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Nennt den Premier einen Lügner und Betrüger: Yanis Varoufakis.

Griechenland

Yanis Varoufakis' Rückkehr

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Griechenlands Ex-Finanzminister Varoufakis kandidiert bei der Parlamentswahl – und könnte seinem Förderer Tsipras gefährlich werden.

Sie sahen sich einmal als politisches Traumpaar: Griechenlands Premier Alexis Tsipras und sein Finanzminister Yanis Varoufakis. Gemeinsam steuerten beide Männer im Frühjahr 2015 den Konfrontationskurs gegenüber Griechenlands Gläubigern. Dann kapitulierte Tsipras vor den Geldgebern und akzeptierte harte Sparauflagen, um Kredite locker zu machen. Varoufakis trat aus Protest zurück. Jetzt bekämpfen sich beide Männer. Tsipras ringt verbissen um den Machterhalt. Varoufakis verhöhnt ihn als Lügner und Betrüger.

Für Tsipras war die Europawahl eine kalte Dusche. Mit mehr als neun Prozentpunkten Rückstand landete sein Linksbündnis Syriza hinter der konservativen Nea Dimokratia (ND) auf dem zweiten Platz. Varoufakis, der mit seiner Partei MeRA25 angetreten war, verpasste zwar knapp den Einzug ins Europaparlament, erzielte mit 2,99 Prozent aber einen überraschenden Achtungserfolg. Umso mehr legt sich der 58-Jährige jetzt für die Parlamentswahl am 7. Juli ins Zeug.

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In jüngsten Meinungsumfragen kommt Varoufakis auf 3,4 bis 4,5 Prozent Stimmenanteil. Das könnte für rund zehn Mandate im nächsten Parlament reichen. Dort werde er „den Kampf gegen die neue revanchistische Oligarchie“ aufnehmen, verspricht Varoufakis.

Seine Wahlkampfzentrale befindet sich in einem etwas heruntergekommenen Bürogebäude unweit des Athener Omoniaplatzes. MeRA25 steht für „Front des realistischen europäischen Ungehorsams“. Die Partei beschreibt sich als „europaweite, grenzüberschreitende Bewegung von Demokraten“. Sie will Grüne, radikale und liberale Linke zusammenbringen, „um die vom Zerfall bedrohte EU zu reparieren“ und zu einer „Gemeinschaft des Wohlstands, des Friedens und der Solidarität für alle Europäer“ zu machen.

Attraktive Alternative

Woher Varoufakis’ Wähler kommen, ist für Wahlforscher kein Geheimnis: Es sind überwiegend enttäuschte Tsipras-Anhänger. In den jüngsten Umfragen liegt die oppositionelle ND acht bis zehn Prozentpunkte vor Syriza. Varoufakis könnte dafür sorgen, dass Tsipras’ Niederlage noch deutlicher ausfällt.

Splitterparteien links von Syriza gab es schon in der Vergangenheit. Der große Unterschied ist diesmal: MeRA25 ist eine pro-europäische Partei. Und sie hat in Varoufakis einen eloquenten Führer, dem ständige Medienaufmerksamkeit sicher ist. Im Ausland mögen viele den Ex- Finanzminister wegen seiner narzisstischen Auftritte belächeln, aber für viele ernüchterte Syriza-Wähler ist er eine attraktive Alternative. Darin liegt die eigentliche Gefahr, für Tsipras.

Varoufakis giftet zudem gegen seinen einstigen Förderer: „Alexis ist ein Schauspieler, der die Bühne betritt und ganz in seiner Rolle aufgeht – der Rolle des Lügners“, sagt er. Mit seiner Politik habe das Linksbündnis Syriza „den Teppich für die Nea Dimokratia ausgerollt, die den Spekulanten aushändigen wird, was noch nicht liquidiert wurde“, so Varoufakis. Jedes Kreuz für Syriza auf dem Wahlzettel am 7. Juli sei „eine verlorene Stimme“, da Tsipras ohnehin nicht mehr gewinnen könne.

An Selbstbewusstsein mangelt es dem Chef der Splitterpartei nicht. In der gegenwärtigen Phase schließe er zwar eine Zusammenarbeit mit Syriza aus, sagt Varoufakis; wenn die Tsipras-Partei aber ihre Positionen ändere, „stehen die Türen von MeRA25 offen“. Aber nicht nur für Syriza. Varoufakis sieht sich in einer Schlüsselrolle: Auch mit der konservativen Nea Dimokratia könne er zusammenarbeiten – allerdings nur zu seinen eigenen Bedingungen.

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