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Die Kandidat*nnen: Emily Thornberry, Lisa Nandy, Keir Starmer, Rebecca Long-Bailey.

Labour-Party

Labour-Partei: Das schwere Erbe des Jeremy Corbyn

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Die britische Labour-Party wählt neue Parteivorsitzende. Wer kann Labour aus der Krise führen?

  • Großbritannien: Labour sucht nach neuer Führung
  • 600.000 Menschen bestimmen Corbyn-Nachfolge
  • Rebecca Long-Bailey, Lisa Nandy und Keir Starmer sind favorisiert

Diese Woche landet schwerwiegende Post in mehr als 600.000 britischen Briefkästen: Die oppositionelle Labour-Partei verschickt die Stimmzettel zur Wahl ihres Führungspersonals. Mehr als eine halbe Million Mitglieder sowie etwa 100.000 registrierte Unterstützer werden jene beiden Frauen oder Männer bestimmen, die die alte Arbeiterpartei aus dem tiefen Tal ihrer schwersten Wahlniederlage seit 1935 führen sollen. Keine leichte Aufgabe – weshalb in den parteiinternen Bewerbungsrunden nicht gerade Begeisterung herrscht.

Am Sonntag stellten sich die Übriggebliebenen für den Parteivorsitz – zwei Frauen und ein Mann – sowie ein halbes Dutzend Anwärter auf den vergleichsweise einflusslosen Vizeposten den Fragen Hunderter von Mitgliedern. „Wenigstens wurde in kameradschaftlicher Weise miteinander gesprochen“, berichtet ein Insider.

Labour-Kandidatin: Rebecca Long-Bailey „liebt“ Jeremy Corbyn

Wie die wichtigste Oppositionspartei gegen Boris Johnsons übermächtige konservative Regierung mit dem Erbe des 70-Jährigen Altlinken Jeremy Corbyn umgehen soll, stellt das Kerndilemma der Wahl dar. Zwei der Bewerber tänzeln um das Problem herum, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Rebecca Long-Bailey, 40, in Corbyns Schattenkabinett wirtschaftspolitische Sprecherin, wehrt sich zwar gegen das „respektlose“ Label, sie sei die jüngere und weibliche Version des Chefs (continuity Corbyn); gleichzeitig teilt sie aber ungefragt mit, sie „liebe“ Corbyn und würde ihn gern in ihrem eigenen Schattenkabinett haben.

Labour-Kandidat: Keir Starmer formuliert dezidiert linke Positionen

Von Keir Starmer, 57, weiß man hingegen, dass er seinen Nord-Londoner Wahlkreis-Nachbarn eher auf den Mond wünscht als in seine politische Nähe. Da der glänzende Jurist, einst als Leiter der englischen Staatsanwaltschaft von der Queen zum Ritter geschlagen, aber unter Corbyn Labours Brexit-Linie bestimmte, kann er Kritik am Chef schlecht allzu deutlich machen. Im Gegenteil – im innerparteilichen Streit formuliert Sir Keir dezidiert linke Positionen, versucht also die Corbyn-Fans für sich einzunehmen. Das mache er nicht aus Opportunismus, beteuert eine Beraterin: „Er gehört zur Linken in der Partei.“

Gewiss hat sich Starmer einen guten Ruf als Kenner des Brexit-Dossiers erarbeitet und ist damit gewappnet für die zukünftigen Auseinandersetzungen mit der Brexit-Regierung, die dieser Tage erneut auf Konflikt mit der EU zuzusteuern scheint.

Labour-Kandidatin: Lisa Nandy sorgt mit einer fulminanten Rede für Furore

Unbelastet von der Corbyn-Ära geht die Hinterbänklerin Lisa Nandy ins Rennen. Die 40-Jährige Tochter aus altem Labour-Adel vertritt den Wahlkreis Wigan bei Manchester im Unterhaus und bezieht aus ihrer Detailkenntnis solcher Städte ihre Glaubwürdigkeit. Denn während die Sozialdemokraten in den Ballungszentren von London, Manchester und Liverpool stark geblieben sind, liefen ihnen in Städten wie Wigan, Luton oder Bishop Auckland die Wähler scharenweise davon. Das lag einerseits gewiss an der unklaren Brexit-Politik – mit der inhaltsarmen Klarheit Johnsons konnte Starmers fein ziselierter Kompromiss nicht konkurrieren. Es lag vor allem an der Person Corbyns, den gerade schlechter ausgebildete, um Job und Wohnung bangende Briten als unpatriotisch und zur Führung ungeeignet wahrnahmen.

Nandy sorgte vergangene Woche mit einer fulminanten Rede vor der jüdischen Labour-Gruppierung für Furore: Ein für allemal müsse die Partei mit dem schwelenden Antisemitismus-Problem aufräumen, das in der Corbyn-Ägide zu einer Untersuchung durch die unabhängige Menschenrechtsbehörde geführt hat.

Er werde für Nandy stimmen, sagt der Londoner Labour-Aktivist John Biggins, wenn ihm auch die rechte Begeisterung fehle. „Alle drei versprechen das Blaue vom Himmel, das ist ja nicht realistisch.“ Das Ergebnis soll Anfang April feststehen.

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