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Die Spitzenkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock (hier beim Parteitag am Samstag), wurde Ziel einer Anzeigenkampagne einer neoliberalen Lobbyorganisation.
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Die Spitzenkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock (hier beim Parteitag am Samstag), wurde Ziel einer Anzeigenkampagne einer neoliberalen Lobbyorganisation.

„Annalena und die 10 Verbote“

Antisemitische Klischees in Kampagne gegen Baerbock: Kritiker:innen fordern Stopp

  • Alexander Seipp
    VonAlexander Seipp
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Die neoliberale Lobbyorganisation INSM hat in Zeitungen Werbung mit einem gezielten Angriff auf Annalena Baerbock geschaltet. Kritiker:innen fordern den Stopp der Kampagne.

Update vom Sonntag, 13.06.2021, 12.58 Uhr: Der Vorsitzende des Vereins „1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“, Matthias Schreiber, fordert, dass die wegen antisemitischer Klischees kritisierte Kampagne der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) gestoppt wird. In der Kampagne werde eine der wichtigsten Urkunden des Judentums, aber auch des Christentums, als Negativfolie benutzt, sagte Schreiber dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Das ist abenteuerlich und ungerechtfertigt. Es ist antijudaistisch.“

Die Kampagne zeigt die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock als Moses mit zwei Gebots-Tafeln. Dazu wurden unter anderem die Slogans veröffentlicht „Warum wir keine Staatsreligion brauchen“ und „Grüne Verbote führen uns nicht ins gelobte Land.“ Die Anzeige erschien am Freitag in verschiedenen Zeitungen und stand am Sonntag weiterhin auf der Webseite der Initiative.

Mit dieser gezielt gegen die Grünen und ihre Spitzenkandidatin gerichteten Anzeige sorgte die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft am Freitag für Aufsehen.

„Es hätte doch wenigstens eine oder einer merken müssen, dass mit einer solchen Kampagne antisemitische Verschwörungsmythen leichtfertig bedient werden“, sagte Schreiber. Gerade in Zeiten, in denen Antisemitismus unter anderem durch die Szene der Corona-Leugner wieder im Aufwind ist, sei das besonders schlimm.

„Annalena und die 10 Verbote“: Neoliberale Lobbyorganisation greift Baerbock mit Anzeige an

Erstmeldung vom Freitag, 11.06.2021, 19.08 Uhr: Berlin – Auf den Websites mehrerer großer Nachrichtenportale renommierter Zeitungen war am Freitag (11.06.2021) eine auffällige Anzeige zu bewundern. Im Moses-Gewand stand dort die designierte Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, mit zwei großen Steintafeln in der Hand. Auf ihnen stehen „Verbote“, wie „Du darfst nicht schöner Wohnen“, „Du darfst nicht fliegen“ oder „Du darfst noch weniger Geld behalten, obwohl du jetzt schon hohe Steuern zahlst“. Darunter standen, je nach Version, Slogans wie „Warum wir keine Staatsreligion brauchen“ oder „Warum uns grüne Verbote nicht ins Gelobte Land führen.“

Urheber dieser gegen die Grünen und ihre Kanzlerkandidatin ausgerichteten Werbekampagne ist die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), eine neoliberale Lobbyorganisation, die laut eigenen Angaben durch die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektroindustrie finanziert wird. Diese ruderten bereits am Freitag (11.06.2021) zurück und distanzierten sich von der tendenziösen Anzeige. „Persönliche Herabsetzungen und eine misslingende Verwendung christlicher Symbolik sind kein angemessener Umgang im notwendigen Wettstreit um politische Inhalte“, teilten sie der dpa mit. Und: „Dies ist nicht der Stil der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände.“

Angriff neoliberaler Lobbyorganisation auf Grüne: Heftige Kritik an Symbolik

Die Präsidentin der israelischen Kultusgemeinde München und ehemalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch äußerte sich auf Twitter entsetzt über die Anzeige. Schließlich ist Moses eine der bedeutendsten Personen im Alten Testament, der Gebote, nicht Verbote zu den Menschen gebracht haben soll. Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft „wäre gut beraten, das Thema Religion, von dem sie offensichtlich nichts versteht, anderen zu überlassen. Hier hat sie sich völlig im Ton vergriffen und sollte sichergehen, dass sie nicht mit solchen Darstellungen Vorurteile schürt“, so Knobloch.

Der baden-württembergische Antisemitismus-Beauftragte Michael Blume sagte gegenüber dem Evangelischen Pressedienst: „Schon letztes Jahr wurde Bundeskanzlerin Angela Merkel in Stuttgart mit dem Verschwörungsvorwurf konfrontiert, sie sei heimlich Jüdin. Über die Gleichsetzung einer Kanzlerkandidatin mit einer orientalischen Moses-Gestalt, die angeblich bedrückende Verbote und eine Staatsreligion erlassen wolle, kann ich da überhaupt nicht lachen“. Dies sei bei wichtigen Personen anderer Religionen nicht vorstellbar, so Blume.

Auf Twitter entlädt sich Kritik nach Angriff auf Grüne Annalena Baerbock

Fridays for Future-Aktivistin Luisa Neubauer schrieb auf Twitter „Die #insm macht nicht schlicht Kampagne gegen eine Kandidatin. Die #insm betreibt wohldokumentierte Anti-Klima-Propaganda auf US-Amerikanischem Niveau. Und diverse Plattformen machen sich gerade (unfreiwillig) gemein damit. Der Deutschland-Account von Fridays for Future ergänzte: „Seit Jahren kämpft die Lobbyorganisation #insm gegen Klimaschutz.“ Finanziert werde sie vom „Arbeitgeberverband Gesamtmetall“ – deren größten Geldgeber Volkswagen, Daimler, BMW, Siemens, Bosch und Audi seien. „So viel zu ‚Die deutsche Wirtschaft hat es verstanden‘.“

Auch Youtuber Rezo äußerte sich auf Twitter zu der Aktion: „Stellt euch mal vor, mehrere große Influencer würden viel Geld annehmen, um im Gegenzug Stimmung gegen eine bestimmte Partei zu machen. Wäre schon krass.“ Doch genau dies sei passiert, sagte der Youtuber und zählte einige der Zeitungen auf.

Unter dem Hashtag INSM hagelte es Kritik für die entsprechenden Verlage. So schrieb etwa ein User: „So, Abo ist gekündigt. Die 5,40€/Woche spare ich mir. Könnt ihr euch bei der #insm besorgen. Kussi“. Andere teilten gleich die entsprechenden Links, um die Abos der Zeitungen zu kündigen. (als/dpa/epd)

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