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Auf Tuchfühlung: Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz.

Friedrich Merz

Das große Schweigen in der CDU

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Die neue CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer trifft sich mit ihrem Konkurrenten Merz - das Rätselraten um dessen Rolle geht weiter.

Annegret Kramp-Karrenbauer hat sich mit Friedrich Merz getroffen und ist danach verstummt. So sieht es zumindest aus. Denn die neue CDU-Vorsitzende sagt erst mal nichts zu diesem Treffen. Nicht in der Präsidiumssitzung am Montagvormittag, bei der sie zum ersten Mal ganz in der Mitte sitzt, weil sie jetzt die Chefin ist und nicht mehr Angela Merkel. „Merz war kein Thema“, erzählen Teilnehmer hinterher. Zu einer Pressekonferenz hat die CDU an diesem Tag gar nicht erst eingeladen. Das ist eine Seltenheit.

So kommt es, dass die CDU in die Weihnachtspause geht und eine zentrale Frage offenbleibt: Welche Rolle spielt Friedrich Merz künftig in der CDU? Chef hätte er gerne werden wollen, den Platz in der Mitte des CDU-Konferenzsaals besetzen. Er ist dann aber auf dem Bundesparteitag vor zehn Tagen Kramp-Karrenbauer knapp unterlegen. Seine Anhänger fordern seitdem, Merz müsse weiter eine Rolle spielen in der Partei.

Aber wie denn nun? Einen Posten in der Parteiführung, als Vizechef oder Präsidiumsmitglied, hat Merz noch auf dem Parteitag abgelehnt. Auf eine Kabinettsumbildung, mit der ein Ministerposten für den gescheiterten Vorsitzkandidaten frei würde, gibt es keine Hinweise: Das Finanzministerium besetzt die SPD, das Wirtschaftsministerium Merkels Vertrauter Peter Altmaier. Im Gespräch ist nun in der Partei eine Beraterfunktion für Merz. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Rainer Haseloff hat empfohlen, einen „Thinktank“ zu gründen und in den auch noch die Ex-Regierungschefs von Hessen und Hamburg, Roland Koch und Ole von Beust, zu berufen. Es wäre gemeinsam mit Ex-Unions-Fraktionschef Merz dann eine Versammlung von Ehemaligen. Bindend wären die Empfehlungen der Berater für die CDU wohl kaum.

Während der Wirtschaftsflügel drängelt, bemühen sich die CDU-Spitzen offensiv um Gelassenheit. Und jeder hat dabei seine kleine eigene Note. „Ach, das schauen wir mal“, sagt etwa der Vize-CDU-Chef und hessische Ministerpräsident Volker Bouffier. Wie es weitergehe, sei „Sache der Vorsitzenden und von Herrn Merz“, sagte Bouffier, und es war, als schwinge da nicht nur Tiefenentspannung, sondern auch ein klein wenig Erleichterung mit.

Friedrich Merz - ein praktisches Ideenpäckchen

Und zu Merz’ Verzicht auf Parteiämter bemerkt Niedersachsens CDU-Chef Bernd Althusmann großzügig: „Würde ich ihm jetzt nicht als Makel anrechnen.“ Mag sein, dass dabei die Überlegung mitschwingt, dass er seinen Präsidiumssitz bei einer Kandidatur von Merz möglicherweise nicht bekommen hätte. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet befindet über Merz’ Entscheidung sehr nüchtern: „Das haben wir zu respektieren.“ Ein bisschen hört es sich so an, als könne er auch auf Merz verzichten. „Ich wünsche mir, dass er sichtbar bleibt“, sagt Laschet zwar. Aber er sagt auch: „Es ist wichtig, dass die Gedanken, die Ideen, die Friedrich Merz vorgetragen hat, in der Programmatik der CDU stattfinden.“ Klingt, als gebe es Merz nicht nur als Person, sondern auch als praktisches Ideenpäckchen.

Parteivize Julia Klöckner reicht das aber dann doch nicht. Es sei ein großer Gewinn, wenn die Flügel der CDU „durch prominente Personen vertreten sind“, findet sie. Thüringens CDU-Chef Mike Mohring, der im kommenden Jahr Ministerpräsident werden möchte, empfiehlt Merz als Helfer für die Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg sowie für die Europawahl: „Wir freuen uns auf ihn.“

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther hat vorsorglich bei tagesschau.de auf die Einsatzmöglichkeiten hingewiesen: „Im Wahlkampf ist er bestimmt eine Hilfe. Ob er aber der beste Flugblattverteiler ist, da hätte ich jetzt auch meine Zweifel.“

Zu Beginn des Kandidatenwettkampfs hatte Kramp-Karrenbauer mit leichtem Spott erklärt, Merz könne sich unter ihr gerne mit Finanzpolitik beschäftigen. Eine Steuer-App zu entwickeln, das sei zum Beispiel eine prima Idee. Im Januar will sie das Gespräch mit Merz fortsetzen.

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