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Grüne leiden an Homöopathie

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Eine Parteikommission, die den Konflikt um alternative Heilmethoden schlichten sollte, wird wegen Indiskretionen aufgelöst. Habeck hat ein Machtwort gesprochen.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat die Grünen wegen ihres Umgangs mit dem Thema Homöopathie scharf kritisiert. „Es ist aus meiner Sicht ein Trauerspiel, dass sich die Grünen nicht dazu durchringen können, sich von diesem Humbug zu distanzieren“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Beim Thema Klimaschutz berufen sie sich zu Recht auf die Wissenschaft. Jetzt fallen sie der Wissenschaft in den Rücken, wenn es darum geht, vollkommen unwirksame, magische Medizinmethoden ohne jede wissenschaftliche Basis zum Schaden der Patienten anzuwenden.“ Das Verhalten der Grünen sei „schizophren“.

Zuvor hatte der Grünen-Bundesvorstand eine gerade erst ins Leben gerufene Kommission unter Vorsitz von Grünen-Chef Robert Habeck wieder aufgelöst. Vertrauliche Inhalte seien an die Medien gegeben worden, hieß es zur Begründung – insbesondere der Entwurf für ein Protokoll einer Telefonkonferenz, in der Habeck ausdrücklich darauf gepocht habe, dass Interna „im gemeinsamen Vertrauensraum bleiben“ sollten. „Wir haben nach vielen Gesprächen gesehen, dass die Grundlage für eine vertrauensvolle Arbeit in der Kommission nicht gegeben ist und daraus die Konsequenz gezogen“, sagte Habeck am Mittwoch dem RND. „Wir haben in der Partei eine Vertrauenskultur entwickelt, bei der Debatten streitbar geführt werden, ohne dass Leute Sorge haben müssen, nach außen bloßgestellt oder diskreditiert zu werden. Das muss weiter gelten.“

Die Homöopathie-kritische Ärztin Paula Piechotta, die in der Kommission mitarbeiten sollte, schrieb bei Twitter: „Wir begrüßen die Entscheidung des Bundesvorstandes und freuen uns auf die nun offene Debatte mit der gesamten Partei.“ Aus Grünen-Parteikreisen verlautete, an der Auseinandersetzung hätten sich nicht die üblichen Akteure beteiligt, sondern sehr basisnahe Mitglieder, die nichts zu verlieren hätten. So sei die Stimmung „extrem aufgeladen“ gewesen.

Ausgelöst hatte den Streit ein Antrag für den Grünen-Parteitag, der forderte, dass Kassen keine homöopathischen Mittel mehr bezahlen sollen. Dabei ist die Homöopathie intern heiß umstritten. Ein führender Grünen-Politiker verweigerte vor einigen Monaten eine Antwort auf die Frage danach mit den Worten: „Bitte nicht!“

Nun will die Parteispitze das Thema selbst regeln. Habeck kündigte an: „Wir werden einen praktikablen Vorschlag zur Bezahlbarkeit von Krankenkassenleistungen erarbeiten; Das schließt die Frage Homöopathie mit ein. Darüber wird dann voraussichtlich der Wahlprogramm-Parteitag 2021 entscheiden.“ Im Übrigen werde man bis April einen Entwurf für ein Grundsatzprogramm vorlegen. Darin werde eine grundsätzliche Position zu Wissenschafts- und Technik-Ethik erarbeitet, die auch den Gesundheitsbereich erfasse.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will Kostenübernahmen für homöopathische Mittel durch die Krankenkassen nicht antasten. Aus der Grünen-Spitze verlautet, dass daran auch Lauterbach und die SPD nichts änderten.

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