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Ein Prosit auf den Sieg: die Bayerinnen Katharina Schulze und Henrike Hahn mit ihrer Chefin Baerbock.

Grüne

Lässig, radikal, bayrisch

Die Grünen in Landshut feiern Annalena Baerbock – und sich selbst.

Annalena Baerbock steht in Landshut auf der Bühne des Bernlochner-Saals, über ihr grün eingefärbte Europaflaggen. Die Grünen-Chefin gibt lautstark das Motto des Tages vor: „Wir sind radikal und staatstragend, das ist der Kern unserer Partei.“ Eine lässige Volkspartei, Opposition, die die Politik mitbestimmt. So sieht sich die Partei gerade gerne – noch immer wie im Rausch vom 2018er Wahlerfolg in Bayern: 17,4 Prozent.

„Ihr habt den Söder so was von im Griff“, lobt Baerbock die lokalen Parteifreunde. „Der braucht keinen Schlagabtausch mit mir.“ Was ist schon der Ministerpräsident einer Regionalpartei gegen die Vorsitzende einer telegenen Gute-Laune-plus-gute-Ideen-Partei, die gerade einen Lauf hat. „17,4 Prozent“, sagt Baerbock. „Da ist noch Luft nach oben. Bei der Europawahl könnt ihr der CSU auf die Pelle rücken.“

Der grüne Aschermittwoch ist ein Mix aus Eigenlob, Kraftmeierei und kleinen Überraschungen. Die erste: Beliebtestes Essen des Tages ist Bioweißwurst mit süßem Senf und Brezen – weit vor der belegten Dinkelsemmel mit Brie und Gurke. Die Landshuter Grünen-Basis lebt das Motto ihrer Führung bereits mit vollem Körpereinsatz – die Gäste sind staatstragend (Weißwurst) und radikal (Bio am Aschermittwoch).

Zweite Überraschung: Mann kann zwar viel über Frauenquote reden, anlässlich 100 Jahre Frauenwahlrecht können auch nur Politikerinnen in Landshut sprechen, aber dann … Katharina Schulze, die Fraktionschefin im Landtag, macht eine kleine Runde von Bierbank zu Bierbank, als ein Mann freundlich nach einem Selfie mit ihr fragt. „Klar, aber ich hole noch unsere Spitzenkandidatin zur Europawahl dazu.“ Der Mann zweifelt kurz: „Okay, noch eine hübsche Frau. Warum nicht?“ Schulze verschlägt es die Sprache, aber nur kurz. Dann sagt sie: „Aber kompetent ist sie auch.“ Machismo zwischen grünen Windrädern und lauter starken Frauen.

Und nur wenige Minuten später watscht Schulze am Rednerpult das männliche CSU-Personal sauber ab: „Markus Söder hat sein Herz für die Umwelt entdeckt. Er will jetzt alles grüner machen. (…) Ich warte ja nur darauf, dass er in Latzhose, Jesuslatschen und mit Jutebeutel in die Staatskanzlei marschiert.“ Gelächter im Saal. Alles Ritual eines Aschermittwochs. Aber es gibt auch Sätze, die damit nichts zu tun haben. „Es liegt was in der Luft“, sagt Schulze. Am 26. Mai ist Europawahl. Machtwechsel ist ein Wort, das den Grünen sehr gefällt.

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