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Eine minderjährige Afghanin auf dem Weg nach Luxemburg.

Flüchtlinge

Griechenland warnt vor neuer Fluchtbewegung

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Angeblich kutschiert die türkische Regierung Geflüchtete an die Ägäisküste, von wo aus sie nach Europa sollen. Erste Kinder kommen in Luxemburg an.

Wochenlang harrten Zehntausende Flüchtlinge im Grenzstreifen zwischen Türkei und Griechenland aus. Nur wenigen Hundert gelang es, in die EU zu kommen. Der beginn der Corona-Krise ermöglichte Athen wie Brüssel jede weitere Migration abzublocken. Jetzt versucht die türkische Regierung offenbar erneut, massenhaft Menschen Richtung Europa zu schicken. Diesmal soll es wohl über die griechische Ägäis gelingen.

„Millionen“ hatte die Türkei seinerzeit loswerden wollen. So tönte da der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan. Ende Februar öffnete er die Schlagbäume an der Grenze zu Griechenland. Die „Millionen“ reduzierten sich dann real auf einige Zehntausend, die fast einen Monat lang im Elend am Übergang zum griechischen Kastanies überdauern mussten. Dann holten türkische Busse die verhinderten Grenzgänger wieder ab – Fahrtziel sollte die Corona-Quarantäne sein. Die gleichen Menschen werden nun wieder in Busse verfrachtet, die sie aus jenen provisorischen Quarantänestationen ein zweites Mal nach Westen kutschieren. Diesmal geht die Reise aber nicht zur griechischen Landgrenze. Sie ist inzwischen noch stärker gesichert als im März. Ziel ist nun die türkische Ägäisküste. Von dort könnten die Menschen versuchen, zu den griechischen Inseln überzusetzen. Nach Angaben des UNHCR kamen seit Jahresanfang schon mehr als 7500 Flüchtlinge aus der Türkei auf den Inseln an.

Die Kinder kommen

Zwölf unbegleitete Minderjährige  aus den heillos überfüllten griechischen Flüchtlingslagern in der Ägäis wurden am Mittwoch im Fürstentum Luxemburg erwartet. Außenminister Jean Asselborn appellierte aus diesem Anlass an alle EU-Mitglieder, mehr Mädchen und Jungen aufzunehmen. Wenn ein kleines Land wie Luxemburg das hinbekomme, müssten andere Staaten das auch schaffen, sagte Asselborn am Mittwoch im Deutschlandfunk. An diesem Thema entscheide sich, ob die Europäische Union sich noch im Spiegel anschauen könne.

Asselborn  lobte die Bereitschaft Deutschlands, 50 Minderjährige aufzunehmen. Mit Blick auf Tausende notleidende Kinder in den Lagern aber merkte er an, die 50 für Deutschland könnten nur der Anfang sein.

Am Samstag  sollen diese 50 unbegleitete Minderjährigen aus Griechenland nach Deutschland gebracht werden. Die Neuankömmlinge kommen dann zunächst für 14 Tage in eine Corona-Quarantäne, bevor sie auf die Bundesländer verteilt werden. (mit kna)

Im Flüchtlingspakt, den die EU 2016 mit der Türkei schloss, hatte sich Ankara verpflichtet, alle irreguläre Migration nach Griechenland zu unterbinden. Jetzt offenbar macht sie das genaue Gegenteil – wieder. Türkische Medien zitieren Flüchtlinge, türkische Offizielle hätten sie vor die Wahl gestellt, interniert zu werden oder sich zur Küste bringen zu lassen. Tausende seien nun schon dort. Die Istanbuler Vorsitzende des türkischen Menschenrechtsvereins IHD bestätigte gegenüber der Deutsche Presse-Agentur zumindest, dass Hunderte Migranten zur Küste gebracht wurden.

Schon im März berichtete der „Spiegel“ von Erkenntnissen des Bundesnachrichtendienstes, wonach die Türkei damals Krawalle an der Landgrenze gezielt schürte. Ende März kündigte der türkische Innenminister Süleyman Soylu an, nach dem Ende der Corona-Epidemie werde man „keinen Migranten davon abhalten, an die türkisch-griechische Grenze zurückzukehren“.

Die Krise ist zwar lange nicht zu Ende, aber der griechische Verteidigungsminister Nikos Panagiotopoulos ließ nun schon wissen, „eine große Anzahl“ von Menschen seien an der Küste. Die Seepatrouillen würden verstärkt, um illegale Einreisen zu verhindern, so der Minister. Drei Flugzeuge der EU-Grenzschutzagentur Frontex patrouillieren dort jetzt auch in der Nacht.

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