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Rebecca Long-Bailey wird als mögliche Chefin gehandelt. 

Großbritannien

Der Kampf um die Seele von Labour: Wer folgt auf Corbyn?

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Die Labour-Party streitet über die Corbyn-Nachfolge. Ab Montag sollen die Regeln für die Neubesetzung stehen. Prominente Kandidaten gibt es. 

Braucht die schwer geschlagene britische Labour-Party einen Neuanfang oder Kontinuität mit der Politik des bisherigen Vorsitzenden Jeremy Corbyn? Der parteiinterne Streit darüber tobt zu Jahresbeginn in aller Härte, prominente Frauen und Männer der Unterhausfraktion suchen nach Unterstützern. Am Montag hat der Parteivorstand die Regeln für den Kampf um den Chefposten festgelegt. 

Das Auswahlverfahren soll bereits am Dienstag (07.01.2020) beginnen, wie aus einer Labour-Mitteilung vom Montag hervorgeht. Nominierungen werden bis zum 13. Januar entgegengenommen. Der Name des neuen Parteichefs soll am 4. April bekanntgegeben werden. 

Schon vorab wird heftig über das beste Verfahren gestritten. Dass 2015 nicht nur wie schon zuvor üblich Gewerkschaftsmitglieder, sondern auch Sympathisanten gegen eine eher symbolische Zahlung mitstimmen durften, ebnete damals der Galionsfigur der Linken den Weg. Inzwischen hat Corbyn, 70, den Vorstand mit eigenen Leuten besetzt und Labour stark nach links gezogen. „Diesmal geht es um die Seele der Partei“, glaubt ein Insider und fürchtet sich vor schmutzigen Tricks der Führung zugunsten eines Corbyn-Kandidaten.

Großbritannien: Rebecca Long-Bailey könnte Labour-Chefin werden

Wer das aber werden soll? Corbyns Vertrauter Ian Lavery, ein früherer Bergarbeiter, hat sich in dieser Woche selbst ins Spiel gebracht. Viel höher wird aber die wirtschaftspolitische Sprecherin Rebecca Long-Bailey, politisches Ziehkind des Schattenfinanzministers John McDonnell, gehandelt. Im linksliberalen „Guardian“ schrieb die im Parteijargon zu RLB abgekürzte Abgeordnete zur Jahreswende von „progressivem Patriotismus“, mit dem sie davongelaufene Wählerschichten zurückgewinnen wolle.

In der stark verschlüsselten Parteisprache stellt dies das Eingeständnis dar, dass Corbyn gerade bei weniger gut ausgebildeten Arbeitern und Angestellten als unpatriotischer Freund von Terroristen und Monarchieskeptiker gilt. Hingegen seien viele seiner teuren Politikideen gut angekommen.

Großbritannien: Long-Bailey lässt Labour-Party zappeln

Wie die meisten heiß gehandelten Kandidatinnen hat sich Long-Bailey noch nicht eindeutig zu ihrer Kandidatur bekannt. In Labour-Kreisen wird der 40-jährigen Anwältin nachgesagt, sie sei sich ihrer Sache keineswegs sicher. Ausdrücklich ist aus ihrem Umfeld stets von einer Doppelkandidatur mit der populären Bildungsexpertin Angela Rayner die Rede; die beiden Abgeordneten aus dem Großraum Manchester teilen in London ein Appartement in Unterhausnähe. Ob Rayner aber ihre politische Zukunft an die WG-Kollegin binden will, blieb zunächst offen.

So oder so - auf den neuen Mann oder die neue Frau wartet ein Scherbenhaufen. Im Norden und in der Mitte Englands haben die Torys unter Premier Boris Johnson Dutzende von Ziegelsteinen aus der einst für uneinnehmbar gehaltenen „roten Wand“ gebrochen. Hohen Symbolwert erhielt in der Wahlnacht der Bezirk Sedgefield in der Grafschaft Durham. 24 Jahre lang hatten die Bürger dort Tony Blair als ihren Abgeordneten nach London geschickt, ihm die Grundlage als erfolgreicher, dreimal gewählter Labour-Premier gegeben. Diesmal entsandten die zum EU-Austritt entschlossenen Sedgefielder zum ersten Mal seit 1931 einen Konservativen.

Großbritannien: Keir Starmer strebt an die Spitze der Labour-Party

Von 59 schottischen Wahlkreisen wird nur noch einer durch Labour vertreten, aus Englands prosperierendem Süden außerhalb der Metropolen Bristol und London gehört lediglich ein halbes Dutzend Abgeordnete der Labour-Fraktion an. Deren Gesamtzahl von 203 ist so niedrig wie zuletzt 1935. Dass Corbyn in seiner Neujahrsbotschaft 2019 als „besonderes Jahr für unser Land und die Arbeiterbewegung“ kennzeichnete, rief überwiegend Kopfschütteln hervor. Die Funktion seiner Partei beschrieb er so: „Wir stellen den Widerstand gegen Boris Johnson dar.“

Eine Umfrage unter den knapp 500.000 Parteimitgliedern ergab in dieser Woche eine klare Mehrheit für den Brexit-Sprecher Keir Starmer. Der Ex-Leiter der Staatsanwaltschaft will am Sonntag seine Kandidatur bekanntgeben. Die nötige Unterstützung von 21 Fraktionskollegen sowie entweder einer mit Labour verbandelten Gewerkschaft oder 33 Ortsverbänden habe er bereits in der Tasche, heißt es im Umfeld des 57-Jährigen. Ausdrücklich bekennt sich der Wahlkreisnachbar seines bisherigen Chefs Corbyn zum jüngsten Wahlprogramm; dieses sei lediglich schlecht präsentiert worden.

Großbritannien: Weitere Kandidaten für den Chefposten bei Labour

Ambitionen auf den Chefposten haben offiziell bisher nur die außenpolitische Sprecherin Emily Thornberry sowie der Ex-Soldat Clive Lewis angemeldet. Als Frau beziehungsweise als Angehöriger einer ethnischen Minderheit würden sie den Neuanfang darstellen, den viele fordern; ihre Chancen gelten aber als ebenso gering wie die der Parteirechten Jessica Phillips.

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