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Königin Elizabeth gestikuliert.
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Queen Elizabeth II. ist auch Königin von Jamaika.

Commonwealth

Jamaika fordert Absetzung der Queen und Milliarden-Entschädigung von Großbritannien

  • Jennifer Greve
    VonJennifer Greve
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Jamaika fordert von Großbritannien Wiedergutmachung für die Sklaverei. Zudem soll Queen Elizabeth II. als Staatsoberhaupt abgesetzt werden.

Kingston (Jamaika) - Zu Zeiten der britischen Kolonialisierung war Jamaika ein Zentrum atlantischen Sklavenhandels. Schätzungsweise eine halbe Million afrikanischer Menschen wurden dorthin als Sklaven verkauft. Gegen ihren Willen aus ihrem Leben gerissen, erfuhren sie meist eine unmenschliche Behandlung. Jamaika fordert deswegen nun Entschädigung von Großbritannien. Eine diesbezügliche Petition wurde bereits aufgesetzt.

„Wir hoffen auf Wiedergutmachung in allen Formen, die man erwarten würde, wenn sie wirklich sicherstellen wollen, dass wir Gerechtigkeit aus Ungerechtigkeiten bekommen, um die Schäden zu reparieren, die unsere Vorfahren erlitten haben.“ So äußerte sich Jamaikas Ministerin für Sport, Jugend und Kultur, Olivia Grange, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters.

Jamaika fordert Entschädigung für Sklavenhandel von Großbritannien

Um die Entschädigungen einzufordern, wurde eine Petition ins Leben gerufen, die an Queen Elizabeth II. geschickt werden soll. In dieser Petition wird die britische Regierung dazu aufgefordert, Entschädigung zu leisten. Eine genaue Summe nannte Grange nicht.

Es könnte sich aber um einen Wert um rund 7,6 Milliarden Pfund handeln. Diese Summe hatte Mike Henry, der jamaikanische Gesetzgeber, in einem privaten Antrag genannt. Auf diesem Antrag basiert auch die Entschädigungs-Petition. Das Mitglied der Jamaica Labour Party sprach auch davon, „dass den Sklaven der gleiche Geldbetrag wie den Sklavenbesitzern gezahlt wird“.

Königin Elizabeth II. ist Staatsoberhaupt von Jamaika

Nachdem Jamaika 1655 von den Engländern übernommen wurde, hielt der Status als britische Kolonie bis zum Jahr 1962 an. Es folgte die Unabhängigkeitserklärung des karibischen Inselstaats. Auch heute noch ist das Land ein Teil des sogenannten Commonwealth. Queen Elizabeth II. nicht nur die Königin des Vereinigten Königreichs, sondern auch des Commonwealth - und somit auch die Königin Jamaikas.

Doch Oppositionsführer Mike Golding fordert im Zuge der Petition auch, dass Elizabeth II. nun als Staatsoberhaupt abgesetzt werden müsse. „Man kann wohl kaum behaupten, dass wir völlig unabhängig sind, wenn wir ein Staatsoberhaupt haben, das auf der anderen Seite des Atlantiks lebt und keine Jamaikanerin ist“, sagte Golding dem Independent. „Die Absetzung der Königin und die Wiedergutmachung für die Sklaverei sind sehr wichtig für uns. Sie sind grundlegend für unsere Identität und unsere Nation.“

Das rechtliche Verfahren zur Absetzung der Königin als Staatsoberhaupt ist allerdings kompliziert. So muss das entsprechende Gesetz mit einer Zweidrittelmehrheit in beiden Kammern des Parlaments genehmigt und dann durch ein Referendum dem Volk von Jamaika vorgelegt werden.

  • Diese Rolle füllt das Oberhaupt des Commonwealth aus:
  • Symbolische Funktion
  • Keine maximale Laufzeit
  • Nicht erblich (zukünftige Oberhäupter werden von Commonwealth-Führern gewählt)
  • Quelle: thecommonwealth.org

Jamaika fordert Entschädigung: „Wiedergutmachung ist längst überfällig“

„Unsere afrikanischen Vorfahren wurden gewaltsam aus ihrer Heimat vertrieben und erlitten in Afrika beispiellose Gräueltaten, um Zwangsarbeit für das British Empires zu verrichten“, sagte Grange im Interview. Sie fügte an: „Wiedergutmachung ist längst überfällig.“ Ob über eine offizielle Petition des Landes oder über musikalische Zeilen in einem Reggae-Song - die Proteste in Bezug auf die Wahrnehmung afrikanischer Menschen nimmt zu.

Nach dem Verbot des Sklavenhandels im Jahr 1807 dauerte es noch einmal über 20 Jahre bis 1834 die Sklaverei formell abgeschafft wurde. Eine finanzielle Entschädigung erfolgte nicht zugunsten der Sklaven, sondern der Sklavenhändler. Für diese Zahlungen nahm die britische Regierung einen 20 Millionen schweren Kredit auf.

Die Entschädigungs-Petition wird durch den Jamaikanischen Nationalrat für Wiedergutmachung unterstützt. Die Petition fordert die Übernahme von Verantwortung für den Sklavenhandel in Jamaika und die daraus resultierende Bereicherung einiger britischer Unternehmen und Bildungseinrichtungen wie der Universität von Glasgow. (jey)

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