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Bei der Ökobilanz des Weihnachtsbaums kommt es nicht nur auf die Herkunft, sondern auch auf die Entsorgung an.

Ökologisch feiern

Grüne Weihnachten

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Tannenbaum, Gänsebraten, Geschenkpapier: Viele Traditionen, die wir zu Weihnachten pflegen, sind ökologisch fragwürdig. Es geht auch anders.

Der Baum: Die Entsorgung macht‘s

Der Schneemann Olaf aus dem Disney-Film „Die Eiskönigin“ kann für diesen Weihnachtsbrauch noch echte Begeisterung aufbringen: „Ihr fällt einen Baum und dann schmückt ihr seinen Leichnam mit Kerzen?“, fragt er, als er erstmals von der Christbaum-Tradition hört: „Das ist toll!“

Der Verdacht liegt nahe, dass die Macher des Kurzfilms damit einen sarkastischen Seitenhieb gegen das exzessive Fällen von Tannen als Kurzzeit-Dekoration platzieren wollten. Bekümmerte das schon Naturfreunde früherer Jahrhunderte, kommt nun das Wissen hinzu, dass der ungefällte Baum noch für Jahrzehnte CO2 aus der Atmosphäre saugen könnte.

Aber ist die Bio-Tanne wirklich eine Alternative, die dem Klima hilft? Das Angebot ist jedenfalls enorm groß: Fast alle Anbieter von Öko-Lebensmitteln bieten zum Fest auch Nadelgehölz an – in der Regel Pflanzen, die ohne mineralischen Dünger und Pflanzenschutzmittel großgezogen wurden. Der erst in diesem Sommer gegründete „Verband Natürlicher Weihnachtsbaum“ empfiehlt dagegen Bäume von Plantagen, auf denen nach dem Kahlschlag immer wieder nachgepflanzt wird. So werde das Klima geschützt. Zudem gibt es in den Wäldern Anbauflächen, wo Fichten und Tannen ohnehin nach einigen Jahren gefällt werden müssen, etwa weil sie unter Stromtrassen wachsen.

Vor allem aber kommt es auf die Entsorgung an: Landet der Baum nach dem Fest in der Müllverbrennungsanlage, wird das CO2, das er während seines kurzen Lebens gespeichert hat, in die Atmosphäre abgegeben. Gebunden bleibt es, wenn er gehäckselt und die Späne für Möbel oder Baumaterial verwendet werden.

Die vielgepriesene Lösung, Bäume mit Wurzelballen zu kaufen, scheitert oft daran, dass viele davon jämmerlich eingehen, wenn sie nach dem Fest ausgesetzt werden. Forstexperten empfehlen, sie an einem kühlen Ort aufzubewahren, regelmäßig zu gießen und erst im Frühjahr auszupflanzen.

Als Alternative zum Natur- wird auch der Plastikbaum immer beliebter – schon, weil er nicht nadelt. Aber Plastik zum Klimaschutz? Ja, das funktioniert – wenn der Baum mindestens sieben Jahre genutzt wird, um den CO2-Verbrauch bei der Herstellung auszugleichen.

Und sogar der Baumschmuck wurde schon kritisch geprüft: Konventionelle Kugeln bestehen häufig aus Glas und wurden mit hohem Energieaufwand hergestellt. Statt sie neu zu kaufen, greift der Klimaschützer zu Naturmaterial wie Kieferzapfen, Strohsterne oder wie einst zu getrockneten Apfelscheiben.

Lametta und beschichtete Christbaumkugeln haben laut Naturschutzbund an einem umweltfreundlichen Baum gar nichts zu suchen, weil sie teilweise giftiges Blei enthalten. Vermeiden sollte man auch Schnee- und Glitzersprays, denn danach kann ein Baum nicht mehr kompostiert werden.

Gans: Vom heimischen Bauern

Wer klimatechnisch sichergehen will, tischt seinen Lieben am Weihnachtsabend natürlich ein veganes Menü auf. Die Produktion von Fleisch setzt bekanntlich reichlich CO2 frei, das man am besten mit pflanzlicher Nahrung vermeidet. Für alle, denen das zu weit geht, ist laut Experten der Braten der Wahl: die heimische Bio-Gans.

Denn auf einem Biobauernhof, wo die Tiere Auslauf haben und sich von Gras, Körnern, Schnecken und besonders gern von Fallobst ernähren, kommt nur wenig eigens angebautes Futter zum Einsatz. Dadurch wachsen die Gänse relativ langsam, was die Fleischqualität begünstigt. Und mit ihren Fressgewohnheiten passen sie gut zu ökologisch wertvollen Böden mit einem hohen Gehalt an organischen Substanzen, die nicht nur große Mengen an Nährstoffen und Wasser, sondern auch viel Kohlenstoff speichern können.

Laut Naturschutzbund werden zur Produktion von einem Kilogramm Gänsefleisch nur rund drei Kilogramm Kohlendioxid in die Luft geblasen. Ein Kilo Rindfleisch verursacht dagegen mehr als 13 Kilogramm Klimagase, und die Wiederkäuer stoßen überdies auch Methan aus, das 20-mal schädlicher ist als Kohlendioxid.

Allerdings: Gans ist nicht gleich Gans. Aus Polen und Ungarn kommen Tiere, die in drei Monaten gemästet und dafür mit speziellem Futter zwangsernährt werden. Nicht selten müssen diese Tiere überdies leiden, weil sie lebend gerupft werden. Auch Antibiotika und andere Tierarzneien kommen zum Einsatz. Bei Biobauern ist all dies nicht zulässig. Wer Gänse von Landwirten der Öko-Anbauverbände Demeter oder Bioland an Weihnachten auf dem Tisch haben will, sollte aber rechtzeitig vorbestellen: Das Angebot ist begrenzt.

Reisen: Am klimafreundlichsten mit dem Bus

Wiedervereinigung unterm Weihnachtsbaum, das ist für viele Familien eine Sehnsucht und ein Muss. Wie hinkommen aber? Am besten mit dem Reisebus. Meint jedenfalls das Umweltbundesamt (UBA). Dessen Zahlen zufolge ist der Bus das klimafreundlichste unter den Verkehrsmitteln für längere Strecken. 32 Gramm CO2 pro Kilometer gibt das UBA pro Person und Kilometer an, bei einer Auslastung von 60 Prozent.

Die Bahn mit ICE oder IC liegt nur knapp darüber. Zugrunde liegt den Bahnberechnungen ein Strommix, der sich auf das Jahr 2017 bezieht. Inzwischen ist der Anteil der Erneuerbaren merklich gestiegen. Da kann kein Pkw mithalten. Oder? Ein sparsamer Diesel bläst um die 130 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer aus dem Auspuff. Doch wenn vier Personen in dem Fahrzeug sitzen, sind das auch nur noch 33 Gramm pro Person und Kilometer – und bei der Mobilität ist immer die Auslastung der entscheidende Faktor. Auch in der Weihnachtszeit, einer Hauptreisezeit.

Und auch in der Luft. Wer zu Eltern und Geschwistern fliegen will, wer die Feiertage in wärmeren Gefilden verbringen oder eine Reise verschenken will, darf ruhig ein bisschen rechnen. Ein Flug von Berlin nach Mallorca und zurück bedeutet nach Angaben der Non-Profit-Organisation Atmosfair eine CO2-Belastung von rund 630 Kilogramm, das ist fast ein Drittel des gesamten CO2-Fußabdrucks eines Durchschnittsdeutschen für Mobilität – in einem Jahr. Wer da ein schlechtes Gewissen bekommt, kann das mit Kompensationszahlungen beruhigen. Einige Airlines bieten diese freiwilligen Spenden an, die Klimaschutzprojekten zugutekommen. Da wird dann zum Beispiel Biogas in Nepal oder die Stromerzeugung aus Ernteresten in Indien gefördert. Kann man ruhig aufs geschenkte Flugticket mit draufschreiben.

 Kleidung: Gute Qualität länger tragen

Auch beim Verschenken von Klamotten gilt: möglichst Langlebiges schenken. Ein Beispiel macht es deutlich. Der Otto-Versand hat von Experten die Öko-Bilanz eines weißen Longshirts für Frauen berechnen lassen. Das Ergebnis: Die Textilie wiegt zwar nur 220 Gramm. Doch im Laufe ihres „Lebens“ – von der Baumwollplantage bis zu Entsorgung – erzeugt sie elf Kilogramm Kohlendioxid.

Allein zwei Drittel davon gehen für die Herstellung, den Transport und das Marketing drauf. Nur gut 30 Prozent fallen während des Gebrauchs an. Dabei wird unterstellt, dass das Shirt 55 Mal gewaschen und gebügelt wird. Ein hoher Wert, viele Billig-Textilien halten so lange gar nicht durch. Wird das Longshirt früher entsorgt und durch ein neues ersetzt, fallen Energieaufwand und CO2-Ausstoß, die vor dem Verkauf entstehen, noch deutlich stärker ins Gewicht. Vor allem die Abläufe in der Näherei inklusive des abschließenden Bügelns machen sich bemerkbar.

Geschenkpapier: Alte Zeitungen benutzen

Das Auspacken der Geschenke gehört für viele zu den unerlässlichen Weihnachts-Ritualen. Das hat Folgen: Mindestens 8000 Tonnen Papiermüll dürften an den Feiertagen hierzulande anfallen, wenn man unterstellt, dass auf jeden Bundesbürger nur 100 Gramm kommen. Mehr als 50 Prozent des jährlichen Geschenkpapieraufkommens kommt laut Handel an Weihnachten zum Einsatz. Fürsorgliche Zeitgenossen gehen beim Auspacken zwar behutsam vor, um die Umhüllung wiederzuverwenden – das verbessert die Ökobilanz. Fliegen allerdings die Fetzen und wird das Papier dann in der Müllverbrennungsanlage „thermisch verwertet“, um zumindest noch Strom und Wärme zu erzeugen, fällt die Ökobilanz schlecht aus: Nur rund 20 Prozent der Energie, die zur Herstellung des Papiers benötigt wurde, kann tatsächlich nutzbar gemacht werden.

Erheblich besser sieht es aus, wenn die bunte Verpackung in der Papiertonne landet. Gebrauchtes Material ist hierzulande längst der wichtigste Rohstoff der Papier-Branche. So können Bäume als Lieferanten der Fasern geschont werden.

Aber: Je aufwendiger das Papier hergestellt wurde, umso aufwendiger ist auch die Aufbereitung. So werden Produkte immer beliebter, die mit hauchdünner farbiger Aluminiumfolie beschichtet sind. Zum Recycling müssen dann erst einmal Papier und Alu unter Beigabe von viel Wasser und Wärme wieder getrennt und die Fasern entfärbt werden. Echte Klimaretter bevorzugen einfaches bedrucktes Geschenkpapier – oder noch besser ganz puristisch Pack- oder Zeitungspapier. Kann ja auch sehr dekorativ wirken.

Einkaufen: Online-Handel ist besser als sein Ruf

„Ich muss noch für ...“, „Ich hab noch nichts ...“ – der Geschenkekauf ist die nervenaufreibendste Beschäftigung in der Adventszeit. Unter ökologischen Gesichtspunkten lautet die zentrale Frage: Soll ich in die Stadt fahren und durch die Läden stromern oder einfach alles online bestellen? Der Online-Handel hat einen schlechten Ruf, unter anderem wegen mieser Bezahlung der Paketzusteller und großer Lieferfahrzeuge, die die Straßen versperren. Aus Klimaschutzperspektive aber liegt er in den meisten Fällen vorne. Das Öko-Institut hat anhand eines Schuhkaufs errechnet, dass bei einer Online-Bestellung nur gut 1000 Gramm CO2-Emissionen entstehen – inklusive Rücksendung bei Nichtgefallen.

1270 Gramm werden in die Luft geblasen, wenn der Kunde zwecks Schuhkauf in die zehn Kilometer entfernte Stadt fährt – wohlgemerkt mit dem Rad. Der große Nachteil des stationären Handels ist der Energieaufwand fürs Heizen und Beleuchten des Geschäfts. Wenn der Schuhkäufer die zehn Kilometer dann auch noch mit dem Auto fährt, steigt die CO2-Bilanz auf satte 3270 Gramm. Aber: Die Effizienz lässt sich deutlich steigern, wenn möglichst viele Geschenke bei einer Einkaufsfahrt gekauft werden – so, wie ja auch die großen Lieferfahrzeuge in einer Tour Dutzende Pakete in eine Straße bringen. Das reduziert den CO2-Ausstoß erheblich.

Um ein Vielfaches sogar, wenn sich Nachbarn für die Einkaufstour zusammentun. Oder wenn das Fest ganz ohne das große Shoppen auskommt. Ein schönes Essen, ein Konzert, eine Radtour ist nicht nur die umweltfreundlichste Art des Gebens. Wer gemeinsame Zeit schenkt, zeigt: Er hat den Zeitgeist verstanden.

Smartphone & Co.: Nicht so früh entsorgen

Ein riesiger Klima-Frevel sind die als Weihnachtsgeschenk beliebten Smartphones: Bei deren Herstellung und Vertrieb entsteht gut 80 Prozent ihrer gesamten CO2-Last. Das sind nach Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe um die 48 Kilogramm CO2. Zwar ist auch die Gewinnung der Rohstoffe aufwendig – Gold, Silber, Kupfer und seltene, sehr teure Metalle gehören dazu. Doch auch dabei ist eigentlich das Geschehen in der Fertigungsstätte entscheidend: Negativ macht sich hier bemerkbar, dass sich viele Fabriken in China und anderen asiatischen Ländern befinden, wo der Strom sehr häufig aus Kohlekraftwerken kommt. Die elektrische Energie, die das Smartphone dann während der Nutzungsphase verbraucht, spielt bei der Gesamtbilanz nur eine untergeordnete Rolle. Die Geräte werden hierzulande im Schnitt nur gut zweieinhalb Jahre genutzt.

Wird das Handy länger eingesetzt, verbessert der Nutzer die Klimabilanz merklich.

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