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Grüne gehen auf Distanz zu Boris Palmer

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Von: Markus Decker

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Oberbürgermeister Boris Palmer, hier bei einem Bobby-Car-Rennen.
Oberbürgermeister Boris Palmer, hier bei einem Bobby-Car-Rennen. © imago

Der Tübinger Oberbürgermeister provoziert mit rassistischen Äußerungen über Asylbewerber den Widerspruch der eigenen Parteifreunde.

Den Tübinger Grünen reicht es: „Wir distanzieren uns von den rassistischen Äußerungen des grünen Oberbürgermeisters Boris Palmer“, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung. „Seine Schilderung des Fehlverhaltens eines Radfahrers in Ulm und die durch ihn gleichzeitig vorgenommene herkunftsbezogene Zuschreibung und Wertung dieses Fehlverhaltens schüren Vorurteile.“ Ein Oberbürgermeister jedoch dürfe „nicht spalten“, urteilen die Parteifreunde über den eigenen Mann im Rathaus.

Bekanntlich sorgte der 45-Jährige mehrfach für Aufsehen – vor allem mit Äußerungen zur grünen Flüchtlingspolitik. Nun sorgt er wieder für Unmut.

Kürzlich nämlich war der OB unterwegs zur Redaktion der „Südwest Presse“ in Ulm. Dort, so schildert Palmer es selbst, habe ihn „ein Radfahrer in der Fußgängerzone bei einer Slalomfahrt fast umgenietet“. In der Redaktion habe er davon erzählt und auch nicht verschwiegen, dass der Radfahrer schwarze Hautfarbe hatte und „das Hemd so weit offen“ trug, „dass er quasi mit nacktem Oberkörper provozierte“. Der Grüne tippte darauf, dass es sich um einen Asylbewerber handeln müsse.

Die Frankfurter Rundschau und auch das heimische „Schwäbische Tageblatt“ warfen ihm darauf „Rassismus“ vor. Palmers Verhalten sei eines Oberbürgermeisters einer Universitätsstadt „unwürdig“, so das „Tageblatt“. Dort klagten Schwarze zuletzt über wachsende Anfeindungen. Eine Kollegin schrieb: „In dieser Stadt gibt es sehr viele Radfahrer. Und manche von ihnen benehmen sich völlig daneben. Das hat Palmer auch schon öfters kritisiert. Noch nie aber hat er behauptet, Rüpelradler seien Asylbewerber. Bei einem Schwarzen tut er das aber. Und was ist das? Richtig: rassistisch.“

Der rechtfertigte sich in mehreren Stellungnahmen bei Facebook. So betonte der Kommunalpolitiker: „Ich habe nie Aussagen über alle Schwarzen oder alle Asylbewerber gemacht, sondern ganz konkret beschrieben, mit welcher Häufigkeit bestimmte Merkmale auf Gruppen von Menschen zutreffen.“ Und ein junger schwarzer Mann sei in Ulm bereits mit 75-prozentiger Wahrscheinlichkeit ein Asylbewerber, weil es sonst einfach nicht so viele junge schwarze Männer in der Stadt gebe. Überdies ließen die laszive Kleidung und das Sozialverhalten darauf schließen, dass der Kampfradler weder eine Familie habe noch einer geregelten Arbeit nachgehe. Denn beides würde ein derartiges Verhalten unmöglich machen. Wörtlich heißt es über das Gebaren des Delinquenten, dessen Identität Palmer nicht kennt: „So etwas gehört sich für niemand und für einen Asylbewerber gleich dreimal nicht.“

Der grüne Tübinger Bundestagsabgeordnete Chris Kühn twitterte daraufhin: „Boris Palmer schürt durch seine Aussagen Vorurteile und spaltet, wo er als Oberbürgermeister einen sollte. Wir beziehen hier klar Stellung!“

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