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Mit großem Satz an die Spitze

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Mit schnellen Schritten an die Spitze: Der neue SPD-Landesvorsitzende Olaf Lies.
Mit schnellen Schritten an die Spitze: Der neue SPD-Landesvorsitzende Olaf Lies. © ddp

Vor acht Jahren erst trat er in die SPD ein, vor zwei Jahren erst zog er als Abgeordneter in den niedersächsischen Landtag. Jetzt hat Olaf Lies den Sprung vom Hinterbänkler zum Hoffnungsträger vollzogen. Von Peter Mlodoch

Von Peter Mlodoch

Vor acht Jahren erst trat er in die SPD ein, vor zwei Jahren erst zog er als Abgeordneter in den niedersächsischen Landtag. Jetzt hat Olaf Lies den Sprung vom Hinterbänkler zum Hoffnungsträger vollzogen und bei den in den vergangenen Jahren arg gebeutelten Genossen zwischen Nordsee, Heide und Harz für neue Zuversicht gesorgt. Mit 91,1 Prozent wählte der Landesparteitag den 43 Jahre alten Elektroingenieur aus dem friesischen Sande am Samstag zum neuen Parteichef, zum Nachfolger des in diesem Amt gescheiterten Bundestagsabgeordneten Garrelt Duin. "Ein Hammer-Ergebnis", kommentierte Lies sichtlich bewegt diesen von ihm nicht erwarteten Vertrauensvorschuss.

Vorausgegangen war ein Kandidaten-Casting auf zehn Regionalkonferenzen, bei dem sich der Vater von zwei Töchtern gegen seinen Landtagskollegen Stefan Schostok aus Hannover und die ehemalige Umweltministerin und Greenpeace-Aktivistin Monika Griefahn deutlich durchsetzte. Es folgte ein Deal der vier bislang untereinander stark zerstrittenen SPD-Bezirke: Lies verzichtete zugunsten Schostoks auf den in zwei Wochen neu zu vergebenden Fraktionsvorsitz.

Eine Vorentscheidung für die Spitzenkandidatur bei der Landtagswahl 2013 - gesucht wird der Herausforderer von CDU-Ministerpräsident Christian Wulff - will Lies in dieser Tandemlösung freilich nicht sehen. Über seine Ambitionen schweigt er vielsagend, ruft aber bereits selbstbewusst aus, die dann zehnjährige Regentschaft von Schwarz-Gelb beenden zu werden. Über mögliche Bündnisse mag der Hobby-Treckerfahrer und Tierfreund noch nicht spekulieren. "Unser erstes Projekt ist die SPD", sagt Lies, schließt aber keineswegs Gespräche mit der Linkspartei aus.

Der Wirtschaftspolitiker und überzeugte Gewerkschafter wird zum linken Flügel der SPD gezählt, diesen Ruf hat er in einer kämpferischen, manchmal auch klassenkämpferischen Parteitagsrede gefestigt. Flächendeckender Mindestlohn, Vermögensteuer, Sozialabgaben für Kapitaleinkünfte, Gesamtschulen, kostenfreie Bildung - diese Stichworte will die Basis im ehemaligen Schröder-Land hören. "Wir müssen wieder mehr Sozialdemokratie machen", erhebt Lies zu seinem Credo.

Zur SPD kam er über die Kommunalpolitik: Gemeinderat in Sande, Kreistagsabgeordneter in Friesland. Starke Ortsvereine sind für ihn Quell des Erfolgs. Seinen späten Einstieg in die Parteipolitik sieht Lies nicht als Bürde, sondern als Vorbild. "Die SPD muss sich öffnen." Für höhere Funktionen sei nicht die Dauer der Parteizugehörigkeit entscheidend, sondern ob man jemanden diese Aufgabe zutraut.

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