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TV-Duell in Großbritannien: Heftiger Schlagabtausch um Johnson-Nachfolge

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Von: Stefan Krieger

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In einer ersten TV-Debatte um die Nachfolge des britischen Premiers liefern sich Liz Truss und Rishi Sunak ein erbittertes Rededuell.

London – Der Kampf um das Amt des britischen Premierministers wurde am Montagabend (25. Juli) zu einem heftigen Schlagabtausch zwischen den zwei verbliebenen Kandidaten Liz Truss und Rishi Sunak. Besonders der ehemalige Finanzminister Rishi Sunak griff die Wirtschaftspolitik der Favoritin Liz Truss in der ersten von drei geplanten TV-Debatten wiederholt heftig an.

Sunak kritisierte Truss‘ Pläne für rasche Steuersenkungen. „Ich denke nicht, dass das richtig ist, ich denke nicht, dass das verantwortungsvoll ist, und es ist sicherlich nicht konservativ“, sagte der Tory-Politiker. Steuersenkungen, bevor die Inflation unter Kontrolle gebracht werde, wären wie ein „kurzfristiger Zuckerschub“.

Truss: Sunaks Pläne bringen die Rezession

Truss entgegnete bei der in der Stadt Stoke-on-Trent ausgetragenen Debatte, Sunaks Pläne würden Großbritannien in eine „Rezession“ stürzen. Sie wolle sofort handeln, weil die Menschen Mühen hätten, über die Runden zu kommen. Ihr Rivale im Rennen um die Tory-Parteiführung habe als Finanzminister die Steuern auf „den höchsten Satz seit 70 Jahren“ angehoben.

TV-Duell zwischen Truss und Sunak im Rennen um Johnson-Nachfolge
Rishi Sunak (l) und Liz Truss (m) nehmen an der TV-Debatte über die Führung der Konservativen Partei teil. © Jacob King/dpa

Truss warf Sunak vor, in der Vergangenheit einen zu weichen Kurs gegenüber China gefahren zu haben. So habe er sich noch vor einem Monat für „engere Handelsbeziehungen mit China“ ausgesprochen. Dass sich Sunak nun am Wochenende für einen harten Kurs gegenüber Peking aussprach, kommentierte die 46-jährige Außenministerin mit den Worten: „Ich bin entzückt, dass du dich jetzt meiner Denkweise angeschlossen hast.“ Der 42-jährige Sunak entgegnete, Truss habe mit Blick auf China ebenfalls eine Wandlung vollzogen. Auch sie habe in der Vergangenheit engere Beziehungen zu Peking gewollt.

Kein neues Regierungsamt für Boris Johnson

Einigkeit herrschte bei den Konkurrenten jedoch in der Frage, was die zukünftige Rolle von Boris Johnson angeht. Beide schlossen einen zukünftigen Regierungsposten für den Amtsinhaber kategorisch aus. Der scheidende Premier benötige eine „wohl verdiente Pause“, sagte Außenministerin Truss in der Debatte, die von der BBC live übertragen wurde. „Er wird nicht Teil der Regierung sein.“ Zugleich kritisierte sie die Parteientscheidung, Johnson zum Rückzug zu zwingen. „Er hat Fehler gemacht, aber ich denke nicht, dass die Fehler ausreichend waren, dass die Konservative Partei ihn zurückweist“, sagte Truss.

Ex-Finanzminister Sunak sagte, Johnson werde einer Regierung unter seiner Führung nicht angehören. „Die Antwort ist einfach: Nein.“ Die Partei müsse nach vorne schauen.

Boris Johnson ist bei der Basis der Torys, die über ihren neuen Chef und damit den nächsten Amtsinhaber in der Downing Street entscheidet, nach wie vor sehr beliebt. In einer Petition fordern Tausende, Johnson müsse Regierungschef bleiben.

Sunak und Truss werden sich am Dienstagabend im britischen Fernsehen ein weiteres Rededuell liefern und am Donnerstagabend bei der ersten Wahlkampfveranstaltung vor Publikum in Leeds erneut aufeinandertreffen. (skr mit AFP/dpa)

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