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Außenminister Nikos Dendias (Griechenland) und Mevlüt Cavusoglu (Türkei) geraten auf gemeinsamer Pressekonferenz aneinander.
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Außenminister Nikos Dendias (Griechenland) und Mevlüt Cavusoglu (Türkei) geraten auf gemeinsamer Pressekonferenz aneinander.

Öffentlicher Eklat

Griechischer und türkischer Außenminister streiten sich – „Griechenland hat Schlauchboote aufgeschlitzt“

  • VonMirko Schmid
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Erstmals seit 2019 findet ein bilaterales Treffen der Außenminister der Türkei und Griechenlands statt. Zunächst herrscht ein freundlicher Ton – plötzlich werden Vorwürfe laut.

Update vom Freitag, 16.04.2021, 11.50 Uhr: Der erste Besuch eines griechischen Außenministers in der Türkei seit zwei Jahren endete in einem Eklat – vor laufenden Kameras. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz lieferten sich der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu und der griechische Außenminister Nikos Dendias einen plötzlichen Schlagabtausch. Wurde anfangs noch von „Freund Nikos“ gesprochen, änderte sich der Ton des türkischen Außenministers schnell, als Nikos Vorwürfe gegen die Türkei erhob.

„Ich glaube nicht, dass ihr das zum ersten Mal hört. Und ich würde äußerst beeindruckt sein, wenn du, lieber Mevlüt, erwarten würdest, dass ich nach Ankara komme und die Dinge in der Ägäis und im östlichen Mittelmeer so darstellen würde, als wäre nichts passiert. Die Türkei hat das internationale Recht und das Seerecht verletzt“, zitiert die „tagesschau“ den griechischen Außenminister.

Çavuşoğlus Antwort kam prompt: „Wir haben drinnen auch darüber gesprochen, dass Griechenland in den vergangenen vier Jahren 80.000 Flüchtlinge zurückgedrängt hat und wie Griechenland diese Menschen manchmal ins Meer gestoßen und Schlauchboote aufgeschlitzt hat. Aber wir haben das nicht vor der Presse behandelt. Jetzt stellen Sie sich aber vor die Presse und wollen vor ihrem Land punkten und beschuldigen dazu die Türkei. Das kann ich so nicht hinnehmen.“

Griechenland gegen Türkei: Außenminister geraten vor laufenden Kameras aneinander

Erstmeldung vom Donnerstag, 15.04.2021, 22.10 Uhr: Ankara - Eigentlich hatten sie sich getroffen, um die angespannten Beziehungen zwischen der Türkei und Griechenland zu verbessern. Doch die gemeinsame Pressekonferenz der Außenminister der Türkei und Griechenlands gerät zur gegenseitigen Abrechnung, von einer Annäherung scheiden beide Nationen unverändert weit entfernt.

NameMevlüt ÇavuşoğluNikos Dendias
AmtAußenminister TürkeiAußenminister Griechenland
ParteiAKPNea Dimokratia
Alter53 Jahre (5. Februar 1968)61 Jahre (7. Oktober 1959)

Die Vorwürfe waren im Vorfeld bekannt: Griechenland wirft der Türkei illegale Erdgasforschungen in griechischem Seeraum vor, die Türkei beruft sich darauf, dass das Forschungsgebiet zum türkischen Festlandsockel gehört. Die Türkei wirft Griechenland vor, über das Meer Flüchtende widerrechtlich in türkischen Gewässer zurückzuschicken, Griechenland bezeichnet das als „Fake-News“, was wiederum die Türkei erzürnt. Und in der Zypern-Frage - Griechenland drängt auf die nationale Einheit der Insel mit einem international anerkannten griechischen Teil und dem lediglich von der Türkei selbst als Nation anerkannten türkisch geprägten Norden. Die Türkei lehnt dies strikt ab und fordert Griechenland auf, die Autonomie Nordzyperns anzuerkennen.

Außenminister Çavuşoğlu (Türkei) und Dendias (Griechenland) geraten aneinander

Bei einer solchen Zahl von diplomatischen Fallstricken ist eine Annäherung naturgemäß schwierig. Und doch überraschte die in teilweisen aggressive Stimmung der Pressekonferenz der Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu (Türkei) und seinem griechischen Amtskollegen Nikos Dendias, der als erster oberster Diplomat seines Landes seit zwei Jahren in die Türkei gereist war. So war es Çavuşoğlu, der seinem nach eigener Aussage langjährigen Freund Dendias in aller Öffentlichkeit vorwarf, „äußerst inakzeptable Anschuldigungen“ gegenüber der Türkei geäußert zu haben.

Darüber hinaus sprach Çavuşoğlu erneut davon, Griechenland würde „Menschen ins Meer werfen“ und gegen internationales Recht verstoßen, Dendias konterte mit dem bekannten Vorwurf der „Fake-News“, welche „nicht zum positiven Klima beitragen, auf dessen Stärkung wir uns geeinigt haben“. Zusätzlich müsse die Zypern-Frage „endlich gelöst werden“ und Ankara unter Recep Tayyip Erdoğan aufhören, „in der Region zu provozieren“.

Gegenseitige Vorwürfe prägen Außenminister-Gipfel der Türkei mit Griechenland

Mevlüt Çavuşoğlu bezichtigte Nikos Dendias des Weiteren des Populismus: Er beschuldige die Türkei vor der Presse, um „natürlich in ihrem Land eine Botschaft zu vermitteln“. Dies könne der Außenminister der Türkei „nicht akzeptieren“. Und auch in der Frage der Seegrenzen stritten sich beide vor laufenden Kameras. Dendias drohte indirekt mit Sanktionen der EU, sollte die Türkei erneut versuchen, in griechischem Gewässer nach Erdgas zu bohren: „Wenn es Verletzungen unserer Souveränität gibt, dann stehen immer Sanktionen im Raum.“ Çavuşoğlu antwortete mit dem Vorwurf, internationale Verträge über Gebietszugehörigkeiten nicht einzuhalten.

Themenseite zu Recep Tayyip Erdogan

Aktuelles zur Türkei und dem Präsidenten finden Sie unter Erdogan-News.

Und so fiel das Fazit des ersten bilateralen Spitzentreffens zwischen der Türkei und Griechenland ernüchtert aus. Mevlüt Çavuşoğlus Bilanz: „Nicht alle“ Angelegenheiten konnten mit dem Treffen der beiden Männer geregelt werden, „da unsere Differenzen stark sind, aber nichtsdestotrotz ist es wichtig, dass der Dialog fortgesetzt wird“. (Mirko Schmid)

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