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Liz Truss gegen Rishi Sunak: Das Duell, das nie eines war

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Von: Peter Rutkowski

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Der Kampf um die Nachfolge Boris Johnsons an der Spitze Großbritanniens verkommt von Tag zu Tag mehr zu einer unappetitlichen Farce.

London – Wäre Liz Truss einfach nur von simplem Gemüt, eine völlig normale Person mit alltäglichen Vorstellungen und Wünschen – sie würde vielleicht zum Rollenmodell reichen in einer der ewigen Nachbarschafts-Soaps, für die das britische Fernsehen legendär ist.

Aber Liz Truss will mehr, sie will den „König der Welt“ beerben und ihr erster Schachzug war, ihr von allen Seiten als bieder bis billig gescholtenes Outfit dem der Tory-Ikone – und britischen Hassfigur – Margaret Thatcher anzugleichen. Eine Schleife am Blusenkragen sollte vermitteln, sie werde ebenso hart zulangen wie weiland Thatcher und das Vereinigte Königreich einer goldenen Zukunft entgegenführen.

Rishi Sunak (l.) und Liz Truss
Rishi Sunak (l.) und liz Truss während der TV-Debatte „Britain‘s Next Prime Minister“. © Jonathan Hordle/ITV/PA Media/dpa

Oder zumindest – wie Thatcher – diejenigen Krisengewinnler und -gewinnlerinnen, die die Zerschlagung des sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaates in den 80ern in klingende Münze umzusetzen verstanden. Aber das passt ja: Schließlich wählt dank des Sturzes von Boris Johnson „nur“ an der Parteispitze eine nicht repräsentative, überalterte und vornehmlich männliche Minderheit von Parteimitgliedern den nächsten Premierminister – Quatsch: die nächste Premierministerin.

Nachfolge für Boris Johnson: Über Liz Truss‘ Konkurrenten Rishi Sunak brauchen wir nicht groß nachzudenken

Nota bene: Truss wird nach Thatcher und Teresa May dann die dritte Regierungschefin Großbritanniens werden. Die Labour-Opposition, die sich ab und an gerne unheimlich weiblich, dramatisch divers und linkisch links gibt, hat bisher keine einzige Frau nach 10 Downing Street befördern können.

Liz Truss
Liz Truss eifert Margaret Thatcher nach. © dpa

Und nochmals Nota bene: Wir brauchen – zumindest zu diesem Zeitpunkt im Wettkampf um BoJos „Weltkrone“ nicht über Truss’ Konkurrent Rishi Sunak groß nachzudenken. Der smarte Investmentbanker mit den scharf geschnittenen Anzügen erscheint denen im Land, die in Gefahr sind, im Krisenwinter 2022/23 vielleicht alles zu verlieren, wie ein Wiedergänger der skrupellosen Yuppies aus Maggies Epoche.

Und denen, die Liz Truss wählen werden, erscheint das Kind Zugewanderter wie ein Emporkömmling, dem eine Lektion erteilt gehört, wo er hingehört. Nämlich immer eine Stufe unter den reinweißen Engländern – eiserne Ladys mal ausgenommen.

Wer wird nächster Premierminister in Großbritannien: Liz Truss punktet mit einfachen Feindbildern

Apropos Rassismus: Quasi pünktlich zur Halbzeit des „Wahlkampfs“ – Truss und Sunak wurden am Dienstag zu ihrem siebten von zwölf Duellen im schottischen Perth erwartet – lieferte Truss einen Fehltritt, der in den früheren, tatsächlich zivilisierteren Zeiten für sie das komplette politische Aus bedeutet hätte.

Die Strategie des Teams Truss („Liz for Leader!“) ist es, überall dort um Unterstützung zu buhlen, wo man glaubt, mit einfachen Feindbildern etwaige Unentschlossene für sich gewinnen zu können. Und so hatte Truss jüngst eine Message für Großbritanniens jüdische Gemeinde: „So viele jüdische Werte sind konservative Werte und auch britische Werte, zum Beispiel die Bedeutung der Familie und alle Versuche, sie zu beschützen, außerdem der Wert harten Arbeitens, Eigeninitiative und das Gründen eigener Geschäfte.“

Und hintendran wurde gesetzt, dass der „woke“ (sozial und ethnisch aufmerksame) Umgang des Beamtenstaates viel zu oft in den Antisemitismus abgleite.

Wer wird nächster Premierminister: Liz Truss ist mit ihrer Ignoranz für jeden politischen Anstand die wahre Erbin von Johnson und Thatcher

Der „Guardian“-Kolumnist Simon Hattenstone entlarvte dann für all die, denen es im ersten hier genannten Zitat nicht schon selbst aufgefallen war, Truss’ Wahlwerbung als antisemitisch: Ist es doch die Reduktion von Menschen jüdischen Glaubens auf genau die „konservativen“ Stereotypen, derentwegen sie in ihrer Geschichte immer wieder diffamiert, verfolgt und getötet wurden.

Rishi Sunak
Rishi Sunak © dpa

Das Perfide an Truss’ nun schon x-tem Fauxpas ihrer Kandidatur ist aber gar nicht der unterschwellige Antisemitismus, der in der britischen Gesellschaft schon immer existiert hat (Philosemitismus hat es auch schon immer gegeben). Vielmehr ist die Vorwegnahme jeder möglichen Kritik als bloßes Aufbegehren von Gutmenschen, die sich linksliberal geben und in London leben (das ist die wortwörtliche Argumentation des ultrarechten Tory-Rands), die Ohrfeige gleich nach der ersten Klatsche.

Dass Sunak so dreist bisher nicht geworden ist, gereicht ihm beim exklusiven Tory-Wahlvolk zum Nachteil: kein echter Mann. Truss dagegen macht mit solchen – bestenfalls – ungerührten Dummheiten ihren Sieg klar. Und immerhin: Mit ihrer Ignoranz für jeden politischen Anstand ist sie dann auch die wahre Erbin von Johnson und Thatcher. (Peter Rutkowski)

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