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Pushbacks in Griechenland: Video zeigt brutalen Umgang mit Schutzsuchenden

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Von: Erkan Pehlivan

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Immer wieder werden Flüchtlinge in Griechenland über die türkische Grenze abgeschoben - mit fatalen Folgen.
Flüchtlinge protestieren in Athen gegen Pushbacks © George Panagakis via www.imago-images.de

Heute Morgen war eine Gruppe Türkeistämmiger über den Fluss Evros nach Griechenland geflüchtet. Doch dort erwartete sie zunächst rohe Gewalt.

Athen – In Griechenland werden weiterhin Flüchtlinge aufgegriffen und über die türkische Grenze zurückgedrängt. Die sogenannten Pushbacks verstoßen gegen internationales Recht, da den Betroffenen das Recht verweigert wird, einen Antrag auf Asyl zu stellen. In ihren Heimatländern droht den Betroffenen Folter und langjährige Haft.

Griechenland: Mehrere Kinder und Babys unter den Schutzsuchenden

In den Morgenstunden ist eine Gruppe von Geflüchteten an der griechischen Seite des Flusses Evros von Sicherheitskräften aufgegriffen worden. Das zeigt ein Video, dass auch die internationale Bewegung „Seebrücke“ auf Twitter geteilt hat. In dem Video werden griechische Sicherheitskräfte gezeigt, die auf eine Gruppe türkischstämmiger Schutzsuchender einschlägt und versucht ihnen ihre Mobiltelefone abzunehmen. Bei den Betroffenen handele es sich um 16 Personen, unter ihnen fünf Kinder und ein Baby.

In einem weiteren Video in den sozialen Medien sieht man die Menschen vor dem Eintreffen der griechischen Sicherheitskräfte, wie sie sich einer Böschung verstecken und ihre Namen und die ihrer Kinder nennen. Eine der Betroffenen sagt in dem Video: „Es ist sehr kalt hier“. Ein drittes Video zeigt die Personen in einem Transportfahrzeug. Darin sagt ein Mann: „Wir werden abgeschoben.“

Schutzsuchenden aus Türkei drohen bei Pushback langjährige Haft

Im Juni hatte Fr.de aufgedeckt, wie Griechenland die illegalen Pushbacks durchführt. Dabei werden den Schutzsuchenden sämtliche Wertgegenstände und Mobiltelefone abgenommen und diese an kriminelle Gruppen übergeben. Diese setzen die Menschen in ein Boot und bringen sie dann über den Evros auf die türkische Seite. Wenn es sich bei den Betroffenen um türkische Staatsbürger handelt, werden sie auf der türkischen Seite festgenommen und wegen Terrordelikte angeklagt und oft zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Griechenland: Zusammenarbeit von Grenzschützern und Kriminellen

Menschenrechtler:innen warnen vor solchen Pushback: „Die Verfolgung von Andersdenkenden in der Türkei hat riesige Ausmaße angenommen. Jede Art von Pushback in die Türkei und eine Zusammenarbeit von Grenzschützern mit Kriminellen ist ein eklatanter Rechtsbruch und selbstverständlich auch aus menschenrechtlicher Sicht abzulehnen. Vor allem Kurden sind Opfer des Erdogan-Regimes. Dasselbe gilt auch für sogenannte Gülenisten,“ warnt Martin Lessenthin, Menschenrechtsexperte und Vorstandssprecher der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) im Gespräch mit Fr.de von IPPEN.MEDIA.

Nach dem die Videos seit den Morgenstunden tausendfach geteilt wurden, sollen die griechischen Behörden von einem Pushback abgesehen haben, teilt Mehmet Ali Uludag über Twitter mit. Der Aktivist ist ebenfalls selber vor wenigen Jahren aus der Türkei geflüchtet und setzt sich für Geflüchtete ein. Inzwischen habe die Gruppe die Möglichkeit erhalten, Asyl zu beantragen. (Erkan Pehlivan)

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