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Im Land der Streiks und Sorgen: Wie Großbritannien seine Krisen bewältigt

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Von: Sandra Kathe

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Im krisengeplagten Vereinigten Königreich bringt am zweiten Weihnachtsfeiertag ein Großstreik der Verkehrsverbände den Verkehr zum Erliegen.

London - Mit dem Streik von Bahnangestellten sowie Beschäftigten der Grenzkontrollen enden die Weihnachtstage in Großbritannien einmal mehr mit Problemen. Der fürs Weihnachts-Shopping beliebte 26. Dezember, der als „Boxing Day“ traditionell beliebt für verspätete Weihnachtseinkäufe ist, zog viele Menschen in die Läden. Doch ausgefallene Züge aufgrund des Streiks der Verkehrsbetriebe sowie volle Straßen sorgten für Ärger.

Auch die Grenzkontrollen an einigen britischen Flughäfen sowie am Hafen Newhaven, den Fähren aus Frankreich anlaufen, sind vom Streik betroffen, was neben längeren Wartezeiten für Fluggäste auch noch andere Probleme mit sich bringt. So berichtete die britische Zeitung Guardian von einer Enthüllungs-E-Mail, die besagt, dass einige streikende Grenzbeamt:innen zwar von Beschäftigten des britischen Militärs ersetzt werden konnten, diese jedoch zu ausgebildeten Grenzschützer:innen nicht berechtigt seien, aufgespürte Kriminelle, Drogenschmuggler:innen oder Menschen mit gefälschten Papieren festzuhalten. In der E-Mail heißt es, dass dieser Umstand Auswirkungen auf das operative Geschäft an Flughäfen haben könnte.

Über Weihnachten streikten in Großbritannien die Verkehrsbetriebe. Auch in anderen Bereichen sind noch bis Mitte Januar Ausstände angekündigt.
Über Weihnachten streikten in Großbritannien die Verkehrsbetriebe. Auch in anderen Bereichen sind noch bis Mitte Januar Ausstände angekündigt. © Martyn Wheatley/imago-images.de

Wirtschaftskrise in Großbritannien: Viele Menschen auf Tafeln angewiesen

Die Nachrichten über immer wieder neue Streiks treffen Großbritannien in besonders krisenanfälligen Zeiten: Wenige Tage vor Weihnachten hatten die Tafeln in Großbritannien bekannt gegeben, dass die Anfrage nach Lebensmittelspenden in diesem Jahr so hoch sei wie nie zuvor. Seit Monaten sorgen sich die Menschen nicht nur um die steigenden Energiepreise, sondern auch um die finanzpolitischen Entwicklungen im Land, die Menschen im Schlimmstfall sogar ihr Haus oder ihre Wohnung kosten könnte.

Dazu kommen die Lebensmittelpreise, die nicht nur aufgrund von Inflation und Ukraine-Krieg gestiegen sind, sondern auch infolge des vor knapp zwei Jahren offiziell in Kraft getretenen EU-Austritts. Der Brexit hat nicht nur dafür gesorgt, dass heute in Großbritannien etliche Arbeitskräfte fehlen, sondern auch einen tiefen Graben in bisherige Handelsbeziehungen gerissen und wichtige Import-Routinen massiv bürokratisiert.

Streiks in Großbritannien: Viele sehen Zusammenhang zu Brexit

In offiziellen Zahlen zeigt sich das etwa in einer Aufstellung der internationalen Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die diesen Herbst ausgerechnet hat, dass Großbritannien sich im Vergleich zu ähnlich starken Volkswirtschaften kaum von seinem pandemiebedingten Wirtschafts-Tief erholen konnte. Als Folge daraus sehen Expert:innen, so berichtet der Spiegel, unter Großbritanniens neuem Premierminister Rishi Sunak nun erste Anzeichen einer Wiederannäherung mit Brüssel, die zahlreiche Player in Großbritanniens Wirtschaft bereits lautstark fordern.

Dass auch im Umgang mit ausländischen Arbeitskräften ein Umdenken stattfinden könnte, demonstrieren derzeit auch die gehäuften Streiks, zu denen der britische Guardian auf seiner Website sogar eigens einen Streikkalender eingerichtet hat. Beschäftigte in bis zu vier wichtigen Bereichen (Verkehr, Energie, Post und Verwaltung) demonstrieren seit dem 7. Dezember teilweise parallel durch Arbeitsausstände, dass sie ihre aktuellen Arbeitsbedingungen und Löhne nicht weiter hinnehmen wollen. Bislang sind bis zum 7. Januar weitere Streiks im Verkehrsbereich, bis zum 10. Januar in der Verwaltung und ab Mitte Januar erneute Streiks im Gesundheitswesen angekündigt. (ska mit AFP/dpa)

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