Lesbos

Brand im Flüchtlingslager von Moria: „Zustände sind untragbar“

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Die Zustände im Flüchtlingslager in Moria auf der griechischen Insel Lesbos sind verheerend - nun fordert erneut ein Feuer Menschenleben.

  • Das Flüchtlingslager Moria befindet sich nahe dem Dorf Moria in der Gemeinde Mytilini auf der griechischen Insel Lesbos.
  • Im Oktober 2019 zählte das Lager 13.000 Menschen, im Januar 2020 waren es bereit 19.000.
  • Am Montag (16.03.2020) ist dort ein großer Brand ausgebrochen.

Update vom Dienstag, 17.03.2020, 16.46 Uhr: Nach dem Tod eines Kindes bei einem Brand in Griechenlands größtem Flüchtlingslager auf Lesbos fordert die Menschenrechtskommissarin des Europarats, Dunja Mijatovic, die griechische Regierung zum Handeln auf. Der Tod des sechs Jahre alten Kindes sei ein weiteres tragisches Beispiel dafür, dass die Sicherheits- und Gesundheitsstandards auf den Inseln in der Ägäis dringend verbessert werden müssten, schrieb Mijatovic am Dienstag auf Twitter. 

„Die griechischen Behörden müssen nun handeln, um weitere Tragödien zu verhindern“, so Mijatovic. Die Ballungsräume auf den Inseln müssten aufgelockert werden. Das Kind war am Montag im Camp Moria auf der Insel Lesbos bei einem Brand gestorben. In und um das Lager leben gut 19.000 Menschen.

Update vom Dienstag, 17.03.2020, 15.51 Uhr: Der migrationspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Lars Castellucci, hat mit Blick auf die Situation im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos zu einem schnellen Handeln aufgerufen. „Die Zustände in Moria sind längst untragbar“, sagte Castellucci am Dienstag in Berlin. Die Dramatik der Lage habe sich am Montag durch den Brand und den Tod eines Kindes erneut gezeigt. Es sei offensichtlich, dass die Geflüchteten dort gerade das nicht fänden, wonach sie zuerst suchten, nämlich Sicherheit. 

Die Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 drohe die Situation zusätzlich zu verschärfen. Die Geflüchteten müssten daher aus den überfüllten Camps auf den ostägäischen Inseln umgehend auf das griechische Festland gebracht werden, so der Politiker. Außerdem müssten die Zusagen der anderen EU-Länder, Flüchtlinge von den griechischen Inseln aufzunehmen, schneller umgesetzt und der Lage entsprechend weiter erhöht werden. Zudem sollte Moria geschlossen und die anderen Zentren auf den Inseln unter die Aufsicht des UN-Flüchtlingswerks gestellt werden.

Lesbos: Grüne fordern Evakuierung von Geflüchteten

Update vom Montag, 16.03.2020, 19.00 Uhr: Nach dem Brand in Griechenlands größtem Flüchtlingslager auf der Insel Lesbos fordern die Grünen, Menschen aus den Camps auf den griechischen Inseln zu holen. „Der heutige Brand in Camp Moria hat einmal mehr gezeigt, was seit langem bekannt ist: Die Lager müssen umgehend evakuiert werden“, sagte Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth am Montag (16.03.2020).

Parteichefin Annalena Baerbock sagte, schon wegen der Corona-Krise brauche es Dezentralisierung. „Als erstes müssen die Zerbrechlichsten - Kinder, Schwangere, Kranke, Alte - schnell von den griechischen Inseln runter.“ Im Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos war am Montag ein sechsjähriges Kind bei einem Brand ums Leben gekommen - ein Beobachter meldete ein zweites totes Kind. 

In den Lagern wie in Moria auf der Insel Lesbos herrschten katastrophale hygienische Zustände, und Abstand zwischen die Menschen zu bringen sei unmöglich, sagte Baerbock. Die Sorge sei, dass nun weiteres Chaos ausbreche. "Selbstverständlich sind die Bedingungen derzeit extrem schwierig, ein pragmatisches Vorgehen im Rahmen der Möglichkeiten ist nötig. Aber es muss gehandelt werden." Roth sagte, die Menschen müssten "runter von den Inseln, aufs Festland, in ein geordnetes europäisches Verfahren".

Großer Brand im Flüchtlingslager von Moria - Beobachter meldet zweites totes Kind

Update vom Montag, 16.03.2020, 16.15 Uhr: Der Grünen-Politiker und Abgeordnete im Europaparlament Erik Marquardt schildert via Twitter die Ereignisse vor Ort und berichtet nun, dass es mindestens zwei tote Kinder beim Brand im Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos gebe. Das Feuer sei inzwischen gelöscht.

Die Zustände im Flüchtlingslager in Moria auf der griechischen Insel Lesbos sind verheerend - nun fordert ein erneut ein Feuer Menschenleben.

Die Feuerwehr hatte Schwierigkeiten, den Brandherd schnell zu erreichen, weil die Containerwohnungen im Camp dicht aneinandergebaut sind. Neben einer Containerwohnung brannten auch zwei provisorische Unterkünfte nieder, berichtete der Staatsrundfunk weiter. Das Feuer konnte etwa eine Stunde nach dem Ausbruch gelöscht werden. Das Nachrichtenportal der Insel, stonisi.gr, zeigte Aufnahmen aus Moria, auf dem Menschen zu sehen waren, die in Panik versuchten, die Flammen zu löschen oder ihnen zu entkommen.

Brand auf Lesbos: Sechsjähriges Kind tot geborgen

Update vom Montag, 16.03.2020, 15.45 Uhr: Aktuelle Bilder aus dem Lager in Moria zeigen eine schwarze Rauchsäule und aufgebrachte Menschenmengen: Nach einem Brand im Moria-Flüchtlingscamp in Griechenland ist laut Medienberichten der Leichnam eines sechsjährigen Kindes geborgen worden. Die offizielle griechische Nachrichtenagentur Ana meldete unter Berufung auf die Feuerwehr am Montag (16.03.2020), dass die sterblichen Überreste in der Asche gefunden worden seien. Der Brand war demnach im Aufnahmezentrum des Lagers auf der Insel Lesbos ausgebrochen. Im überfüllten Moria-Camp kommt es immer wieder zu Bränden. In dem für knapp 3.000 Personen ausgelegten Lager und auf Feldern außen herum müssen mehr als 20.000 Menschen in Containern und Zelten ausharren.

Das Nachrichtenportal der Insel Lesbos, stonisi.gr, berichtet, dass die Einsatzkräfte mit Schwierigkeiten bei den Löscharbeiten zu kämpfen: Es gebe demnach an den betroffenen Stellen im Flüchtlingslager schlichtweg keinen Platz für Feuerwehrfahrzeuge, heißt es in einem Bericht. Ob das Feuer inzwischen unter Kontrolle ist, ist weiterhin unklar.

Die stellvertretende Bundesvorsitzende der Grünen, Ricarda Lang, schreibt auf Twitter, es gebe mindestens zwei tote Kinder und kritisiert: „Diese Katastrophe hätte verhindert werden, Kinderleben gerettet werden können. Jetzt muss endlich gehandelt werden. Die Menschen müssen runter von den Inseln!“ Die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Ulla Jelpke, forderte eine Verteilung der Schutzsuchenden auf die Staaten der Europäischen Union. Die Hotspots auf den griechischen Inseln seien zu einer "lebensgefährlichen Falle" geworden. "Das System der Masseninternierung, der zentralen Unterbringung, produziert Leid am laufenden Band", kritisierte sie. Auch vor dem Hintergrund der aktuellen Corona-Pandemie müssten die Massenlager aufgelöst werden und dezentrale Unterbringungsformen gefunden werden.

Brand auf Lesbos: Großes Feuer im Flüchtlingslager von Moria - totes Mädchen geborgen

Erstmeldung vom Montag, 16.03.2020: Im Flüchtlingslager von Moria auf der griechischen Insel Lesbos ist am Montag (16.03.2020) ein Brand ausgebrochen. Dies berichteten örtliche Medien übereinstimmend. Dabei soll ein ums Leben gekommen sein, wie der griechische Nachrichtensender Open berichtete. Die Feuerwehr geht von einem Unfall und nicht von Brandstiftung aus, hieß es. Eine offizielle Erklärung lag aber zunächst nicht vor. Der Brand sei groß und es seien starke Einheiten der Feuerwehr vor Ort. Zunächst lagen keine Informationen über Verletzte vor. 

Die griechische Ausgabe des US-Nachrichtendienstes CNN berichtet, dass es sich bei dem toten Kind um ein etwa sechs Jahre altes Mädchen handele. Erste Informationen deuteten demnach darauf hin, dass das Feuer auf Lesbos ausgebrochen sei, als Bewohner des Flüchtlingslagers in Moria kochten. Zudem sollen derzeit starke Winde in der Gegend wehen, was es sehr schwierig mache, das Feuer zu löschen.

Brand auf Lesbos: Im Flüchtlingslager von Moria leben 19.000 Menschen

Die Feuerwehr habe Schwierigkeiten, den Brand auf Lesbos unter Kontrolle zu bringen, weil die Containerwohnungen im Lager sehr dich beieinander stehen, berichteten örtliche Medien. Das Nachrichtenportal der Insel, stonisi.gr, zeigte Aufnahmen aus Moria, auf dem Menschen zu sehen sind, die in Panik versuchen, den Flammen zu entkommen. In und um das Camp von Moria leben gut 19.000 Menschen. Andere Beobachter sprechen von bis zu 24.000 Bewohnern.

Ein Bewohner des Flüchtlingslagers Moria bei den improvisierten Löscharbeiten.

Das Nachrichtenportal der Insel Lesbos, stonisi.gr, zeigte Aufnahmen aus Moria, auf dem Menschen zu sehen sind, die in Panik versuchen, den Flammen zu entkommen. Das Portal zitiert den Feuerwehr-Kommandanten Evangelos Basis: „Die Situation sehr schwierig, ein Containerhaus und zwei angrenzende Holzhütten brennen. Wir kennen die Ursache des Brandes derzeit nicht.“

Immer wieder kam es in den vergangenen Wochen auf Lesbos zu Bränden. Bei einem Brand am Sonntag vor einer Woche (08.03.2020) in einem Flüchtlingsheim auf der griechischen Insel Lesbos wurde eine Lagerhalle erheblich beschädigt, es gab keine Verletzten, wie die griechische Feuerwehr mitteilte.

jjm/dpa/epd

Rubriklistenbild: © AFP/Manolis Lagoutaris

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