+
BND-Präsident Bruno Kahl führt Kanzlerin Angela Merkel über das Gelände.

Geheimdienst

Merkel besucht den neuen BND-Sitz

  • schließen

Die Kanzlerin besucht den neuen Sitz des Bundesnachrichtendienstes, witzelt über Konferenzräume und lobt die Spione.

Als Kanzlerin Angela Merkel am Freitag die neue Berliner Zentrale des Bundesnachrichtendienstes (BND) eröffnete, da amüsierte sie sich gleich zu Beginn ihrer Rede ein bisschen über den Konferenzraum, in dem dies geschah. Schließlich gebe dieser nicht mal eine Ahnung von der Größe des Gebäudes. Tatsächlich ist der Raum ungefähr so groß wie zwei Klassenzimmer, während die Bruttogrundfläche des Areals 36 Fußballfelder umfasst.

Als Merkel kam, schritt sie zunächst die Reihe ehemaliger Präsidenten ab: Hans-Georg Wieck, Hansjörg Geiger, August Hanning, Ernst Uhrlau und Gerhard Schindler, der sich zuletzt für einen Umzug der am alten Standort in Pullach verbliebenen Abteilung Technische Aufklärung nach Berlin ausgesprochen hatte. Kurz darauf ergriff der aktuelle BND-Chef Bruno Kahl das Wort. Er sagte, in dem Areal an der Berliner Chausseestraße fänden Tausende von Mitarbeitern einen guten Arbeitsplatz vor. Außerdem sei der Dienst nach dem Umzug nun dichter an die Regierung gerückt. Die Kanzlerin erinnerte daran, dass ein paar hundert Meter stadteinwärts einst der Liedermacher Wolf Biermann wohnte, der vom DDR-Ministerium für Staatssicherheit drangsaliert worden war. Von dort schlug Merkel den Bogen zum BND, der „fest auf dem Boden des Grundgesetzes“ stehe und dafür sorge, „dass Millionen Deutsche sicher leben können“. Hier fügte sie hinzu: „Herzlichen Dank!“

Ferner umriss die Regierungschefin Herausforderungen, vor denen die Welt und damit auch die Nachrichtendienste stünden. Eine Herausforderung sei der keineswegs beendete Krieg in Syrien; insgesamt sei der Frieden global gesehen fragiler geworden. Eine andere Herausforderung sei der weltweite Krieg im Netz. „Wir müssen lernen, mit Fakenews als Teil einer hybriden Kriegführung umzugehen“, so Merkel. In dem Zusammenhang betonte sie auch, dass Deutschland auf weltweite Zusammenarbeit und Problemlösungen angewiesen sei, und hob die Notwendigkeit einer Kooperation mit den USA besonders hervor – trotz Präsident Donald Trump und des Skandals um den US-Geheimdienst NSA. Die CDU-Politikerin stellte mit Blick auf den zuweilen ebenfalls misstrauisch beäugten BND an die Adresse seiner Kritiker klar: „Gesundes Misstrauen ist hilfreich, übermisstrauisch zu sein, hindert an der Arbeit.“ Die überwiegend aus Sicherheitskreisen stammenden Gäste applaudierten. Selbstverständlich war dies nicht. Denn Teile von ihnen hatten zuletzt Anstoß an Merkels Flüchtlingspolitik genommen.

Nachdem die Zeremonie mit dem Musikstück „Das ist die Berliner Luft“ – gespielt vom Holzbläserquintett des Musikkorps der Bundeswehr in Siegburg – begonnen hatte, klang sie mit der Nationalhymne aus. Der anschließende Empfang in dem Haus, das immerhin 1,08 Milliarden Euro gekostet hat, war so klein wie der Konferenzraum.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare