Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Der Erste Sekretär der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) und Vorsitzende des Staatsrates der DDR, Walter Ulbricht, hält eine von Funk und Fernsehen ausgestrahlte Wahlrede (Archivbild vom 15. September 1961. Ulbricht, der am 1. August 1973 starb, landete am 30. April 1949 aus Moskau kommend mit einer Gruppe Gleichgesinnter, der "Gruppe Ulbricht", bei Berlin, um den sowjetischen Militärbehörden beim Aufbau des neuen antifaschistischen Deutschland zu unterstützen.
+
Der Erste Sekretär der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) und Vorsitzende des Staatsrates der DDR, Walter Ulbricht, hält eine von Funk und Fernsehen ausgestrahlte Wahlrede (Archivbild vom 15. September 1961. Ulbricht, der am 1. August 1973 starb, landete am 30. April 1949 aus Moskau kommend mit einer Gruppe Gleichgesinnter, der "Gruppe Ulbricht", bei Berlin, um den sowjetischen Militärbehörden beim Aufbau des neuen antifaschistischen Deutschland zu unterstützen.

Als die "Gruppe Ulbricht" aus Moskau kam

Grundstein für die DDR stalinistischer PrägungDer sowjetische Diktator Josef Stalin hatte zehn deutsche Kommunisten unter Leitung von Walter Ulbricht in den letzten Kriegstagen Richtung Berlin geschickt. Sie sollten die sowjetischen Militärbehörden beim Aufbau des neuen antifaschistischen Deutschlands unterstützen und die von den Nazis zerschlagene KPD neu gründen.

Von KIRSTEN BAUKHAGE (BERLIN, DPA)

Am 30. April 1945 landete - aus Moskau kommend - im polnischen Kalawa ein kleines Flugzeug. An Bord befand sich eine Truppe eingeschworener Männer: die "Gruppe Ulbricht". Der sowjetische Diktator Josef Stalin hatte die zehn deutschen Kommunisten unter Leitung von Walter Ulbricht in den letzten Kriegstagen Richtung Berlin geschickt. Sie sollten die sowjetischen Militärbehörden beim Aufbau des neuen antifaschistischen Deutschlands unterstützen und die von den Nazis zerschlagene KPD neu gründen. Zehn Revolutionäre, die auf Geheiß Stalins den Grundstein für die Machtübernahme der KPD in der späteren DDR legen sollten. Ulbricht stieg später bis zum SED- und Staatsratsvorsitzenden auf.

Geredet über Art und Dauer des Auftrags wurde weder im Flugzeug noch auf der späteren Autofahrt Richtung Seelower Höhen, wie sich 60 Jahre später Wolfgang Leonhard erinnert. Mit 24 Jahren war er damals das jüngste Mitglied der legendären Gruppe, der auch die späteren Minister Karl Maron (Innen) und Otto Winzer (Außen) angehörten.

"Wir brechen nach Deutschland auf, und Du bist dabei"

Am Vorabend des Aufbruchs war Leonhard ins Moskauer "Hotel Lux" zu Ulbricht und dem Führer der Exil-KPD, Wilhelm Pieck, einbestellt worden, wo ihm nur knapp mitgeteilt wurde: "Wir brechen nach Deutschland auf, und Du bist dabei." Wer warum für die "Gruppe Ulbricht" ausgesucht worden war, sei ihm bis heute schleierhaft, sagt Leonhard. "Unter Stalin stellte man keine Fragen."

Im engsten Führungszirkel der Exil-KPD waren jedoch längst die "Hauptlinien der Propaganda" für den Einsatz festgelegt. "Legende zerschlagen, dass Rote Armee das deutsche Volk vernichten oder zerschlagen will", schrieb Pieck am 25. April auf. "Hitlerstaat vernichten, aber nicht deutsches Volk". Und: "Praktische Aufgabe, dem Volk in seiner Not helfen - Basis für unsere Partei in Zukunft".

Die Gruppe wurde schließlich am Abend des 1. Mai in Bruchmühle bei Strausberg nordöstlich von Berlin einquartiert. "Hier saß die politische Hauptverwaltung der 1. Belorussischen Front, die kurz zuvor das Gebiet bis nach Berlin erobert hat", erzählt Leonhard. Noch einmal folgt der inzwischen 84-Jährige - initiiert von der "Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur" - den ersten Stationen der Gruppe.

Leonhard ist der Einzige der Kadergruppe, der mit dem Kommunismus stalinistischer Prägung brach und 1949 über Jugoslawien in den Westen floh. Seine Abrechnung mit dem System "Die Revolution entlässt ihre Kinder" ist seit 50 Jahren ein Bestseller. Der Publizist und spätere Yale-Professor wurde 1949 wegen "trotzkistischer Tätigkeit" aus der SED ausgeschlossen.

Das gelbverputzte Säulenhaus in der Buchholzer Straße 8 in Bruchmühle existiert noch heute. Auch der ovale Holztisch, an dem Ulbricht abends seine Direktiven an die Gruppe ausgab. Erste Aufgabe: In den zwölf westlichen Stadtbezirken Berlins sollten die Kader eine funktionierende Bezirksverwaltung aufbauen. "Als Bürgermeister sollten wir möglichst einen Bürgerlichen am besten mit Doktortitel suchen", schildert Leonhard. Dazu viele Sozialdemokraten ("Die verstehen was von Kommunalpolitik.") und Liberale sowie Techniker, Ärzte und auch einen Geistlichen.

"Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben."

Nur die Schlüsselpositionen des stellvertretenden Bürgermeisters ("Der macht die eigentliche Arbeit.") und der Stadträte für Personal (Kaderfragen) und Bildung sollten mit Kommunisten besetzt werden. Dazu fällt Ulbrichts berühmter Satz: "Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben." Am 8. Mai zieht die "Gruppe Ulbricht" nach Berlin-Lichtenberg um.

Jetzt geht es um die Gründung von Zeitungen, Rundfunksendern, der Einheitsgewerkschaft und der Einheitsfront von SPD und KPD. "Von Sozialismus oder Kommunismus war in den Besprechungen nie die Rede. Es ging immer - zur Tarnung gegenüber den West-Alliierten - um die Stärkung der antifaschistischen demokratischen Kräfte", blickt Leonhard zurück.

Die Kadergruppe erhielt Verstärkung von Kommunisten, die aus dem Zuchthaus Brandenburg entlassenen wurden. "Hier tauchte am Abend des 10. Mai auch das erste Mal Erich Honecker auf." Während alle anderen Genossen sofort eingesetzt worden seien, habe Ulbricht Honecker wieder weggeschickt. Den Grund weiß Leonhard nicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare