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Die Partei profitiert von „Fridays for Future“ und dem Wirbel um Rezo.

Europawahl

Die Grünen schaffen es erstmals bei einer bundesweiten Wahl auf Platz zwei

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Die Partei profitiert von „Fridays for Future“ und dem Wirbel um Rezo.

Die Grünen haben ihr Ergebnis gegenüber dem von 2014 verdoppelt. Und sie lösen zum ersten Mal bei einer bundesweiten Wahl die SPD als zweite Kraft ab und gewinnen als Machtfaktor deutlich an Gewicht. Ja, die Grünen sind auf dem Weg zur neuen Volkspartei. Grünen-Spitzenkandidatin Ska Keller sagte in einer ersten Reaktion, sie wolle aus dem Stimmenzugewinn mehr Kraft und Energie für die Wahlziele Klimaschutz und sozialen Zusammenhalt ziehen. Grünen-Bundesgeschäftsführer Michael Kellner sagte laut dpa, das starke Abschneiden der Grünen bei der Europawahl zeige, „wie sehr dieses Parteiensystem in Bewegung ist“. Man habe aus dieser Wahl einen „Sunday for Future“ gemacht.

Die Grünen verstehen sich mehr noch als andere Parteien als Europapartei. Ihr globaler politischer Ansatz und ihre akademische Orientierung sprengen Grenzen. Die Verschärfung der Klimakrise spielt ihnen politisch immer stärker in die Hände. Das zeigte sich am Freitag auf den Straßen ebenso wie im Netz. Auf den Straßen verschafften sich die Fridays-for-Future-Demonstranten Gehör, im Netz die Youtuber um Rezo. Wenngleich die Grünen auch nicht mehr die Jüngsten sind – sie erscheinen mehr und mehr als Partei von morgen, während Union und SPD mehr und mehr als Parteien von gestern gelten. Hinzu kommt, dass die grünen Spitzenkandidaten Ska Keller und Sven Giegold zwar nicht strahlten, aber doch solide wirkten. Überhaupt war Keller nicht allein Spitzenkandidatin der deutschen, sondern – gemeinsam mit dem Niederländer Bas Eickhout – zusätzlich der europäischen Grünen. Fest steht: Die Grünen sind nicht mehr allein in den Umfragen stark, sondern zunehmend an den Wahltagen selbst.

In Bremen geschah derweil, was überall geschieht: Obwohl SPD und Grüne dort koalieren und die Wähler unzufrieden sind, zahlen die Sozialdemokraten den Preis dafür – die Grünen nicht. Die einen verlieren, die anderen nicht. Im Gegenteil, sie gewinnen weiter. Manchen mag das ungerecht erscheinen. Doch es ist so. Spannend wird, wie es nun weitergeht. Die Bildung einer neuen EU-Kommission in Brüssel wird ein schwieriges Geschäft, bei dem die Grünen mutmaßlich keine Hauptrolle spielen werden. In Bremen ist das anders. Dort sind die Grünen der Akteur, ohne den nichts geht. Zwar wird eine Wiederholung von Rot-Grün ausbleiben. Dafür können die Grünen nun aber wählen – zwischen einem Bündnis mit CDU und FDP namens „Jamaika“ oder Rot-Rot-Grün.

So oder so wird der Koalitionsentscheidung in Bremen bundespolitische Bedeutung beigemessen. Würden die Grünen „Jamaika“ machen, würde dies als Beleg für die Verbürgerlichung der Partei wahrgenommen. Würden sie sich für Rot-Rot-Grün entscheiden, würde dies als Beleg dafür empfunden, dass in Sachen Rot-Rot-Grün auch in Berlin noch etwas ginge.

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