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Johnson-Nachfolge: Top-Kandidatin Truss unter Druck wegen „Champagner-Dinner“

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Von: Stefan Krieger

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Außenministerin Liz Truss gilt in Großbritannien als Favoritin für die Nachfolge von Boris Johnson. In einigen Dingen scheint sie ihm schon jetzt zu ähneln.

London – Im Rennen um die Nachfolge des britischen Regierungschefs Boris Johnson hat Außenministerin Liz Truss die Unterstützung eines weiteren politischen Schwergewichts bekommen. Ex-Gesundheitsminister Sajid Javid, der maßgeblich zum Rücktritt Johnsons beigetragen hatte, stellte sich am Mittwochabend (3. August) „nach reiflicher Überlegung“ hinter Truss. Diese sei „am besten geeignet“, die Partei zu einen und die „wachsenden Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen“, schrieb Javid in der Zeitung The Times. In einer am Mittwoch veröffentlichten neuen Umfrage lag die Außenministerin 32 Prozentpunkte vor Sunak.

Unterdessen sieht sich Truss Vorwürfen ausgesetzt, sie habe im Vorfeld ihrer Kandidatur für die Nachfolge von Boris Johnson Tausende von Pfund für eine Party von Tory-Abgeordneten nicht vorschriftsmäßig deklariert. Etwa ein Dutzend konservative Abgeordnete hatten im vergangenen Jahr an einem sogenannten „Fizz with Liz“-Champagnerdinner (übersetzt etwa: „Sprudeln mit Liz“) teilgenommen, das die Außenministerin im Mayfair Members Club veranstaltete.

Rennen um Johnson-Nachfolge
Ein „Partygate“ jetzt auch für Liz Truss? © Joe Giddens

Liz Truss: 3000 Pfund nicht deklariert

Auf die Frage der britischen Zeitung Independent, warum Truss das Event – das schätzungsweise 3000 britische Pfund gekostet hat – nicht im Unterhausregister angegeben hat, wozu Abgeordnete in Großbritannien verpflichtet sind, bestritt sie, die Organisatorin der Veranstaltung gewesen zu sein. Das habe „nichts mit ihr zu tun“, wird ein Sprecher von Truss im Independent zitiert. Die Außenministerin sei lediglich eine von mehreren konservativen Abgeordneten gewesen, die vom „Organisator und Gastgeber“ Birley, dem Besitzer des Clubs, eingeladen worden war, so ein Sprecher von Truss.

Diese Darstellung wird jedoch von anderen anwesenden Abgeordneten bestritten, die gegenüber dem Independent erklärten, dass sie sehr wohl Gastgeberin war, und nicht Birley, der nur „kurz auftauchte, um Hallo zu sagen“. Die Tory-Mitglieder sagten, sie seien von Frau Truss eingeladen worden. Diese Version der Ereignisse scheint durch eine Kopie der Einladung bestätigt zu werden, die dem Independent vorliegt.

Liz Truss: Torys sehen Parallelen zu Boris Johnson

Die Mail wurde von ihrer E-Mail-Adresse im Unterhaus verschickt und lautete wie folgt: „Liz Truss MP freut sich, Sie am 26. Oktober um 19.30 Uhr zu einem Abendessen in der Hertford Street 5 einzuladen. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie Ihre Teilnahme bis zum 10. Oktober bestätigen könnten. Mit freundlichen Grüßen, Büro von Liz Truss“.

Der ehemalige Minister David Davis, der Liz Truss Widersacher Rishi Sunak unterstützt, sagte: „Wir haben gerade einen Premierminister verloren, nachdem er die Regeln gebrochen hat und sich nicht dazu durchringen konnte, dem Unterhaus die ganze Wahrheit zu sagen. Es wäre eine Tragödie, wenn die Möchtegern-Premierministerin dasselbe tun würde, bevor sie überhaupt in die Downing Street einzieht.“ (Stefan Krieger)

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