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Für alle zwischen 12 und 17 Jahren: Schülerinnen und Schüler warten in Shenzhen in der Provinz Guangdong auf ihre Impfung
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Für alle zwischen 12 und 17 Jahren: Schülerinnen und Schüler warten in Shenzhen in der Provinz Guangdong auf ihre Impfung.

Pandemie

Corona in China wieder auf dem Vormarsch: „Größter Ausbruch seit Wuhan“

  • VonFabian Kretschmer
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In China haben sich wieder mehr Menschen mit Corona infiziert. Die Regierung in Peking reagiert mit drastischen Auflagen.

Das Virus kam durch einen Flug aus Moskau. Der infizierte Passagier wurde zwar wie vorgeschrieben von Männern in Ganzkörperschutzanzügen ins Quarantänehotel abtransportiert, doch neun Pflegekräfte am Flughafen von Nanjing waren offenbar nicht vorsichtig genug: Sie haben sich laut Berichten der Staatsmedien beim Reinigen des Flugzeugs mit der hochinfektiösen Delta-Variante angesteckt.

Neue Corona-Welle in China: Bewährungsprobe für Behörden

Seither schreiben chinesische Zeitungen bereits vom „größten Ausbruch seit Wuhan“. Angesichts der Zahlen scheinen solche Zuschreibungen reichlich übertrieben, schließlich haben sich in den vergangenen neun Tagen nur etwas mehr als 200 Menschen mit dem Virus infiziert. Dennoch handelt es sich zweifelsohne um die größte Bewährungsprobe für die chinesischen Behörden, die seit Ausbruch der Pandemie eine strikte „No Covid“-Strategie verfolgen. Erstmals müssen sie gegen die Delta-Variante ankämpfen, zudem hat sich noch nie seit Abflauen der ersten Welle ein Infektionsstrang derart landesweit verbreitet: Mindestens acht Provinzen sind betroffen, von Guangdong im Süden bis hin zu Liaoning im Nordosten. Selbst in der politischen Hauptstadt Peking, in dem die Behörden ganz besonders alarmiert sind, kam es nach über einem halben Jahr wieder zu lokalen Fällen.

Wie rasch und auch effizient die Behörden reagieren, zeigt der Fall Nanjing: Die dortige Stadtregierung lässt derzeit sämtliche neun Millionen Bewohnerinnen und Bewohner bereits zum dritten Mal durchtesten. In jener Stadt, in der noch vor wenigen Wochen vollkommene Normalität herrschte – volle Restaurants und Bars, wenig Masken im Stadtbild –, herrscht jetzt wieder Homeoffice-Pflicht. Und wer die Metropole verlassen möchte, muss zunächst einen Gesundheitscheckpoint passieren. Flughafen und Fernbusterminal haben bereits sämtliche Verbindungen bis auf weiteres eingestellt.

Corona in China: In Peking werden ganze Nachbarschaften „versiegelt“

Selbst in Peking, wo weniger als eine Handvoll Fälle registriert wurden, werden ganze Nachbarschaften „versiegelt“. Das bedeutet im Klartext: Niemand darf den Wohnkomplex verlassen, die Behörden kümmern sich um die Versorgung. Rund 400.000 Menschen sollen laut Medienberichten in Peking betroffen sein.

NationVolksrepublik China
HauptstadtPeking
Bevölkerung1,398 Milliarden (Weltbank, Stand 2019)
Fläche9.596.961 km²
PräsidentXi Jinping

Aus europäischer Sicht erscheint die Angemessenheit solcher Maßnahmen extrem fraglich. Für die „Zero Covid“-Strategie der chinesischen Regierung sind sie allerdings notwendig. Die Behörden argumentierten stets mit den Menschenleben, die geschützt werden müssten, insbesondere angesichts der riesigen Bevölkerung von 1,4 Milliarden Menschen

Gleichzeitig gibt es nach wie vor keine Anzeichen, dass jene Strategie trotz rascher Durchimpfung bald gelockert wird. Bis mindestens zur zweiten Jahreshälfte werden die Behörden an ihrem strengen Quarantänesystem festhalten: Wer aus dem Ausland nach China einreisen will, muss drei Wochen in staatlich zugewiesener Isolation verbringen.

Corona in China: Weniger als 50 Prozent aller Menschen sind vollständig geimpft

Und das trotz einer schnell voranschreitenden Impfkampagne. Längst sind über 40 Prozent der riesigen Gesamtbevölkerung vollständig geimpft. Doch auch die meisten Infizierten des jetzigen Clusters hatten bereits zwei Dosen verabreicht bekommen. Daraus lässt sich zwar nicht direkt schlussfolgern, dass die chinesischen Vakzine nicht wirken. Zumindest, solange sie einen schweren Verlauf verhindern. Dennoch argumentieren Medizinerinnen und Mediziner, dass die chinesischen Impfstoffe bei der Delta-Variante an ihre Grenzen kämen.

40 Prozent der Bevölkerung in China sind vollständig gegen Corona geimpft.

Insofern bedeutet die „Zero-Covid“-Strategie auch eine nachhaltige Isolation des Landes. Innerhalb der Grenzen herrscht dafür normaler Alltag ohne nennenswerte Einschränkungen. Doch mit nur wenigen Fällen kann das fragile Konstrukt jederzeit kippen: Derzeit fordern bereits mehrere Städte wie Shanghai von ihren Besucherinnen und Besuchern, dass, wer in einem der Risikogebiete war, nicht nur zwei negative Virustests vorlegt, sondern auch, sich für 14 Tage in Quarantäne zu begeben.

Zhang Wenhong, Leiter des nationalen Zentrums für Infektionskrankheiten, zeigte sich jüngst trotz der rapiden Ausbreitung zuversichtlich gestimmt: Der Ausbruch sei noch „kontrollierbar“, schrieb er im Wirtschaftsmedium „Caixin“. Risiken werde es allerdings auch in der Zukunft immer wieder geben, „ob wir es mögen oder nicht“. (Fabian Kretschmer)

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