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Tory-Partei: Nach außen divers, inhaltlich auf der rechten Überholspur?

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Von: Lucas Maier

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Die Ära von Boris Johnson ist beendet. Im Kampf um seine Nachfolge bestimmen rechte Forderungen die Auseinandersetzung. Die vermeintliche Diversität trügt hier das Bild. 

London - Eine Diversität, wie sie die linke Labour-Partei noch nie gehabt hätte – damit prahlen derzeit Abgeordnete der Tory-Partei in Großbritannien. Nach dem Aus von Boris Johnson dreht sich das parteiinterne Kandidat:innen-Karussell.

Die Regierungspartei mit Anti-EU-Haltung zeigt sich ungewohnt divers, so finden sich unter den Kandidat:innen für die Nachfolge von Boris Johnson einige mit Migrationsgeschichte. Doch Fachleute warnen: „Der Schein trügt“.

Tori-Partei: Unter Johnson ging der Ruck nach rechts.
Tori-Partei: Unter Johnson ging der Ruck nach rechts. (Archivbild) © Yui Mok/dpa

Großbritannien: Der Rechtsruck der Tory-Partei

Inhaltlich steht die Partei viel weiter rechts als noch vor zehn Jahren, sagte Ian Blackford, Fraktionschef der Schottischen Nationalpartei im britischen Parlament gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Sein Fazit: Die Konservativen haben die Rechtspopulisten rechts überholt. Der Kampf um das Erbe von Johnson wird mit immer rechteren Postionen ausgefochten. Die Wurzeln der Kandidat:innen, oder Erfahrungen in der eigenen Familie, schützen hier nicht vor ultrarechten Positionen.

Innenministerin Priti Patel hatte zuletzt gefordert, alle Menschen, die „illegal“ nach Großbritannien einreisen, postwendend nach Ruanda auszufliegen, unabhängig von ihrer Herkunft. Die Eltern von Patel waren einst selbst aus Uganda nach Großbritannien geflohen. Alle Kandidat:innen im Kampf um die Nachfolge von Boris Johnson unterstützen diese extreme Forderung.

Kampf um Johnson-Nachfolge: Keine Besserung in Sicht - Weiterhin rechte Politik erwartet

„Ich habe den Eindruck, dass wir keine Konservative Partei mehr haben, sondern eine englisch-nationalistische Regierung“, sagte der frühere Tory-Parteichef Chris Patten laut dpa. Die teils extremen Positionen verwundern viele bei einem Blick auf die Kandidat:innen, die eine Migrationsgeschichte haben.

„Es ist die vielfältigste Regierung der Geschichte, aber sie verfolgt auch die rassistischste Politik aller Regierungen“, sagt Kehinde Andrews, Professor für Black Studies an der Universität Birmingham, der BBC. Die Diversität der Kandidat:innen bezeichnet er als „Feigenblätter für weiße Unterdrückung“.

Im Rennen um die Nachfolge von Boris Johnson hat sich das Feld mittlerweile bereits gelichtet. Zur Wahl steht noch Kemi Badenoch, die vom Guardian als „aufgehender Stern auf der rechten Seite der Partei“, bezeichnet wird. Auch Penny Mordaunt, Rishi Sunak, Liz Truss und Tom Tugendhat sind noch im Rennen. (Lucas Maier mit dpa)

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