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Großbritannien friert die Energiepreise für zwei Jahre ein

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Von: Nils Tillmann

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Um die Folgen der Energiekrise für Haushalte zu lindern, kündigt Premierministerin Liz Truss große Schritte an. Die neue Maßnahme soll rund 100 Milliarden kosten.

London – In Großbritannien soll der Energiepreis für die nächsten zwei Jahre für einen Durchschnittshaushalt bei 2.500 Pfund (rund 2.800 Euro) pro Jahr gedeckelt werden, wie die Premierministerin Liz Truss am Donnerstag bekannt gegeben hat. Die Maßnahme soll die Menschen im Vereinigten Königreich vor rasanten Preissteigerungen im Rahmen der Energiekrise schützen. Truss gab die Maßnahme bei einer Rede im Unterhaus bekannt.

Ursprünglich war ein Anstieg des Energiepreisdeckels auf 3.500 Pfund pro Durchschnittshaushalt für den Oktober vorgesehen. Weitere Anhebung im nächsten Jahr galten als wahrscheinlich. Die Maßnahme soll im Oktober in Kraft treten und gilt vorerst für zwei Jahre. Die Ankündigung kommt, nachdem Truss bei ihrem Amtsantritt die Bewältigung der Energiekrise zu einer Priorität erklärt hatte.

Die neue Premierministerin Liz Truss stellte am Donnerstag im Unterhaus ihren Plan für die Energiekrise vor.
Die neue Premierministerin Liz Truss stellte am Donnerstag im Unterhaus ihren Plan für die Energiekrise vor. © House Of Commons | picture alliance/dpa/PA

Großbritannien: 100 Milliarden gegen die Energiekrise

Mit dem großen Schritt gehen auch nennenswerte Kosten einher. Der britische Staat soll die Differenz zwischen dem gedeckelten Betrag und dem tatsächlichen Strompreis zahlen. Rund 100 Milliarden Pfund (115 Milliarden Euro) könnten dabei Schätzungen zufolge anfallen.

Die konservative Regierung lehnt es jedoch ab, dies über eine Übergewinnsteuer zu finanzieren. In ihrer Rede machte Truss klar, dass ein Eckpfeiler des Plans sei, Energieträger im Voraus mit Preissicherheit einzukaufen und langfristig neue Energiequellen zu sichern. Energieanbietern sollten neue Investitionen in erneuerbare Energien, sowie Gas- und Ölvorkommen in der Nordsee ermöglicht werden. Auch die kontroverse Gewinnungsmethode des Frackings soll möglich gemacht werden.

Opposition sieht Energiekonzerne als Gewinner

Die Opposition kritisierte den Verzicht auf eine Übergewinnsteuer für Energiekonzerne. Der Vorsitzende der Labour-Partei, Keir Starmer, warnte, dass so in Zukunft große Kosten auf die Steuerzahler:innen zukämen. Am Mittwoch hatte der Oppositionschef Truss vorgeworfen, die Arbeitnehmer:innen die Rechnung für ihre Energiepolitik stemmen zu lassen.

Truss kündigte außerdem eine gleichwertige Garantie für Unternehmen über die nächsten sechs Monate an. Bis dahin sollten Anschlussmaßnahmen zur Entlastung verwundbarer Sektoren beschlossen werden. Neben dem Energiepreisdeckel war zuvor in Großbritannien auch ein Energiezuschuss von 400 Pfund (rund 460 Euro) pro Haushalt beschlossen worden.

Truss wurde am Dienstag zur Premierministerin Großbritanniens ernannt, nachdem sie zuvor zur neuen Parteispitze der konservativen Partei gewählt wurde. Sie tritt damit die Nachfolge ihres Parteikollegen Boris Johnson an, der im Juli seinen Rücktritt angekündigt hatte. (nt/dpa)

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