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Orgien in britischer Kaserne: Whistleblowerin spricht von „alltäglichen“ Vorfällen

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Von: Stefan Krieger

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Ein Bataillon britischer Fallschirmjäger löst mit einem Video einen Skandal aus. „Frauenfeindliches“ Verhalten soll bei der Armee Alltag sein.

Update vom Dienstag, 21.06.2022, 09:30 Uhr: In einem exklusiven Gespräch mit der britischen Tageszeitung The Independent berichtet eine Frau davon, dass „Orgien in der Armee alltäglich“ seien. Die Frau, die nach eigenen Angaben Jahre in der Rekrutierung für die britische Armee gearbeitet hatte, berichtet davon, dass ihr ein ehemaliger Soldat, von dem sie zuvor seit Monaten nichts gehört hatte, elf weitere Videos ähnlichen Inhalts habe zukommen lassen.

Die Whistleblowerin warnte, dass der jüngste Vorfall in den Merlville Baracks auf eine breite Kultur der Frauenfeindlichkeit in den Streitkräften hinweist, die Frauen als „minderwertige Wesen“ betrachtet. „Es ist frauenfeindlich“, fügte sie hinzu. „Das ist eine Schande für die Armee. Es zeigt einen ernsthaften Mangel an Professionalität und anständigem menschlichen Verhalten im Allgemeinen.“

Orgien in Kaserne: Britische Soldaten bezeichnen Vorfälle als „normal“

Die Frau betonte gegenüber dem Independent, dass Geschichten über Gruppensex, die denen in Merlville ähnelten, in der Armee alltäglich seien, und behauptete, einige Soldaten würden solche Vorfälle als „normal“ bezeichnen und darauf bestehen, dass „es nur Jungen sind, die eben Jungen sind“.

Royals bei Weltkriegs-Gedenkfeier in Arnheim
Britische Fallschirmjäger bei einer Weltkriegs-Gedenkfeier in Arnheim. © Steve Parsons/dpa

Die Informantin sprach gegenüber der Zeitung über ihre eigenen negativen Erfahrungen bei der Rekrutierung von Soldaten – und sagte, sie habe den Job aufgegeben, nachdem sie sexuelle Belästigung, Sexismus und geschlechtsspezifische Diskriminierung erlebt habe. Sie sagte, sie könne es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren, wenn sie angesichts ihrer eigenen Erfahrungen aufgefordert werde, Frauen zum Eintritt in die Armee zu ermutigen.

Orgien in Kaserne: Skandal um britische Fallschirmjäger

Erstmeldung vom Montag, 20.06.2022, 09.00 Uhr: London – Der neue Chef der britischen Armee hat den Nato-Einsatz eines Bataillons des Fallschirmjägerregiments in Bosnien und im Kosovo abgesagt, nachdem ein Video veröffentlicht worden war, das offensichtlich Fallschirmjäger bei einer Orgie in einer Militärbasis zeigt. Dies berichtet unter anderem das britische Nachrichtenportal walesonline.co.uk.

Generalleutnant Andrew Harrison, der Oberbefehlshaber der Fallschirmjäger, schrieb in einem Brief, dass General Sir Patrick Sanders „vorübergehend das Vertrauen“ in das dritte Bataillon der Einheit verloren habe.

Skandal um britische Fallschirmjäger: „Das Bataillon hat einen außerordentlichen Ruf“

„Heute Nachmittag hat der Chef des Generalstabs (CGS), General Sir Patrick Sanders, die Entscheidung getroffen, das Bataillon aus dem Einsatzplan für den Kosovo-Einsatz der Nato in diesem Sommer zu streichen“, so Harrison. Und weiter: „Das Bataillon hat einen außerordentlichen Ruf im Dienste unserer Nation, und jedes Mitglied der Einheit wird über die verpasste Gelegenheit, noch einmal auf dem Balkan zu operieren, am Boden zerstört sein.“

Die Entscheidung von General Sir Patrick Sanders ist eine Reaktion auf die jüngsten disziplinarischen Vorfälle bei der Übung Swift Response und in der Merville-Kaserne, die in den letzten Wochen an die Öffentlichkeit gelangt sind.

„Das 3. Bataillon akzeptiert, dass sie vorübergehend das Vertrauen von CGS verloren haben“, fügte Generalleutnant Andrew Harrison hinzu. „Sie werden über Verhaltensweisen und die Kultur, die den Ruf und die operative Effektivität eines außergewöhnlichen Bataillons untergraben, nachdenken und ihr Verhalten gegebenenfalls anpassen. Natürlich bleibt die Truppe bereit, die Interessen unserer Nation im In- und Ausland zu verteidigen, wenn es darauf ankommt."

Bei dem Nato-Einsatz, der im September beginnen sollte, wären rund 300 Soldaten des Bataillons in den Balkan geschickt worden.

Skandal um britische Fallschirmjäger: Inhalt des Videos „inakzeptabel, ätzend und schädlich“

General Sir Patrick Sanders schrieb in einer Mitteilung, die dem Telegraph vorliegt, dass das angebliche Verhalten in dem Orgien-Video als „einvernehmlich“ eingestuft worden sei und die Militärpolizei der Royal Army festgestellt habe, dass kein Verbrechen begangen worden sei. Dennoch seien der Inhalt des Videos „inakzeptabel, ätzend und schädlich für den Ruf der Armee (und) könnte auch als Verunglimpfung von Frauen ausgelegt werden“.

„Ich weiß, dass das Bataillon schnell reagieren und den Ruf, den es verdient, wiederherstellen wird“, fügte Sanders hinzu. (skr)

Erst kürzlich hatte es in Großbritannien einen Skandal um Premier Boris Johnson gegeben. Partygate: „Versagen“ und „exzessiver Alkoholkonsum“ von Boris Johnson – Premierminister tritt nicht zurück (skr)

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