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Brennen Wälder in Kalifornien, ist eine Fläche x-mal so groß wie das Saarland zerstört.
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Brennen Wälder in Kalifornien, ist eine Fläche x-mal so groß wie das Saarland zerstört.

Landtagswahlen

"So groß wie das Saarland"

  • Bernhard Honnigfort
    VonBernhard Honnigfort
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Was auch passiert in der Welt, das kleine Saarland muss ständig als Maßstab herhalten. Im Hinblick auf die Landtagswahlen reflektiert die FR über ein unerklärliches Phänomen.

Egal, was an schlimmen Katastrophen oder grandiosen Naturschauspielen auf der Welt geschieht: das Saarland ist immer dabei. Brennen Wälder in Kalifornien? Dann auf einer Fläche sechsmal so groß wie das Saarland. Bricht in der Antarktis eine Eisplatte ab? Zweimal so groß wie das Saarland. Gibt es verstrahlte Landstriche? Oder treibt ein Ölteppich im Golf von Mexiko? Viermal so groß wie das Saarland.

Warum ist das so? Man weiß es nicht. Ein rätselhaftes Phänomen. Deutschlands kleinstes Flächenland, 2569,69 Quadratkilometer groß und Heimat von etwa 950 000 Menschen, muss seit Jahren nebenbei als Maßeinheit fürs Weltgeschehen herhalten. Nicht Hessen, nicht Sachsen, nicht Hamburg. Das Saarland ist Standard geworden, ein Vergleichsflächenmaß wie der Fußballplatz, nur eben 359 909 mal größer. Der Landkreis Emsland in Niedersachsen ist mit 2882 Quadratkilometern Pi mal Daumen so groß. Aber niemand in den Fernsehnachrichten käme auf die Idee zu sagen, im Südatlantik gebe es Inseln aus Plastikmüll, zweimal so groß wie das Emsland. Man sagt: wie das Saarland. Und der Zuschauer denkt sich: Wer hätte das gedacht? Ganz schön groß.

Gibt man die Wortfolge „so groß wie das Saarland“ in eine Suchmaschine, hagelt es mehr als drei Millionen Ergebnisse. Es gibt sogar Saarland-Umrechner im Netz. Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat einmal versucht, hinter das Geheimnis zu kommen, verhedderte sich aber in vagen Vermutungen. Menschliche Faulheit, meinten die Sprachforscher: „Saarland“ habe nur zwei Silben, das sage und schreibe sich leichter als Mecklenburg-Vorpommern oder Nordrhein-Westfalen. Aber was ist mit Hessen? Bremen? Bayern?

Auch Gunter Altenkirch weiß nicht, wie es dazu kam. Er ist Saarländer, Heimatforscher, Volkskundler und Betreiber zweier Museen über Alltagskultur und Aberglauben. Er weiß eine Unmenge über sein Land und vermutet, das Saarland habe einfach eine handliche, überschaubare und sympathische Größe. Man erkenne das südwestliche Zipfelchen allabendlich auf der Tagesschau-Wetterkarte – und das reiche. „Für uns ist das normal“, meint er. „Wir haben uns daran gewöhnt.“

Zu den Unerklärlichkeiten, an die sich die Saarländer offensichtlich auch gewöhnt haben, gehört der Umstand, viele Spitzenpolitiker fabriziert zu haben, die sich in der Bundespolitik herumtreiben. „Unser Landstrich hat einen interessanten Menschenschlag hervorgebracht“, weiß Volkskundler Altenkirch. Alte Bergbaugegend, hart arbeitende Leute, von der Geschichte hin und hergeworfen, erst 1957 der Bundesrepublik beigetreten, klein, überschaubar, man kennt sich.

Aber warum auffällig viele Karrieren in Berlin, vorher Bonn? Warum ein Justizminister Heiko Maas aus Saarlouis, ein ehemaliger Superminister und heutiger Linken-Guru Oskar Lafontaine aus derselben Stadt? Warum ein Kanzleramtsminister Peter Altmaier aus Ensdorf? Eine Grünen-Vorsitzende Simone Peter aus Quierscheid? Und dann, ist schon ein bisschen her: Peter Hartz, ja, genau der, auch Saarländer, aus Sankt Ingbert. Gerhard Schröder, nicht der aus Hannover, sondern der aus Saarbrücken: Innen-, Außen- und Verteidigungsminister in den 1960ern. Nicht zu vergessen, der Mann, den weder Ochs noch Esel aufhalten konnten: Erich Honecker, Neunkirchen (Saar).

Schon auffällig. Andersherum: Wen hat Thüringen aktuell noch zu bieten außer der Grünen Katrin Göring-Eckart aus Friedrichroda? Sogar Sahra Wagenknecht aus Jena hat längst rübergemacht an die Saar.

Zu erklären ist das alles nicht. Die US-Amerikaner haben übrigens auch ein Saarland. Es heißt Rhode Island, hat gut eine Million Einwohner und liegt an der Ostküste. Es muss in den USA ständig als Vergleich herhalten, ist 1,22 mal so groß wie das Saarland, hat aber keinen Lafontaine, Maas oder Altmaier. Von Honecker ganz zu schweigen.

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