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Liz Truss erbt tief gespaltene Partei: „Brutale Entrümpelung“ als erste Maßnahme

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Von: Stefan Krieger

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Nach ihrer Antrittsrede steht Großbritanniens neue Regierungschefin vor einem Berg schwerer Aufgaben.

London – Liz Truss begann ihre Amtszeit mit blumigen Worten. Die Nachfolgerin von Boris Johnson erklärte am Dienstag (6. September), dass Großbritannien „den Sturm der schlimmsten Lebenshaltungskostenkrise“ seit einer Generation überstehen wird. In ihrer ersten Rede als Premierministerin in der Downing Street versprach sie, die Energiekrise „energisch anzugehen“, wobei sie betonte, ihr „Überleben“ hinge damit zusammen. Gleich danach begann sie mit einer „brutalen Entrümpelung“ (The Guardian) des Kabinetts und hob ihre Unterstützer:innen in verantwortliche Posten.

Truss steht nun vor der schwierigen Aufgabe, enttäuschte Tory-Abgeordnete für sich zu gewinnen, auf die sie angewiesen ist, um ihr Energiepaket durch das Unterhaus zu bringen. Sie erbt eine tief gespaltene Partei, die in Umfragen derzeit deutlich hinter der Labour-Partei zurückliegt.

Großbritannien: Liz Truss muss die Energiekosten in den Griff bekommen

Liz Truss gab sich bei ihrer Rede vor den versammelten Tory-Abgeordneten, Mitarbeitern und Medienvertretern aus aller Welt zuversichtlich: „Wir sollten uns von den Herausforderungen, vor denen wir stehen, nicht entmutigen lassen, so stark der Sturm auch sein mag. Ich weiß, dass das britische Volk stärker ist.“

Am Mittwochmittag (7. September) stellt sich Truss in London dann den Fragen der Abgeordneten. Erwartet wird, dass die 47-Jährige vor allem einen Plan gegen die rasant steigenden Energiekosten vorstellt. Berichten zufolge will sie die Preise für Strom und Gas einfrieren lassen. Die „Prime Minister‘s Questions“ genannte Befragung im Parlament findet traditionell am Mittwoch jeder Sitzungswoche statt.

Liz Truss stellt ihr neues Kabinett vor.
Liz Truss stellt ihr neues Kabinett vor. © Frank Augstein/afp

Angesichts der hohen Inflation sowie einer schweren Krise des Gesundheitssystems steht Truss bereits jetzt unter Druck. Auch das Verhältnis zur EU ist wegen des Streits um die Nachwehen des Brexits und Sonderregeln für die britische Provinz Nordirland erheblich belastet. Es gibt Befürchtungen, dass die bisherige Außenministerin den Streit weiter eskalieren lassen könnte.

Boris Johnson verabschiedet sich: „Ich bin jetzt wie eine dieser Trägerraketen“

Boris Johnson verbrachte seine letzte Stunde in Nr. 10 mit seiner Frau Carrie und einigen seiner engsten Mitarbeiter und Abgeordneten, darunter Dorries und Rees-Mogg, der seinen ältesten Sohn mitbrachte, bei Specksandwiches, wie der Guardian berichtet. Einige hatten Abschiedsgeschenke für Johnson dabei und baten um Selfies.

In einer Botschaft an die konservativen Abgeordneten sagte Johnson, es sei „Zeit, die Streitereien zu beenden“. Sie müssten Truss unterstützen und für das Land etwas leisten. „Das ist es, was die Menschen in diesem Land wollen, das ist es, was sie brauchen und das ist es, was sie verdienen.“ Er fügte hinzu: „Ich bin jetzt wie eine dieser Trägerraketen, die ihre Funktion erfüllt hat, und ich werde nun sanft in die Atmosphäre zurückkehren und unsichtbar in einer abgelegenen und obskuren Ecke des Pazifiks niedergehen.“ (Stefan Krieger)

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