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Geflüchtete an der Grenze zu Griechenland: Neues Drama auf Insel im Grenzfluss Evros

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Von: Ursula Rüssmann

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Patrouille am griechischen Grenzzaun am Evros: Athen hat den Fluss aufwändig abgeriegelt.
Patrouille am griechischen Grenzzaun am Evros: Athen hat den Fluss aufwändig abgeriegelt. © dpa

Athen nimmt nach Protesten eine erste Gruppe aus Syrien auf. Nun stranden wieder knapp 50 Menschen an der EU-Außengrenze zur Türkei.

Evros – Am griechisch-türkischen Grenzfluss Evros droht sich die Lage von Menschen, die in die EU fliehen wollen, weiter zuzuspitzen. Erneut sind dort jetzt Geflüchtete auf einer unbewohnten Insel im Fluss gestrandet. Während die griechischen Behörden unter dem Verdacht stehen, eine erste Gruppe illegal abgewiesen zu haben, wirft Athen der Türkei vor, die Menschen in die griechische Flusshälfte gedrängt zu haben. Unabhängig überprüfbar ist das nicht, denn Athen hat das Evros-Gebiet schon vor geraumer Zeit zur militärischen Sperrzone erklärt.

Berichten zufolge sitzt jetzt eine Gruppe von Flüchtlingen auf einer Evros-Insel in der Nähe der griechischen Kleinstadt Didymoticho fest und hofft, in die EU zu gelangen. Das meldete das Onlineportal Middle East Eye und berief sich auf das UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) in Athen. Demnach harren die 49 Menschen, darunter 16 Kinder und eine Schwangere, bereits seit Dienstag auf der Insel aus. Der UNHCR erklärte, man sei „sehr besorgt“ um die Menschen.

Evros: Fast 50 Menschen stranden auf unbewohnter Insel an griechischer Grenze

Der Initiative Border Violence Monitoring Network zufolge handelt es sich um 45 Syrer:innen und vier türkische Kurd:innen. Die Organisation forderte die Behörden auf, entsprechend dem griechischen und europäischen Recht den Zugang zum Asylverfahren für die Menschen zu gewährleisten. Griechische und türkische Stellen schwiegen.

Eine erste Gruppe von etwa 38 überwiegend syrischen Geflüchteten hatte zuvor einige Wochen lang auf einer Evros-Insel bei Lavara ausharren müssen, bis sie Anfang der Woche von Griechenland aufgenommen wurden. Ein fünfjähriges Mädchen soll an einem Skorpionstich gestorben sein, weil es keine medizinische Hilfe hatte. Laut dem griechischen Flüchtlingsrat steckten die Menschen seit Mitte Juli auf der Insel fest. Griechische Grenzsoldaten hätten sie vom Festland aus abgewiesen. Das wäre einer der illegalen Pushbacks, die Menschenrechtsgruppen zufolge am Evros und im Mittelmeer inzwischen an der Tagesordnung sind.

Evros-Drama: Menschenrechts-Gerichtshof rüffelt Athen

Nach dem Pushback brachten türkische Kräfte die Menschen laut Flüchtlingsrat auf die Insel. Der Flüchtlingsrat schaltete den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ein. Der verfügte, dass die griechischen Behörden tätig werden müssten.

Wie die Menschen jetzt gerettet wurden, war zunächst unklar. Der griechische Migrationsminister Notis Mitarakis erklärte am Dienstag, die Geflüchteten seien von griechischen Kräften vier Kilometer südlich der Insel „in einem Boot gefunden worden“. Er warf türkischen Gendarmen vor, die Menschen „unter Androhung von Gewalt“ über die Grenze gezwungen zu haben. Die Aufgegriffenen wurden offenbar aufs Festland gebracht, der Leichnam des toten Mädchens wurde bisher nicht gefunden.

Mit den Pushbacks schickt Griechenland inzwischen einen großen Teil der Schutzsuchende in die Türkei zurück. Kurden und Gülenisten drohen dabei jahrelange Haft.

Flüchtlinge in Griechenland: Welches Spiel spielt die Türkei am Evros?

Unklar ist, welche Rolle die Türkei beim neuerlichen Grenzdrama spielt. Im April hatte Griechenland 27 Menschen von einer Evros-Insel aufgenommen. Sie waren dort, wie es hieß, von Schleppern zurückgelassen worden. (Ursula Rüssmann)

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