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Will mit der NPD im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern bleiben: Spitzenkandidat Udo Pastörs.
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Will mit der NPD im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern bleiben: Spitzenkandidat Udo Pastörs.

Mecklenburg-Vorpommern

Der große Wahlkampf der NPD

  • Bernhard Honnigfort
    VonBernhard Honnigfort
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Die NPD inszeniert in Mecklenburg-Vorpommern den „größten Wahlkampf aller Zeiten“. Allerdings verläuft er bisher schleppend. Schützenhilfe erhofft man sich von der AfD.

Der Landtag in Mecklenburg-Vorpommern macht Sommerpause, die Abgeordneten sind in Urlaub gefahren oder beginnen langsam mit dem Wahlkampf. Einer jedoch hatte noch anderes zu tun: David Petereit, NPD, war am Mittwoch als Zeuge im NSU-Prozess in München geladen. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass er von der NSU-Mörderbande Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe Geld erhalten hat.

Vor Gericht räumte der 35-jährige Abgeordnete und stellvertretende NPD-Landesvorsitzende nun ein, 2002 in einem Neonazi-Blättchen einen „Dank an den NSU“ verfasst zu haben – 2002, neun Jahre bevor das Terroristen-Trio in Eisenach aufflog, dem zehn Morde, etliche Bombenanschläge und Raubüberfälle zur Last gelegt werden.

Es gibt sie noch, die NPD. In Mecklenburg-Vorpommern ist die rechtsextreme Partei mit fünf Abgeordneten (sechs Prozent) im Landtag vertreten, dem einzigen deutschen Parlament, nachdem die NPD 2014 in Sachsen knapp am Wiedereinzug scheiterte. An der Ostseeküste könnte ihr bei der Landtagswahl am 4. September ähnliches drohen: In Umfragen liegt sie bei vier Prozent, es wird knapp.

Damit es klappt, wird der Wahlkampf nun ganz auf den Spitzenkandidaten Udo Pastörs zugeschnitten, einen mehrfach vorbestraften 63-jährigen Uhrmacher und Rassisten aus Lübtheen. Etwas, das ihm offensichtlich gefällt: Pastörs spricht seitdem vom „Gröwaz“, dem größten Wahlkampf aller Zeiten.

Das ganze Land soll mit Plakaten zugepflastert werden, „Einsatzgruppen“ aus NPD-Nachwuchs sollen die Werbetrommel rühren, und Geld muss rangeschafft werden: Die NPD ist klamm. Die Neonazis versprechen Spendern, die der Partei mindestens 123 Euro zukommen lassen, als „Dankeschön eine exklusive Münze nebst dem dazugehörigen Etui“. Sie trägt das Wahlkampfmotto „Für Volk und Heimat“. Außerdem hoffen Pastörs und seine „Einsatzgruppen“ auf „Plakatpaten“: 250 Euro und als Dankeschön wird mit der Parteiführung besprochen, wo das Plakat hin darf.

Weil „Plakatpaten“ und „Einsatzgruppen“ nicht den Erfolg garantieren, hat sich die NPD mit der AfD arrangiert. Die Alternativen, angeführt vom ehemaligen Rundfunkmoderator Leif-Erik Holm, liegen in Umfragen bei 19 Prozent. Die Partei peilt sogar noch mehr an, träumt von einem Abschneiden wie in Sachsen-Anhalt im März mit 24,5 Prozent. Käme es so, die AfD wäre womöglich stärkste Partei im Lande. Die NPD verzichtet darauf, Direktkandidaten in den 36 Wahlkreisen aufzustellen. Sie muss mit ihren Kräften haushalten und will es allein über die Zweitstimmen schaffen. Außerdem erhöht der Verzicht die Chancen der AfD auf Direktmandate. Im Schweriner Landtag mag niemand ausschließen, dass das in einigen Kreisen gelingen könnte. Vor fünf Jahren hatten die 36 NPD-Wahlkreiskandidaten 39 613 Erststimmen geholt (5,8 Prozent).

In vier Wahlkreisen hatten sie mehr als zehn Prozent bekommen. Hier und da könnten frühere NPD-Wähler nun den Ausschlag geben zugunsten von AfD-Direktkandidaten. Im Schweriner Landtag rechnet man damit, dass es auf eine Kampagne wie in Rheinland-Pfalz oder Sachsen-Anhalt hinausläuft: Erststimme AfD, Zweitstimme NPD, etwas, das dort allerdings schiefging für die Neonazis: In Sachsen-Anhalt brach die NPD ein und landete bei 1,9 Prozent. Ansonsten sitzt der NPD das Verbotsverfahren im Nacken, was dazu geführt habe, heißt es im Schweriner Landtag, das die Neonazis „eimerweise Kreide gefressen“ hätten in den vergangenen Monaten. Keine heftigen Ausfälle, kaum Hasstiraden, alles etwas weichgespült.

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