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Premierminister Boris Johnson hat Hinweise erhalten, die besagen, dass die neue Corona-Variante tödlicher ist.
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Premierminister Boris Johnson hat Hinweise erhalten, die besagen, dass die neue Corona-Variante tödlicher ist.

Pandemie

Boris Johnson: Hinweise auf höhere Sterblichkeit bei britischer Coronavirus-Variante

  • vonTobias Ketter
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  • Sebastian Richter
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Mathematiker gehen davon aus, dass die neue Variante des Coronavirus, die zuerst in Großbritannien nachgewiesen wurde, tödlicher ist.

  • Die Corona-Lage in britischen Krankenhäusern ist extrem angespannt, einige Experten warnen vor einem Zusammenbruch des Gesundheitssystems.
  • Ein dritter landesweiter Lockdown wurde verhängt, in London der Katastrophenfall ausgerufen.
  • Die größte Hoffnung liegt für Großbritannien in einer breiten Corona-Impfkampagne.

Update vom Freitag, 22.01.2021, 19.17 Uhr: Die erstmals in England nachgewiesene Mutation des Coronavirus namens B.1.1.7 ist nach britischen Erkenntnissen offenbar tödlicher als frühere Virus-Varianten. Es gebe mittlerweile „Hinweise“, dass die Virus-Variante nicht nur ansteckender sei, sondern auch „mit einer höheren Sterblichkeitsrate in Verbindung gebracht werden“ könne, sagte Premierminister Boris Johnson am Freitagabend (21.01.2021) in London. Die Mutation hatte sich zuerst in London und Südengland verbreitet und wurde nach WHO-Angaben mittlerweile in rund 60 Ländern nachgewiesen, darunter auch Deutschland.

Sterblichkeitsrate bei Corona-Mutation: Ungewissheit um die neusten Zahlen

Die neuen Daten stammen von Mathematikern, die die Sterblichkeitsraten von Menschen vergleichen, die entweder mit der neuen oder der alten Version des Coronavirus infiziert sind. „Ich möchte betonen, dass es eine Menge Ungewissheit um diese Zahlen gibt“, sagte der wissenschaftliche Chefberater der Regierung, Sir Patrick Vallance. Man benötige mehr Zeit, um die neuen Daten zu analysieren.

Frühere Arbeiten deuten darauf hin, dass sich die neue Coronavirus-Variante zwischen 30 und 70 Prozent schneller verbreitet als andere. Außerdem gibt es Hinweise, dass sie um 30 Prozent tödlicher ist. Bei 1.000 60-Jährigen, die mit der alten Variante infiziert sind, könnte man damit rechnen, dass 10 von ihnen sterben werden. Mit der neuen Variante steigt die Zahl jedoch auf rund 13.

Corona-Krise: Lockdown in Großbritannien

Erstmeldung vom Sonntag, 10.01.2021, 16.26 Uhr: London – Die Corona-Pandemie trifft Großbritannien besonders hart. Die neue Variante des Coronavirus führt zu immer neuen Rekordwerten der Infektionszahlen. Boris Johnson verkündete kürzlich den kompletten Lockdown, trotzdem steigt die Zahl der Infektions- und Todesfälle immer weiter. Die Lage in den Kliniken ist extrem angespannt, die Auslastung an der Grenze des Machbaren. Londons Bürgermeister hat aufgrund der kritischen Situation den Katastrophenfall ausgerufen.

Corona in Großbritannien: Weitere Verschärfung der Situation erwartet

Allein am Samstag waren in Großbritannien knapp 60.000 Corona-Neuinfektionen gemeldet worden. Die Regierung und Mediziner machen dafür vor allem die neue und vermutlich noch ansteckendere Virus-Variante verantwortlich, die vor ein paar Wochen in Erscheinung trat. Auch mangelnde Disziplin bei der Einhaltung der Corona-Regeln wird als Grund genannt. In einem Gastbeitrag für die „Times on Sunday“ rief der medizinische Chefberater der Regierung, Chris Whitty, die Menschen dringend dazu auf, zu Hause zu bleiben. „Jede unnötige Interaktion, die sie haben, könnte das Glied in einer Kette von Übertragungen sein, an deren Ende eine gefährdete Person steht“, erklärte der Mediziner.

Experten rechnen aufgrund der hohen Auslastung der Krankenhäuser mit einer weiteren Verschärfung der Situation. Whitty warnte sogar vor einem völligen Kollaps des Gesundheitssystems. „Wenn das Virus so weitermacht, werden Krankenhäuser in echten Schwierigkeiten sein, und zwar bald“, schrieb der Medizinprofessor. Schon in wenigen Wochen könnte es so weit sein.

Großbritanniens Gesundheitsminister Chris Whitty appelliert an die Bevölkerung, die Corona-Maßnahmen einzuhalten.

Neun Stunden Wartezeit auf ein Krankenhausbett für Corona-Patienten

Wenn sich die Situation noch weiter verschlimmert, könnte sich die Wartezeit von Patienten auf ein möglicherweise gefährliches Niveau verlängern, so Whitty weiter. Schon jetzt mangelt es an Pflegepersonal, das Verhältnis von Krankenhausmitarbeitern zu Patienten werde inakzeptabel werden. In manchen Teilen des Landes befinde sich der Gesundheitsdienst in der gefährlichsten Lage seit Menschengedenken. „Es wird Todesfälle geben, die vermeidbar gewesen wären.“

Bis zu neun Stunden müssen manche Patienten schon jetzt auf ein Krankenhausbett warten. Vor den Notaufnahmen bilden sich lange Ketten der Rettungswagen, sagte Tracy Nicholls, die Geschäftsführerin des britischen Verbands der Rettungssanitäter, dem Nachrichtensender Sky News.

Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, bei einer Pressekonferenz in der Downing Street zur Corona-Pandemie.

Insgesamt verstarben in Großbritannien mehr als 80.000 Menschen an einer bestätigten Infektion mit dem Coronavirus. Vermutlich liegt die tatsächliche Zahl der Verstorbenen sogar noch höher: Rechnet man die aktuellsten Zahlen mit den Sterbefällen, die per Totenschein in einen Zusammenhang mit Covid-19 gebracht werden, liegt die Zahl der Toten bei 95.000.

Katastrophenfall in London wegen Coronavirus

Besonders von der Corona-Pandemie getroffen ist die Hauptstadt. Die Sieben-Tages-Inzidenz stieg hier auf über 1000. Londons Bürgermeister Sadiq Khan verhängte am Freitag (08.01.2021) den Katastrophenfall. Die Bedrohung durch das Coronavirus für die Stadt sei inzwischen an einem kritischen Punkt, so Khan in einer Mitteilung. „Wenn wir nicht unverzüglich handeln, könnte unser (Gesundheitsdienst) NHS überwältigt werden und mehr Menschen werden sterben.“

Die Not zeigt sich an vielen Punkten. Beispielsweise gibt es zu wenige Fahrer für Rettungswagen, dem überlasteten Gesundheitsdienst NHS kamen unter anderem Feuerwehrleute und Polizisten zu Hilfe und setzten sich ans Steuer. Allein in der ersten Januarwoche stieg die Zahl der Covid-19-Patienten um knapp ein Drittel, 40 Prozent mehr Patienten müssen beatmet werden, wie Khan mitteilte.

Großbritannien: Impfen als letzte Hoffnung gegen die Corona-Pandemie

Vergangene Woche rief Boris Johnson den inzwischen dritten landesweiten Lockdown in Großbritannien aus. Einige Experten sind der Ansicht, dass dieser nicht ausreichen würde, um einen Kollaps in den Krankenhäusern zu verhindern. Doch es gibt eine neue Hoffnung: die großangelegte Impfkampagne. Am Freitag (08.01.2021) wurde bereits der dritte Impfstoff zugelassen. Zu den Vakzinen von Biontech/Pfizer und von Oxford/Astrazeneca kam jetzt der Impfstoff des US-Herstellers Moderna hinzu. Von der Impfung einer breiten Bevölkerungsschicht erhofft man sich eine Entspannung der Lage.

In Anbetracht der kritischen Situation zieht die Regierung in London das Tempo noch weiter an. Bislang wurden 1,5 Millionen Menschen in Großbritannien gegen Covid-19 geimpft, das neue Ziel stellt die Organisation der Impfungen vor eine neue Herausforderung. Bis Mitte Februar soll den besonders gefährdeten Briten eine Impfung angeboten werden – also 15 Millionen Menschen.

Dafür sollen laut Johnson militärische Strategien zum Einsatz kommen, die Armee wurde schon zur Hilfe gerufen. Jeden Tag werden 200.000 Menschen geimpft, laut Großbritanniens Gesundheitsminister Matt Hancock reiche dies aus, um das hochgesteckte Ziel zu erreichen. (Sebastian Richter mit dpa)

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