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Das Klima-Plakat von „Fridays for Future“ lässt sich als auch Mahnung an die überalteten Parteien lesen.

Parteien

Grüne Welle

Keine andere Partei kann sich über so viele neue weibliche Mitglieder freuen wie die Grünen. Auch Union und SPD wollen attraktiver werden.

Seit Wochen gehen jeden Freitag in Deutschland Tausende junge Menschen auf die Straße, sie fordern mehr Anstrengungen für den Klimaschutz und zeigen, dass sie sehr wohl politisch denken und handeln – nur in die Parteien zieht es sie nicht. Das spüren vor allem CDU und SPD. Wie lässt sich die Trendwende schaffen?

„Wir müssen mehr auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf achten“, sagte der Mitgliederbeauftragte der CDU, Henning Otte. Die Partei müsse auch verstärkt auf Formate schauen: „Ein ansprechendes Umfeld mit einem vielfältigen Themenkatalog wird bei Frauen positiver aufgenommen als eine Frontalveranstaltung mit politischen Berichten, ohne die Möglichkeit, kommunikativ zu arbeiten.“

Die CDU  kämpft mit sinkenden Mitgliederzahlen, einem steigenden Durchschnittsalter und einer Männerdominanz. So schrumpfte die Mitgliederzahl von knapp 426 000 im Jahr 2017 auf rund 415 000 im Januar 2019. Der Frauenanteil beträgt aktuell 26,4 Prozent. Das Durchschnittsalter liegt seit 2015 kontinuierlich bei mehr als 60 Jahren – aktuell beträgt es 60,35 Jahre. Das ist laut Otte eine „Herausforderung, vor der andere Parteien jedoch auch stehen“. Dies bestätigt eine Umfrage in den Parteizentralen – allerdings gibt es teils deutliche Unterschiede.

Bei der SPD  beträgt das Durchschnittsalter der Mitglieder – es sind 437 754 – nach Parteiangaben 60 Jahre. Nur 13 Prozent der Mitglieder sind demnach jünger als 35 Jahre, 56 Prozent sind 60 Jahre und älter. Wie die CDU verzeichnet auch die SPD einen steigenden Frauenanteil – Ende 2018 lag er bei 32,6 Prozent.

Die Freidemokraten  zählen derzeit 64 804 Mitglieder. Das Durchschnittsalter liegt nach FDP-Angaben bei 52,28 Jahren, die Ü-60-Generation macht ziemlich genau 35 Prozent aus. Nur jedes fünfte Mitglied ist weiblich: Mit 21,6 Prozent ist der Frauenanteil besonders klein.

Die Grünen  vermeldeten Ende März 2019 einen Rekord von 77 777 Mitgliedern. Und es treten nach Angaben der Parteiführung täglich weiter Menschen ein. Ende 2018 lag der Altersdurchschnitt bei 49,0 Jahren, der Frauenanteil bei 40,5 Prozent. Im vergangenen Jahr wurde die Partei jünger und weiblicher: Die Neumitglieder waren zu 43,2 Prozent Frauen und im Schnitt 41,0 Jahre alt.

Die Linke  zählt 61 566 Anhänger in ihren Reihen. Das Durchschnittsalter liegt laut Partei bei 55,02 Jahren, der Frauenanteil bei 36,4 Prozent. Der Anteil der unter 40-jährigen Mitglieder macht 30 Prozent aus, der Anteil der 60- bis 75-Jährigen 25 Prozent.

Auch die AfD  verzeichnete im vergangenen Jahr einen Zuwachs. Es kamen nach Angaben eines Sprechers rund 6000 Menschen neu in die Partei, die damit aktuell auf rund 34 200 Mitglieder kommt. Von ihnen sind 14 Prozent bis 35 Jahre alt, 64 Prozent bis 65 und 22 Prozent über 65 Jahre alt. Einen Altersdurchschnitt nannte die Partei nicht, aber den Frauenanteil: Dieser ist mit 17,4 Prozent extrem niedrig.

Die CSUverzeichnet in diesem Jahr nach eigenen Angaben schon mehr als 1000 Eintritte – und zählt nun rund 139 000 Mitglieder. Nur jedes fünfte Mitglied, nämlich 21 Prozent, ist weiblich. Zum Altersdurchschnitt macht die Partei keine Angaben.

Auf die Frage, was er von einer verpflichtenden Frauenquote halte, zeigte sich der CDU-Mitgliederbeauftragte Otte zurückhaltend. Die CDU sei „geprägt vom freiwilligen Engagement. Wir überprüfen uns jedoch, ob diese Methoden auch wirksam sind“. Nach einem Parteitagsbeschluss gilt ein Frauenquorum. Demnach sollen Frauen an Parteiämtern und an öffentlichen Mandaten mindestens zu einem Drittel beteiligt sein.

Die FDP lehnt eine Quote ebenfalls ab. Um für Frauen attraktiver zu werden, müsse die Parteiarbeit modernisiert werden, fordert die Vorsitzende der Jungen Liberalen, Ria Schröder. Es sollte mehr Möglichkeiten geben, sich an der Parteiarbeit online zu beteiligen. Und es müsse auch nicht immer der „typische Stammtisch jeden Mittwochabend um 20 Uhr in der Kneipe um die Ecke“ sein. Für einen Brunch am Wochenende hätten vielleicht auch Mütter Zeit.

Der Politische Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner, stellt zufrieden fest: „Obwohl vergleichsweise wenige junge Leute in Parteien eintreten, haben wir Grünen einen starken Zuwachs.“ Viele träten ein, weil ihnen Klimaschutz und eine weltoffene Gesellschaft wichtig seien, sagte Kellner.

Für CSU-Generalsekretär Markus Blume steht fest: „Die CSU muss jünger, offener, dynamischer und auch weiblicher werden.“ Eine Reformkommission solle bis zum Parteitag im Herbst ein Konzept zur Neuaufstellung vorlegen. (dpa)

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