+
Dass bei der CDU nur Männer an die Spitze drängen, erhöht die Strahlkraft von Annalena Baerbock.

Kanzlerkandidaten

Den Grünen stellt sich die K-Frage

  • schließen

Die Partei im Umfragehoch hat ein Luxusproblem – das angesichts der Krise der CDU nun virulent werden könnte.

Die Grünen stellt die Krise der CDU vor zwei Fragen – vor zwei komfortable Fragen allerdings. Die erste lautet: Wie verhalten sie sich zu etwaigen Neuwahlen? Die zweite Frage ist: Wer wird Kanzlerkandidatin – oder Kanzlerkandidat?

Was die Neuwahlen anbelangt: Die Grünen fordern sie nicht. Sie müssen sie aber auch nicht fürchten. Dazu sind die Umfragen einfach seit Monaten viel zu gut. Die Zahl der Mitglieder wächst, die Kampagnenfähigkeit damit im Prinzip ebenfalls. Der Politische Bundesgeschäftsführer der Partei, Michael Kellner, sagte auf Anfrage am Dienstag denn auch: „Es ist mein Job auf alles vorbereitet zu sein. Ich bin leidenschaftlicher Wahlkämpfer.“ Freilich schränkte er sogleich ein: „Es ist eine ernste Situation für das Land.“ Darum müsse die Union jetzt „klären, wie sie dafür sorgen kann, dass die instabile Situation aus Thüringen nicht auf das Land überschwappt. Das ist es, was jetzt ansteht.“ Kein Zweifel: Die Ökopartei gibt sich weiter staatsmännisch.

Mit der Kanzlerinfrage verhält es sich etwas schwieriger. Dass die Grünen einen solchen Kandidaten ins Rennen schicken, weil sie es angesichts der Umfragen einfach müssen, daran besteht seit Monaten kein Zweifel mehr.

Auch verlautete bereits am Rande des Parteitages Ende November in Bielefeld, wie das Verfahren sein werde. Demnach würden sich Annalena Baerbock und Robert Habeck irgendwann zusammensetzen, womöglich im Beisein von anderen, und das Thema unter sich ausmachen. Man könne der Partei nicht zumuten, zwischen zwei derart populären Spitzenleuten eine Auswahl zu treffen, hieß es. Das müssten diese schon selbst klären.

Vorteil Baerbock

Wer das Rennen macht, ist ziemlich offen. Bis zum Parteitag galt Habeck wegen seiner großen Beliebtheit in der Bevölkerung als Favorit. Auch bei vielen Medien schien der 50-Jährige im Vorteil zu sein. Andererseits gilt Baerbock seit geraumer Zeit als diejenige, die bei den Grünen die Fäden zieht und inhaltlich in manchen Fragen sattelfester ist. Habecks spontan geäußerte Kritik an US-Präsident Donald Trump am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos machte zwar einen sympathischen Eindruck, zeigte indes, dass der Parteichef zu Risiken neigt, zu denen Baerbock nicht bereit ist. Und: In Bielefeld bekam sie mit 97,1 Prozent ein sensationelles Ergebnis. Bei Habeck waren es 90,4 Prozent.

Für Baerbock spricht, dass die Union aller Voraussicht nach mit einem Mann als Kanzlerkandidat antreten dürfte. Das könnte für die Grünen den Reiz erhöhen, mit einer Frau dagegenzuhalten – erst recht wenn dieser Unionskandidat Friedrich Merz sein sollte. Dann könnte Baerbock tatsächlich Kanzlerin werden. Offen ist, ob die 39-Jährige überhaupt will.

Geschäftsführer Michael Kellner sagte zu dem Thema nur: „Grundsätzlich gilt: Wir werden alle notwendigen Entscheidungen treffen, wenn sie zu treffen sind – gemeinsam und rechtzeitig vor einer Bundestagswahl. Das gilt auch für eine etwaige Kanzlerkandidatur.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion