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Großbritannien: Alkoholismus im Parlament – neun Vorfälle in einem Monat

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Der Sitz des britischen Parlaments: Betrunkenen Angestellten könnte bald der Zutritt verwehrt werden.
Der Sitz des britischen Parlaments: Betrunkenen Angestellten könnte bald der Zutritt verwehrt werden. © Stefan Rousseau/dpa

Das britische Parlament verzeichnet ungewöhnlich viele Vorfälle mit betrunkenen Mitarbeitern. Die Speakers Conference soll über Maßnahmen beraten.

London – Offenbar denkt das britische Palace of Westminster über strengere Sicherheitskontrollen am Abend und am Wochenende nach, um betrunkene Mitarbeiter:innen abzuweisen. Denn allein im März gab es im Parlament, das sich derzeit auch mit dem Partygate um Premierminister Boris Johnson befasst, neun alkoholbedingte Zwischenfälle. Das sind mehr als im gesamten vorigen Jahr. Einzelne Verstöße hatte es im Januar, im November, im Oktober sowie zwei im Mai 2021 gegeben. Das berichtet thetimes.co.uk.

Eine von Times Radio eingereichte Anfrage ergab, dass fünf der neun Verstöße im März an den Sergeant-at-Arms verwiesen wurden und mit förmlichen Verweisen oder dem Einbehalten von Zutrittskarten bestraft wurden.

Großbritanniens früherer Gesundheitsminister äußert sich zu Zwischenfällen im Parlament

Dan Poulter, Tory-Abgeordneter und ehemaliger Gesundheitsminister Großbritanniens, sagte gegenüber Times Radio, die Vorfälle im März seien „nicht nur überraschend und enttäuschend, sondern inakzeptabel.“

Er erklärte: „Das Parlament ist für mich und für viele andere Menschen ein Arbeitsplatz. Zwar gibt es auf dem Gelände Bars, es ist aber nicht akzeptabel, dass stark alkoholisierte Menschen das Gebäude betreten, sodass Sicherheitsdienste nötig werden.“

Als Ursache der Verstöße wird befürchtet, dass sich unter jüngeren Angestellten des britischen Parlaments eine studentische, ausgelassene Haltung verbreitet hat. Abgeordnete sind offenbar nicht direkt an den Vorfällen beteiligt.

Großbritannien: Konferenz der Parlamentspräsidenten soll strengere Kontrollen besprechen

Auch die Bars auf dem Gelände sollen keine große Rolle spielen. Die Überlegung, diese zu schließen, wogegen sich laut Sky News auch Secretary of State Kwasi Kwarteng ausgesprochen hat, ist also ähnlich wie bei den Sexismus-Vorfällen keine zielführende Lösung.

Vielmehr kehrten die betrunkenen Mitarbeiter nach dem Ausgehen wieder zurück, um in den Büros zu schlafen oder dort weiter zu feiern. „Die Leute wollen in ihren Büros schlafen oder Afterpartys veranstalten“, zitiert The Times eine Quelle, die auch von den Plänen für die verschärften Sicherheitskontrollen erfahren haben soll. 

Wie das Parlament auf unangemessenes Verhalten reagieren kann, wird voraussichtlich auf der bevorstehenden Konferenz der Parlamentspräsidenten besprochen. Möglicherweise könnten die Drehkreuze für bestimmte Uhrzeiten gesperrt und durch Sicherheitspersonal ersetzt werden. Auch um den Fall eines britischen Abgeordneten, der am Arbeitsplatz Pornos angesehen haben soll, wird es dabei gehen.

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