leisten?"

So was war man nicht gewohnt von einem CSU-Mann, bei dem bisher zu Hause alles so gelaufen war, wie sich das die Christsozialen lange vorgestellt haben: Die Frau blieb bei den Kindern, der Mann macht Karriere. Bei den Ältesten, Zwillingen, die heute 17 Jahre alt sind, war Rößle noch Beamter bei der Kripo. Damals blieb noch etwas Zeit, um zu Hause mitzuhelfen. Dann wurde er Bürgermeister in Oberndorf am Lech, 2002 Landrat und vergangenes Jahr mit 94,2 Prozent wiedergewählt. Heute bedauert er, dass ihm viel zu wenig Zeit für die Familie bleibt und seine Frau sogar den Rasen mähen müsse.

Politisch ist die Familie schon länger sein Thema. Als Landrat rief er ein von der Wirtschaft unterstütztes Bündnis für Mütter und Väter, die sich um ihre Kinder kümmern wollen, ins Leben. Dabei kam ihm die Idee, ein Zeichen zu setzen und für Maike zu Hause zu bleiben. Seine Arbeit übernimmt in dieser Zeit sein Vize, wichtige, vorhersehbare Beschlüsse wie die Verabschiedung des Etats, hat er vorverlegt. Er will sich völlig ausklinken. Und weder im Büro auftauchen noch in einer Sitzung. Sogar Telefonieren ist für ihn tabu.

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