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Wechsel in Großbritannien: Sunak ist neuer britischer Premierminister 

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Von: Sandra Kathe, Tim Vincent Dicke, Daniel Dillmann, Tanja Banner, Stefan Krieger

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Ex-Finanzminister Rishi Sunak wird Nachfolger von Liz Truss und somit Premierminister Großbritanniens.

+++ 12.40 Uhr: Rishi Sunak ist neuer Premierminister des Vereinigten Königreichs. Der 42-Jährige wurde am Dienstag formell von König Charles III. mit der Regierungsbildung beauftragt, wie die britische Nachrichtenagentur PA nach der Audienz meldete.

Rishi Sunak wird neuer Premierminister
König Charles III. (l) empfängt Rishi Sunak, den neu gewählten Vorsitzende der Konservativen Partei, im Buckingham Palace. Das Vereinigte Königreich bekommt seinen dritten Premierminister in nur zwei Monaten. © Aaron Chown/dpa

Regierungswechsel in Großbritannien: Truss verbschiedet sich

+++ 11.55 Uhr: Die scheidende britische Premierministerin Liz Truss hat bei ihrem Abschied aus der Downing Street ihre gescheiterte Steuerpolitik verteidigt. „Aus meiner Zeit als Premierministerin bin ich mehr überzeugt denn je, dass wir mutig sein müssen angesichts der Herausforderungen, denen wir uns gegenüber sehen“, sagte Truss am Dienstag in ihrem letzten Statement in der Downing Street. Sie glaube noch immer an Wirtschaftswachstum durch niedrige Steuern. Das Land müsse seine „Brexit-Freiheiten“ ausnutzen, um Dinge anders anzugehen.

Es sei eine große Ehre gewesen, die Nation in der Staatstrauer für Queen Elizabeth II. anzuführen und den neuen Monarchen König Charles III. im Amt zu begrüßen. Außerdem habe ihre Regierung „schnell und entschieden“ gehandelt, um Haushalte angesichts explodierender Energiepreise zu entlasten und Unternehmen vor der Pleite zu bewahren. Das durch ihre Politik ausgelöste Chaos an den Finanzmärkten ließ Truss unerwähnt.

Regierungswechsel in Großbritannien: Rishi Sunak soll‘s richten

Update vom 25. Oktober, 06.10 Uhr: Das Vereinigte Königreich bekommt am heutigen Dienstag (25. Oktober) seinen dritten Premierminister in wenigen Monaten. Ex-Finanzminister Rishi Sunak soll am späten Vormittag von König Charles III. formell mit der Regierungsbildung betraut werden, wie Downing Street am Montagabend mitteilte. Die Konservative Partei hofft nun, dass Sunak nach der skandalumwitterten Zeit von Boris Johnson und der kurzen chaotischen Amtszeit von Liz Truss die Kurve kriegt und wieder in ruhiges Fahrwasser führt. Doch auf den jüngsten Premierminister seit mehr als 200 Jahren warten gewaltige Aufgaben.

„Sunak erbt eine alptraumhafte Suppe politischer und wirtschaftlicher Düsternis: eine gespaltene Partei, seit zwölf Jahren an der Regierung, offenbar süchtig nach internen Streitereien, düstere öffentliche Finanzen, steigende Preise und einen Krieg in Europa“, kommentierte die BBC.

Zuvor wird die amtierende Premierministerin Truss auf den Tag genau sieben Wochen nach ihrem Amtsantritt von Charles offiziell entlassen. Truss hatte mit radikalen Steuerreformen die Finanzmärkte in heftige Turbulenzen gestürzt – sie musste daraufhin auch auf parteiinternen Druck hin zurückrudern.

Sunak zu den Tories: „Vereinen oder sterben“

+++ 21.40 Uhr: Bei einem für Dienstagvormittag geplanten Treffen mit dem neuem König Charles III. wird der frisch zum Parteivorsitzenden ernannte Rishi Sunak offiziell mit der Regierungsbildung in Großbritannien beauftragt. Dabei wird der 42-Jährige Sunak nicht nur einer der bislang jüngsten Premierminister und der erste bekennende Hindu an der Spitze der britischen Regierung: Er wird auch als erster Premier seit 70 Jahren unter einem neuen Monarchen sein Amt antreten. Seine Vorgängerin Liz Truss hatte noch die 1952 inthronisierte Königin Elizabeth II. mit der Bildung der Regierung beauftragt.

Beim ersten Treffen mit den Abgeordneten seiner konservativen Partei nach der Bekanntgabe seiner Ernennung wurde Sunak laut einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit demonstrativ lautem Beifall empfangen und meldete sich direkt mit einer Warnung an seine Partei zu Wort. Wie Anwesende berichteten, sehe er die Partei vor einer „existenziellen Bedrohung“ und vor der Wahl, sich „zu vereinen oder zu sterben“.

Großbritannien: Sunak will Land zu „Stabilität und Einheit“ führen

+++ 19.20 Uhr: In seiner ersten kurzen Rede nach der Ernennung zum Vorsitzenden und designierten Premierminister der britischen Konservativen hat Rishi Sunak es zu seiner obersten Priorität erklärt, „unsere Partei und unser Land zusammenzubringen“. Großbritannien stehe „vor einer tiefgreifenden wirtschaftlichen Herausforderung“, sagte Sunak – seine Aufgabe als Premierminister der Torys sei nun, das Land zu „Stabilität und Einheit“ zu führen.

Derweil spotten führende Labour-Politiker wie der ehemalige Parteivorsitzende Jeremy Corbyn bereits darüber, dass Sunaks „90-sekündiges Statement eine Konservative Partei zeigt, der jeglicher Plan fehlt, wie sie die zahlreichen Krisen, die sie geschaffen hat, wiedergutmachen will“. „Keine Ideen. Keine Überzeugung. Kein Mandat“, schrieb Corbyn auf Twitter.

Neuer Premier für Großbritannien: Sunak hat die Mehrheit der Tories hinter sich

+++ 15.02 Uhr: Die Entscheidung in Großbritannien ist gefallen. Ex-Finanzminister Rishi Sunak wird neuer britischer Premierminister. Seine einzige Rivalin Penny Mordaunt zog im parteiinternen Rennen um das Amt ihre Kandidatur zurück, wie sie am Montag auf Twitter mitteilte. Sunak habe ihre volle Unterstützung, schrieb die amtierende Ministerin für Parlamentsfragen.

Damit ist der Weg für den 42-jährigen Sunak frei. Als Sohn indischer Einwanderer wird der in Southampton geborene Sunak der erste britische Regierungschef, der einer ethnischen Minderheit in Großbritannien angehört. „Rishi Sunak ist zum Chef der Konservativen Partei gewählt worden“, bestätigte der Chef des zuständigen Fraktionskomitees, Graham Brady, in London.

Rishi Sunak - Zur Person:

NameRishi Sunak
Alter42 Jahre (geboren am 12. Mai 1980)
Familienstandverheiratet mit Akshata Murthy (seit 2009)
KinderKrishna Sunak, Anoushka Sunak
ÄmterFinanzminister (2020-2022)

+++ 14.36 Uhr: Nun scheint die Macht zum Greifen nah: Nach dem überraschenden Rückzieher von Boris Johnson deuten in Großbritannien alle Zeichen auf Rishi Sunak als neuen britischen Premierminister. Der frühere Finanzminister war bis Montagvormittag der einzige Kandidat für die Nachfolge von Liz Truss an der Spitze der Konservativen Partei und damit auch der Regierung.

Die einzige mögliche Gegenkandidatin Penny Mordaunt versuchte derweil in einem Rennen gegen die Uhr, die nötige Zahl an Unterstützern zusammenzubekommen. Doch auch kurz vor Ablauf der Frist um 15.00 Uhr MESZ scheint sie weit davon entfernt, die notwendige Unterstützung durch mindestens 100 der insgesamt 357 Tory-Abgeordneten zu bekommen. Sollte es ihr doch noch gelingen, soll es bis Freitag eine Internet-Abstimmung der Tory-Mitglieder geben. Falls Sunak der einzige Kandidat bleibt, ist er automatisch neuer Parteichef und Premierminister.

Großbritannien. Mordaunt kämpft um Unterstützung

+++ 12.10 Uhr: Premier-Kandidatin Penny Mordaunt war am Vormittag den öffentlichen Zählungen zufolge noch weit von der notwendigen Zahl von mindestens 100 Unterstützern entfernt. Erreicht sie diese Schwelle bis 14.00 Uhr (Ortszeit, 15.00 Uhr MESZ) doch noch, kommt es zunächst in der Fraktion und anschließend bei allen Parteimitgliedern zu einer Stichwahl. Schafft es Mordaunt nicht, dürfte Sunak automatisch zum neuen Parteichef und damit auch zum Premierminister ausgerufen werden.

Regierungsbildung Großbritannien: Penny Mordaunt gibt nicht auf

+++ 10.55 Uhr: Die britische Premier-Kandidatin Penny Mordaunt will trotz des großen Vorsprungs ihres Rivalen Rishi Sunak weiter um die nötige Unterstützung in der konservativen Fraktion kämpfen. Die BBC berichtete unter Berufung auf Quellen aus Mordaunts Kampagnen-Team, die 49-Jährige werde definitiv in einer Stichwahl der Parteibasis antreten, sofern sie die nötige Unterstützung von 100 Tory-Abgeordneten bekomme. Diese Schwelle sei „in Reichweite“, hieß es aus dem Team. Öffentlich haben sich nach Zählung verschiedener Medien jedoch erst rund 25 Abgeordnete für die Ministerin für Parlamentsfragen ausgesprochen.  

Regierungsbildung Großbritannien: Johnson-Anhänger unterstützen Sunak

+++ 10.40 Uhr: Boris Johnson will dann doch nicht und somit sind mehrere seiner prominenten Unterstützer ins Lager des Favoriten Rishi Sunak gewechselt. Außenminister James Cleverly schrieb am Montagmorgen auf Twitter, Sunak habe die größte Erfahrung und könne auf seine Unterstützung zählen. Auch Ex-Innenministerin Priti Patel sprach sich für Sunak aus, nachdem sie zuvor Johnson unterstützt hatte.

Am Sonntagabend hatte auch Ex-Minister Nadhim Zahawi, der am gleichen Morgen noch in einem Gastbeitrag für die Ära „Boris 2.0“ warb, auf Twitter geschrieben: „Ein Tag ist eine lange Zeit in der Politik. Nach den heutigen Neuigkeiten sollten wir uns Rishi Sunak als unserem nächsten Premierminister zuwenden.“

Premierminister in Großbritannien gesucht - Sunak der Favorit

Update vom 24. Oktober, 05.00 Uhr: Boris Johnson machte in seiner Erklärung deutlich, dass er nur schweren Herzens auf eine erneute Kandidatur verzichtete. Als Grund für seine Entscheidung nannte er das Fehlen von Zusammenhalt in der Fraktion der konservativen Tories: „Sie können nicht effektiv regieren, wenn Sie keine geeinte Partei im Parlament haben“, erklärte der 58-Jährige.

Am Wochenende traf sich Johnson mit Sunak und auch mit der Unterhausvorsitzenden Penny Mordaunt, die als erste ihren Hut für die Truss-Nachfolge in den Ring geworfen hatte. „Ich hatte gehofft, dass wir uns im nationalen Interesse zusammenfinden könnten, aber leider waren wir nicht in der Lage, einen Weg zu finden, dies zu tun“, fasste der Ex-Regierungschef diese Gespräche zusammen.

„Ich glaube, ich habe viel anzubieten, aber ich fürchte, es ist einfach nicht die richtige Zeit“, erklärte Johnson. Er betonte, dass er die notwendige Zahl von Unterstützern in der Tories-Fraktion für seine erneute Kandidatur gehabt hätte. 102 Abgeordnete hätten ihn unterstützt. Für eine Kandidatur für die Parteispitze und damit auch das Amt des Regierungschefs ist die Unterstützung durch mindestens 100 der insgesamt 357 Tories-Abgeordneten erforderlich.  

Regierungsbildung Großbritannien: Sunak gilt als Favorit

+++ 22.35 Uhr: Der ehemalige britische Premierminister Boris Johnson wird sich entgegen erster Spekulationen nach dem Rücktritt von Liz Truss nicht für seine eigene Nachfolge bewerben. Das berichtet am Sonntagabend etwa die britische Zeitung Guardian. Begründet hätte Johnson die Entscheidung nicht mit seinem Zweifel, die benötigte Stimmenanzahl unter den konservativen Abgeordneten zu erreichen, obwohl er mit knapp 60 Unterstützerinnen und Unterstützern noch deutlich von den benötigten 100 entfernt ist.

Stattdessen sagte Johnson, eine Kandidatur „wäre nicht das Richtige“, da man nur effektiv regieren könnte, wenn es einem gelingt, die Partei im Parlament hinter sich zu vereinen. Deutlich in Führung in der laufenden Abstimmung liegt damit der ehemalige Schatzkanzler Rishi Sunak mit über 140 Stimmen, die bislang einzige Gegenbewerberin Penny Mordaunt liegt abgeschlagen bei etwas über 20 Unterstützerinnen und Unterstützern. Sunaks Einzug in Number 10 Downing Street stehe somit laut Guardian so gut wie fest.

Rennen ums Regierungsamt in Großbritannien: Mordaunt will keinen Deal mit Johnson

+++ 21.15 Uhr: Auch Penny Mordaunt will keinen Deal mit Boris Johnson eingehen. Der frühere Premier und die derzeitige Ministerin für Parlamentsfragen haben nach Informationen der britischen Zeitungen Daily Telegraph und The Times am Sonntagnachmittag miteinander telefoniert. Mordaunt habe jedoch Johnsons Bitte ausgeschlagen, zu seinen Gunsten ihre Kandidatur zurückzuziehen. Wenn sie gehe, würden ihre Unterstützer zum aussichtsreichen Rishi Sunak überlaufen, soll Mordaunt argumentiert haben. Außerdem seien einige von Johnsons Unterstützern in ihr Lager übergelaufen, soll Mordaunt den Berichten zufolge gesagt haben.

Derweil hat sich bei den öffentlichen Unterstützungen für die drei Kandidaten beziehungsweise Vielleicht-Kandidaten (Johnson hat seine Kandidatur noch nicht bestätigt) etwas getan: Laut BBC-Zählung unterstützen mittlerweile 147 Tory-Abgeordnete Rishi Sunak, Boris Johnson hat demnach 57 öffentliche Unterstützende, Penny Mordaunt 24. Insgesamt haben sich 228 von 357 Tory-Abgeordneten festgelegt.

Nachfolge von Liz Truss: Kein Deal zwischen Boris Johnson und Rishi Sunak

Update vom Sonntag, 23. Oktober, 16.00 Uhr: Nachdem sich Sunak und Johnson, die beiden Favoriten um die Nachfolge von Liz Truss als Premierministerin, am Samstagabend getroffen haben sollen, gab es Medienberichten zufolge keine gemeinsame Lösung. Unterdessen hat Sunak seine Kandidatur als Nachfolger von Liz Truss öffentlich gemacht. Auf Twitter schrieb er: „Großbritannien ist ein großartiges Land, aber wir sind in einer ernsthaften ökonomischen Krise. Deshalb möchte ich die Konservative Partei anführen und nächster Premierminister werden.“

Laut BBC-Zählung haben mittlerweile 225 von 357 Tory-Abgeordneten Unterstützung für einen Kandidaten oder eine Kandidatin zugesagt. Rishi Sunak führt die Liste derzeit mit 145 Unterstützungszusagen an, Boris Johnson hat laut BBC-Zählung 57 (soll jedoch laut einem Insider mehr als 100 Unterstützende haben, siehe Update von 22. Oktober, 16.40 Uhr), die einzige Frau in der Runde, Penny Mordaunt, kommt auf 23 Unterstützende. Mordaunt und Sunak haben ihre Kandidaturen bisher bekannt gegeben, Johnson hält sich noch bedeckt.

Nachfolge von Liz Truss: Rishi Sunak liegt in Führung vor Boris Johson

+++ 18.30 Uhr: Die britische BBC zählt, wie viele Tory-Politiker und -Politikerinnen sich bereits bezüglich ihrer Unterstützung eines Kandidaten oder einer Kandidatin als Nachfolge für Liz Truss geäußert haben. 191 von 357 Tory-Abgeordneten haben demnach ihre Unterstützung geäußert – entweder öffentlich oder gegenüber der BBC. Rishi Sunak kommt der Auflistung zufolge auf 117 Unterstützer, Boris Johnson auf 52 und Penny Mordaunt auf 22. Johnson soll Berichten eines Insiders zufolge jedoch bereits auch die Schwelle von 100 Unterstützerinnen und Unterstützern in seiner Partei überschritten haben, heißt es (s. Update von 16.40 Uhr).

+++ 16:40 Uhr: Offiziell hat der frühere britische Premierminister Boris Johnson seine erneute Kandidatur für das Amt des Premierministers noch gar nicht erklärt, doch seinen Karibik-Urlaub hat er abgebrochen, um nach London zurückzukehren. Nun berichten die BBC und der Sender Sky News unter Berufung auf eine Johnson nahestehende Insider-Quelle, dieser habe die Schwelle von 100 Unterstützern zusammen und könne damit antreten. Zählungen der BBC und anderer Medien sehen Johnson jedoch erst bei rund 50 öffentlichen Unterstützern.

Noch bis Montagnachmittag (24. Oktober) können Nominierungen eingehen – wer den Rückhalt von mindestens 100 Parlamentarierinnen und Parlamentariern hat, kann ins Rennen um den Spitzenjob gehen. Gelingt es mehr als zwei Personen, die Schwelle zu knacken, sollen Abstimmungen innerhalb der Fraktion den Kreis der Kandidaten verkleinern.

+++ 15.50 Uhr: Medienberichten zufolge ist der frühere britische Regierungschef Boris Johnson nach seinem abgebrochenen Karibik-Urlaub wieder in Großbritannien gelandet. Von Parteifreunden hieß es in Medienberichten, Johnson sei „dazu bereit“, als Kandidat um die Nachfolge von Liz Truss ins Rennen zu gehen. Offiziell hat Johnson seine Kandidatur bisher allerdings nicht angemeldet. Johnson war erst im Juli durch eine Revolte in den eigenen Reihen zum Rücktritt gezwungen worden.

Nachfolge für Liz Truss: Erster Politiker hat nötige Unterstützung

Update vom Samstag, 22. Oktober, 15.00 Uhr: Der frühere Finanzminister Rishi Sunak hat als erster Politiker die notwendigen hundert Tory-Unterstützer hinter sich versammeln können, die benötigt werden, um offiziell ins Rennen um die Nachfolge von Liz Truss zu gehen. Offiziell hat bisher nur Unterhauschefin Penny Mordaunt ihre Kandidatur offiziell erklärt.

Schaffen es Sunaks Kontrahentinnen und Kontrahenten nicht, jeweils hundert Unterstützer hinter sich zu versammeln, würde er automatisch Parteivorsitzender und Premierminister werden. Die politische Website Guido Fawkes kam am Samstagmorgen laut einer Zählung auf 107 Unterstützer für Suna, 71 für Johnson und 25 für Mordaunt, wie afp berichtet.

Wer folgt auf Liz Truss? Zuspruch für Boris Johnson

+++ 18.26 Uhr: Die Stimmen für Boris Johnson als Nachfolger der zurückgetretenen Premierministerin Liz Truss mehren sich in der britischen Regierung. Verteidigungsminister Ben Wallace sagte: „Im Moment tendiere ich zu Boris Johnson.“ Auch Energie- und Wirtschaftsminister Jacob Rees-Mogg sprach sich für den vor wenigen Monaten wegen diverser Skandale als Premierminister zurückgetretenen Johnson als Partei- und Regierungschef aus.

Wallace verwies darauf, dass Johnson die konservativen Tories 2019 zu einem überwältigenden Wahlsieg geführt habe. Allerdings habe Johnson noch „einige Fragen zu beantworten“, fügte Wallace hinsichtlich der zahlreichen Skandale, die Johnsons Amtszeit begleitet hatten, hinzu. Rees-Mogg schrieb auf Twitter die Losung „#BorisorBust“ (Boris oder Nichts). Nur Johnson könne die nächste Parlamentswahl gewinnen. Auch Kabinettsmitglied Simon Clarke sprach sich für Johnson aus. Berichten zufolge brach der Ex-Premier bereits seinen Karibikurlaub ab, um am Montag in London vor Ort zu sein.

Wer folgt auf Liz Truss? Erste Kandidatur fix

+++ 17.06 Uhr: Penny Mordaunt, die Ministerin für Parlamentsfragen, hat ihre Kandidatur für das Amt der britischen Premierministerin offiziell verkündet. „Ich bin durch die Unterstützung von Kollegen ermutigt worden, die einen Neuanfang, eine geeinte Partei und eine Führung im nationalen Interesse wollen“, schrieb die Politikerin auf Twitter. Sie wolle Ministerpräsidentin sowie Tory-Chefin werden, „um unser Land zu vereinen“.

Mordaunt gilt als gute Rednerin. 2019 wurde die Brexit-Befürworterin die erste britische Verteidigungsministerin. Einige sehen in der 49-jährigen Reservistin der Royal Navy eine mögliche Kompromisskandidatin für den Vorsitz der zerstrittenen Tories. Sie galt als eine der frühen Favoriten auf Johnsons Nachfolge, verlor aber knapp gegen Truss im Kampf um die Teilnahme an der finalen Abstimmung. Kritiker werfen ihr vor, in ihren bisherigen Regierungsrollen erfolglos geblieben zu sein.

Wer folgt auf Liz Truss? Johnson schon auf dem Heimweg

+++ 14.55 Uhr: Liest man die namentlichen Erwähnungen anderer Politiker aus Großbritannien, gibt es zwei eindeutige Favoriten auf die Nachfolge von Liz Truss: Boris Johnson und Rishi Sunak. Immer mehr Parlamentarier sprechen sich für den einen oder anderen aus. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Demnach habe Will Walden, ein ehemaliger Berater Johnsons, bestätigt, dieser befände sich aus dem Urlaub auf dem Heimweg und würde die „Geräusche um sich wahrnehmen“. Ob er zu einer erneuten Kandidatur bereitstünde, ist noch nicht bekannt.

Liz Truss tritt zurück - so läuft die Nachfolgesuche ab

+++ 14.10 Uhr: Nach dem Rücktritt von Liz Truss soll ein langwieriger Machtkampf um die Nachfolge verhindert werden. Im Sommer hatten die Konservativen nach dem Rücktritt von Boris Johnson lange über eine neue Führung gestritten. Diesmal einigten sich die Tories offenbar auf einen beschleunigten Prozess.

Zur Wahl können höchstens drei Kandidaten antreten. Jede Kandidatin oder Kandidat muss von mindestens 100 Abgeordneten unterstützt werden. Das gab der Tory-Abgeordnete Graham Brady bekannt. Die Nominierungen müssen bis Montag, 14 Uhr, eingereicht werden. Da es im britischen Unterhaus nur 357 konservative Abgeordnete gibt, können höchstens drei Personen nominiert werden. Sollten sich die Abgeordneten unter diesen drei Kandidaten auf keinen einigen können, müssen sie zwei bestimmen. Diese beiden treten dann in einer Stichwahl unter allen 170.000 Parteimitgliedern gegeneinander an. Zuvor sollen die Mitglieder aber in einer Art Richtungswahl ihren Favoriten bestimmen. Dies soll bis Montagabend, 21 Uhr, geschehen. Der oder die Unterlegene hat dann die Möglichkeit, die Kandidatur noch zurückzuziehen.

Liz Truss: Streit um Nachfolge - Personalie Boris Johnson entzweit die Tories 

+++ 11.55 Uhr: Boris Johnson hat seine Kandidatur noch gar nicht verkündet, da löst sein Name schon Streit bei den „Tories“ aus. Für Abgeordnete wie Crispin Blunt ist der ehemalige Premierminister nicht der richtige Mann, um das Image der Partei wiederherzustellen. Das sagte der konservative Politiker gegenüber dem Sender Sky News. Sein parlamentarischer Kollege Roger Gale kündigte sogar an, aus der Partei auszutreten, sollte Johnson zurückkehren.

Auf der anderen Seite steht die Gruppe der Unterstützerinnen und Unterstützer Johnsons. Hierzu gehören die ehemalige Kultusministerin Nadine Dorries. Sie bezeichnete den Ex-Regierungschef als „Siegertypen“.

Liz Truss tritt zurück - Moskau spricht von „katastrophalem Analphabetismus“ in Großbritannien

Erstmeldung vom Freitag, 21. Oktober: London - Mit einem Rekord verabschiedet sich Liz Truss aus dem Amt der Premierministerin. 45 Tage - die mit Abstand kürzeste Amtszeit in der Downing Street 10.

Während sich die westlichen Kolleginnen und Kollegen mit Reaktionen und Kommentaren zum Regierungschaos in Großbritannien vornehm zurückhalten, scheint genau das ein gefundenes Fressen für Politikerinnen und Politiker aus Russland zu sein. Von einem „katastrophalen Analphabetismus“ schrieb Marija Sacharowa, Pressesprecherin des russischen Außenministeriums in Moskau im Kurznachrichtendienst Telegram. „Großbritannien hat noch nie eine solche Schande einer Premierministerin erlebt.“

Russlands Außenminister Sergej Lawrow erinnerte sich an Gespräche, die er mit Liz Truss einst in Moskau geführt habe, kurz vor dem Beginn des Ukraine-Kriegs. Sie seien wie Unterhaltungen „zwischen Taubstummen“ gewesen. Truss habe zwei Regionen Russlands mit Gebieten in der Ukraine verwechselt und auch sonst wenig Fachwissen über das Verhältnis der beiden Länder zueinander gezeigt. Das berichtet das Nachrichtenportal Moscow Times.

Liz Truss tritt zurück: So ist die Nachfolge geregelt

Während man sich im Kreml der Häme über das Ende der britischen Regierung ergibt, arbeitet man in London bereits an der Nachfolge von Liz Truss. Auch diesmal soll die Parteibasis der Konservativen entscheiden. Das kündigte der Chef des zuständigen Fraktionskomitees an. Die Entscheidung soll diesmal aber deutlich schneller fallen als beim letzten Mal. Bis Ende nächster Woche.

Die Nominierung soll bis Montag nächster Woche abgeschlossen sein. Im Anschluss stimmt die Fraktion so lang ab, bis nur noch zwei Tories übrig bleiben. Bis spätestens Freitag (28. Oktober) sollen dann alle Parteimitglieder in einer Online-Befragung bestimmen, wer die Nachfolge von Liz Truss antritt.

Liz Truss tritt zurück: Wer ihr Erbe antreten könnte

Am höchsten gehandelt werden Ex-Finanzminister Rishi Sunak und Penny Mordaunt, aktuell Ministerin für Parlamentsfragen. Sie waren bei der letzten parteiinternen Abstimmung hinter Truss auf den Plätzen zwei und drei gelandet. Als Möglichkeit gilt, dass sie eine Art Dreierbündnis mit dem amtierenden Schatzkanzler Jeremy Hunt führen, der im Sommer ebenfalls kandidiert hatte, aber nun eine Bewerbung für die Downing Street ausgeschlossen haben soll.

In diesem Szenario würde Sunak neuer Premierminister und Mordaunt würde ins Außenministerium wechseln. Hunt bliebe Finanzminister. Daneben könnte auch Suella Braverman, Ex-Innenministerin, ihr Glück versuchen. Zu guter Letzt bringt sich aus der Ferne ein weiterer Protagonist ins Spiel: Boris Johnson. Der ehemalige Premierminister erwägt offenbar ebenfalls eine erneute Kandidatur. Das berichten übereinstimmend die britischen Zeitungen Times und Telegraph.

Wer könnte das Erbe von Liz Truss antreten? Ein Überblick

Immer lauter werden indes die Rufe nach einer Neuwahl in Großbritannien. Die nächste reguläre Parlamentswahl ist für 2024 geplant, spätester Termin ist der Januar 2025. Aufgrund der miserablen Umfragewerte der Konservativen ist ein vorgezogener Wahlgang sehr unwahrscheinlich. Und so werden wohl erneut 0,3 Prozent der Wahlberechtigten über die nächste Regierung Großbritanniens entscheiden. (red/dpa/afp)

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