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Flüchtlingskinder im Lager Nea Kavala im Norden Griechenlands, nachdem sie von Lesbos geholt wurden.

Flüchtlingszahlen

Griechenland ruft um Hilfe

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In der Ostägäis kommen stetig mehr Geflüchtete an – vor allem aus der Türkei.

Die Lage auf den griechischen Inseln in der östlichen Ägäis spitzt sich von Tag zu Tag weiter zu. Immer mehr Flüchtlinge und Migranten kommen mit Booten aus der Türkei. Sie fliehen vor Kriegen, aber auch vor Armut. In der EU suchen sie Arbeit und Schutz vor Verfolgung. Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan droht, er werde „die Tore öffnen“ und Europa mit Flüchtlingen überschwemmen, wenn die EU der Türkei keine weiteren Finanzhilfen gibt. Griechische Experten fürchten bereits eine ähnliche Situation wie 2015, als die Schutzsuchenden jeden Tag zu Tausenden über die Ägäis kamen. Die Regierung in Athen ruft jetzt nach Hilfe der Europäischen Union.

Mehr als 500 Geflüchtete erreichten am vergangenen Wochenende die griechischen Inseln in der östlichen Ägäis. Die überladenen Schlauchboote kommen in immer dichterer Folge von der türkischen Küste über das Meer. Nach Angaben des Uno-Flüchtlingshilfswerks UNHCR trafen im vergangenen Monat 8103 Menschen aus der Türkei auf den Inseln ein – zweieinhalb Mal so viele wie im August vergangenen Jahres. Seit Januar haben bereits 25 943 Personen in 802 Booten Griechenland erreicht. Es wären noch viel mehr, wenn die türkische Küstenwache nicht nach eigenen Angaben in den ersten acht Monaten 1479 Boote mit 46 687 Menschen in den türkischen Hoheitsgewässern gestoppt und an der Überfahrt gehindert hätte.

Aber jetzt glaubt man in Griechenland Anhaltspunkte dafür zu haben, dass die türkischen Behörden die Kontrollen in jüngster Zeit laxer handhaben. Allerdings ist die Zahl der Ankömmlinge – auch wenn sie steigt – von der im Sommer 2015, als der Flüchtlingszuzug in der Ägäis seinen Höhepunkt erreichte, noch weit entfernt. 2015 kamen über 850 000 Menschen aus der Türkei nach Griechenland. An manchen Tagen wurden auf den Ägäisinseln fast 10 000 Ankömmlinge gezählt. Aktuell sind es im Schnitt etwa 260. Aber der Druck wächst: Allein in der ersten Septemberwoche wurden auf den Inseln 2241 Neuankömmlinge gezählt.

Die Situation dort ist dramatisch. In den Lagern, die für die Unterbringung von 6300 Menschen ausgelegt sind, harren mehr als 20 000 aus. Weitere 4000 Menschen sind in Wohnungen und kleineren Lagern untergebracht.

Hilfsorganisationen warnen

Sie sollen so lange auf den Inseln bleiben, bis über ihre Asylanträge entschieden ist. So sieht es der Flüchtlingspakt vor. Doch das kann Jahre dauern. Hilfsorganisationen warnen vor einer drohenden humanitären Katastrophe im Winter.

Griechenland will die Asylverfahren beschleunigen. Ende Oktober sollen weitere 200 Sachbearbeiter eingestellt werden. Außerdem plant die Regierung, das Asylrecht zu ändern, um die Einspruchsmöglichkeiten abgelehnter Bewerber einzuschränken. Die meisten der Neuankömmlinge sind inzwischen Wirtschaftsmigranten aus asiatischen und afrikanischen Ländern. Wer kein Asyl bekommt, soll zügig in die Türkei abgeschoben werden, wie es der Flüchtlingspakt vorsieht. Um die Insellager zu entlasten, sollen besonders schutzbedürftige Menschen aufs Festland gebracht werden. Aber auch dort sind die Unterkünfte überfüllt.

Unterdessen wächst der Druck aus der Türkei. Da ist zum einen die Entwicklung in Istanbul. Hier sind 547 000 syrische Flüchtlinge registriert. Es wird geschätzt, dass sich mindestens weitere 300 000 illegal in der Stadt aufhalten. Sie sollen Istanbul bis zum 30. Oktober verlassen, sonst droht ihnen die Abschiebung. Viele könnten versuchen, sich dem durch die Flucht auf eine der griechischen Inseln zu entziehen.

Sorge um geflüchtete Kinder

Zugleich bahnt sich ein weiterer Flüchtlingszuzug aus Syrien in die Türkei an, nämlich aus der von Regierungstruppen belagerten Rebellenhochburg Idlib. Staatschef Erdogan spricht von einer „neuen Migrationsbedrohung“. Er rechne mit zwei Millionen neuen Flüchtlingen, sagte er am Sonntag im südosttürkischen Malatya. Er ruft nach Finanzhilfen der EU: „Entweder Sie teilen diese Last, oder wir müssen die Tore öffnen“, so Erdogan. Die EU hat Ankara im Rahmen des Flüchtlingspakts sechs Milliarden Euro zugesagt. Davon seien bisher 5,6 Milliarden geflossen, der Rest werde bald ausgezahlt, heißt es bei der EU-Kommission. Erdogan kritisiert dagegen, die EU komme ihren Zusagen nicht nach.

Der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis wies die Drohungen zurück. Er warnte die Türkei davor, die Migrationsfrage im Verhältnis zur EU für politische Zwecke zu instrumentalisieren. „Erdogan muss begreifen: Er kann nicht der EU und Griechenland drohen, um sich mehr Gelder zu sichern“, sagte Mitsotakis.

Aber auch mit der EU ging Mitsotakis ins Gericht. Athen fordert seit langem eine aus seiner Sicht gerechtere Verteilung der Geflüchteten in Europa und eine Reform der Asylpolitik, um Erstankunftsländer wie Griechenland bei der Bearbeitung der Asylanträge zu entlasten. Es gehe nicht, dass einige Länder alle Vorteile der Bewegungsfreiheit im Schengen-Raum genössen, sich aber weigerten, die Lasten zu tragen, sagte Mitsotakis. Besonders besorgt ist er über das Schicksal der geflüchteten Kinder. Etwa vier von zehn Schutzsuchenden auf den Inseln sind unter 17 Jahren, viele von ihnen unbegleitete Minderjährige. Mitsotakis: „Es kann nicht sein, dass ein Land sich weigert, 50 oder 100 Kinder aufzunehmen.“

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