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„Schockierender“ Vorfall - Türkei soll 92 Geflüchtete nackt an Grenze zu Griechenland schicken

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Von: Moritz Serif

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Geflüchtete Menschen überqueren mit einem Boot den Fluss Evros, um nach Griechenland zu gelangen
Geflüchtete Menschen überqueren mit einem Boot den Fluss Evros, um nach Griechenland zu gelangen © Yasin/dpa

Hat die Türkei Geflüchtete mit Militärfahrzeugen in das Grenzgebiet gebracht? Diese Vorwürfe erhebt Griechenland gegen den Bosporus.

Athen/Ankara – Das UN-Hilfswerk für geflüchtete Menschen fordert eine dringende Untersuchung: 92 nackte Menschen waren an der griechischen Landesgrenze zur Türkei aufgefunden worden. Der Vorfall sei „schockierend“ und die Bilder von der Gruppe seien „zutiefst erschüttert gewesen“, so das Hilfswerk.

Die Gruppe, die hauptsächlich aus Geflüchteten aus Afghanistan und Syrien besteht, hatte versucht, den Fluss Evros in Schlauchbooten zu überqueren. Immer wieder gibt es Berichte über illegale griechische Pushbacks in der Grenzregion. Ein UNHCR-Sprecher erklärte gegenüber dem Guardian, dass sich auch Kinder unter den Geflüchteten befänden.

Türkische Grenze zu Griechenland: „Was wir gesehen haben, ist schockierend“

„Wir fordern eine umfassende Untersuchung, da die Umstände nicht klar sind“, sagte Stella Nanou, die Sprecherin der Organisation in Athen. „Wir sind immer gegen erniedrigende und grausame Behandlung, und was wir gesehen haben, ist schockierend“.

Laut griechischer Polizei hätten die Männer ausgesagt, dass sie in drei türkischen Militärfahrzeugen in das Gebiet gebracht worden seien. Dann habe man ihnen befohlen, sich entkleiden zu müssen, bevor sie die Schlauchboote bestiegen. Nun müssen die Menschen in der Grenzschutzstation Feres ausharren.

UN-Organisation möchte mit geflüchteten Menschen sprechen

Sie sollen in den kommenden Tagen in das Aufnahme- und Identifizierungszentrum Fylakio in der Nähe von Orestiada, der nördlichsten Stadt Griechenlands, verlegt werden. „Das UNHCR hofft, in den nächsten Tagen mit der Gruppe sprechen zu können“, sagte Nanou.

Takis Theodorikakos, griechischer Bürgerschutzminister, sprach im Sender Skai von einem „menschenverachtenden Bild“. Es handele sich um „barbarisches Verhalten, das ans Mittelalter erinnert“, sagte er. Griechische Politikeri:innen werfen der Türkei vor, dass der Staat eine Kampagne gestartet habe, um Einwanderer absichtlich über die EU-Grenze zu schleusen.

Türkei bezeichnet Griechenlands Vorwürfe als „unbegründet“

Fahrettin Altun, Recep Tayyip Erdoğans Hauptsprecher, bezeichnete die Anschuldigungen in einer Reihe von Tweets am späten Abend als „grundlos und unbegründet“. „Die griechische Maschine der Fake News ist wieder am Werk“, schrieb er. Athens Version der Ereignisse ziele absichtlich darauf ab, „unser Land unter Verdacht zu stellen“, so Altun.

Der Konflikt mit der Türkei hat in Athen die Angst vor einer militärischen Konfrontation geschürt. Westliche Diplomaten äußerten die Befürchtung, dass ein möglicher Unfall, entweder am Himmel oder auf dem Meer in der zunehmend militarisierten Ägäis, einen bewaffneten Konflikt auslösen könnte. (mse)

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