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Machtkampf bei den Torys: Haudrauf im Fantasieland

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Von: Peter Rutkowski

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Boris Johnsons Torys kümmern sich nur noch um sich selbst. Dabei geht es doch um die Nachfolge in dessen Amt.

London – Der Kampf von fünf Konservativen um den Vorsitz der Torys ist nach Ansicht nicht weniger Parlamentsberichterstatter:innen „eine Reise in ein Fantasieland“, wie es John Crace, der Whitehall-Skizzenschreiber des Guardian, jüngst formulierte: Alle realen Probleme – Preisexplosion, Hitzewelle/Klimawandel, der drohende Handelskrieg mit der EU, Krieg in der Ukraine – interessieren nicht, solange die Torys sich ausschließlich mit sich selbst beschäftigen.

Obwohl de facto entmachtet, gibt Boris Johnson immer noch das politische Geschehen vor – wenn er nicht gerade im Premier-Landsitz Chequers Partys gibt. Nun wurde bekannt, dass er vor dem Abgang aus Downing Street noch Weggefährten und Parteigängerinnen mit feudalen Ehren versorgen will. Und damit den Torys, die ihn geschasst haben, noch einen reinreiben: Wenn zwei ihm bis zuletzt Getreue ins Oberhaus wechseln, gibt es Nachwahlen für deren vakante Unterhausmandate. Die Torys werden dann wohl zwei Sitze weniger haben. Das schmerzt nach den jüngst erst bei zwei Nachwahlen verlorenen Sitzen.

Zwei Gefolgsleute von Noch-Premier Johnsons sollen – geht es nach ihm – ins Oberhaus (Bild) wechseln.
Zwei Gefolgsleute von Noch-Premier Johnsons sollen – geht es nach ihm – ins Oberhaus (Bild) wechseln. © Kirsty Wigglesworth/dpa

Seitenhiebe gegen Truss

Wichtiger scheint den Spitzen-Torys aber, alte Rechnungen zu begleichen: Weshalb plötzlich Vizepremier Dominic Raab querschießt gegen seine Nachfolgerin im Außenministerium, Liz Truss. Die wiederholt derzeit mechanisch, dass sie die Einzige sei, die etwas tue, die etwas geschafft habe und deshalb die einzige logische Parteichefin und ergo Premier sein könne. Raab und so ziemlich alle auch jenseits der Torys sprechen ihre jedwede Kompetenz ab. Tatsächlich scheint Truss’ Kernkompetenz ihre eigene Karriere zu sein; sie wird auch als die „Johnson-Kontinuitätskandidatin“ gehandelt. Trotzdem ist sie noch auf Platz drei in der Gunst ihrer Unterhausfraktion.

Die gescheiterte Suella Braverman und die noch im Rennen befindliche Kemi Badenoch prügeln derweil verbal auf LGBTQ-Personen und politische Korrektheit ein, als gäbe es nichts anderes in der Politik. Der Zentrist Tom Tugendhat wartet darauf, dass ihm ein möglichst guter Kabinettsposten für seine Unterhausstimmen angeboten wird. Ex-Finanzminister Rishi Sunak, dem große Chancen zugerechnet werden, verspricht in der Times, er werde 2400 EU-Gesetze im britischen Rechtskatalog tilgen.

Nur Penny Mordaunt denkt an diesen Montag (18. Juli). Da nämlich wird Umweltstaatssekretär Alok Sharma den fünf Verbliebenen auf den Zahn fühlen. Mordaunt sagt, dass „Umweltbewusstsein und Konservatismus Hand in Hand gehen“ und dass das Null-Emissionen-Ziel selbstverständlich gelte. Wie sie das finanziert, wenn sie Steuern senken will, sagt sie nicht. (Peter Rutkowski)

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