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Greta Thunberg, nutzte auf dem Rückweg von der UN-Klimakonferenz in Madrid auch die Deutsche  Bahn (DB).

Greta im Zug

Greta Thunberg: Tweets der Deutschen Bahn rufen Datenschützer auf den Plan

Die Deutsche Bahn muss sich auf ein Gespräch mit der Berliner Datenschutzbeauftragten einstellen. Der Grund sind Tweets zur Fahrt einer berühmten Passagierin: Greta Thunberg.

  • Die Klimaaktivistin Greta Thunberg fährt mit Zügen der Deutschen Bahn vom Klimagipfel in Madrid nach Hause
  • Ein Foto zeigt Greta Thunberg auf dem Boden im Zug sitzend
  • Die Reaktion der Deutschen Bahn auf dieses Bild schlägt hohe Wellen

Update, 18.12.2019, 16.50 Uhr: Der rege Twitter-Dialog zwischen Klimaaktivistin Greta Thunberg und der Deutschen Bahn hat ein Nachspiel. Die Berliner Datenschutzbeauftragte Maja Smoltczyk will den Sachverhalt zum Anlass nehmen, um mit der Bahn über den Umgang mit „personenbezogenen Reisedaten“ zu sprechen. Das Thema solle unabhängig vom Einzelfall besprochen werden, sagte ein Sprecher Smoltczyks, nachdem der „Tagesspiegel“ berichtet hatte. Weder lägen Beschwerden vor, noch sei ein Verfahren gegen das Unternehmen geplant. „Wir sehen es aber generell kritisch, wenn die Bahn Daten von Reisenden veröffentlicht.“

Eine Zugfahrt Thunbergs hatte am Wochenende für Aufsehen gesorgt. Die 16-Jährige hatte am Samstag bei Twitter ein Foto gepostet, das sie auf dem Boden sitzend zwischen Koffern in einem ICE zeigt. Die Bahn twitterte, Greta sei im ICE 74 zwischen Kassel und Hamburg auch in der Ersten Klasse gereist und auf ihrem Sitzplatz vom Zug-Team betreut worden. Thunberg erklärte daraufhin, ihr Zug von Basel aus sei ausgefallen, weshalb sie im Anschluss in zwei Zügen auf dem Boden gesessen habe. Danach habe sie einen Sitzplatz erhalten.

Greta Thunberg: Deutsche Bahn fragte beim Zugpersonal nach

Die Deutsche Bahn erhalte aus den Buchungssystemen keine Fahrgastdaten, erklärte eine Sprecherin zur Ankündigung der Berliner Datenschützerin. „Im vorliegenden Fall hat die DB auf Nachfrage von Journalisten mit dem Bordpersonal des Zuges gesprochen, mit dem Greta Thunberg fuhr.“ Rechtsgrundlage sei ein berechtigtes Unternehmensinteresse laut Datenschutz-Grundverordnung.

Update, 15.12.2019, 15.20 Uhr: Inzwischen hat Greta Thunberg auf Twitter nochmal Stellung bezogen. „Unser Zug aus Basel wurde gestrichen. Also setzten wir uns in zwei verschiedenen Zügen auf den Boden. Nach Göttingen bekam ich einen Sitzplatz. Das ist natürlich kein Problem und ich habe das auch nie gesagt. Überfüllte Züge sind ein gutes Zeichen, weil die Nachfrage nach Zugreisen hoch ist!“.

Und auch die DB reagiert umgehend: „Liebe #Greta, danke, dass Du uns Eisenbahner im Kampf gegen den Klimawandel unterstützt! Wir haben uns gefreut, dass Du am Samstag mit uns im ICE 74 unterwegs warst. Und das mit 100 Prozent Ökostrom. Noch schöner wäre es gewesen, wenn Du zusätzlich auch berichtet hättest, wie freundlich und kompetent Du von unserem Team an Deinem Sitzplatz in der Ersten Klasse betreut worden bist“, schreibt das Unternehmen auf Twitter. 

Erstmeldung: Greta Thunberg in der Deutschen Bahn - „überfüllte Züge“

Nach monatelangem Reisen und zwei Atlantik- Überquerungen auf Segeljachten ist die Klimaaktivistin Greta Thunberg nach eigenen Angaben auf dem Weg nach Hause - „in überfüllten Zügen durch Deutschland“, wie sie auf Twitter schrieb.

Hintergrund: Der Präsident und Twitter - wie Donald Trump falsche Zitate durch Tweets verbreitet

Dazu stellte die 16-jährige Schwedin am Samstag ein Foto, das sie mit viel Gepäck auf dem Boden eines ICE zeigt. „Und ich bin endlich auf dem Heimweg!“, schrieb sie. Die Deutsche Bahn reagierte am Sonntagmorgen: „Wir wünschen Greta eine gute Heimfahrt. Und arbeiten weiter hart an mehr Zügen, Verbindungen und Sitzplätzen“, twitterte sie.

Thunberg lehnt es ab zu fliegen, weil dabei besonders viele Treibhausgase ausgestoßen werden. Über den Atlantik war sie zweimal gesegelt, unter anderem hatte sie sich mehrmals bei der Weltklimakonferenz in Madrid zu Wort gemeldet. Am Freitag hatte sie auf der Durchreise von Madrid zurück in die Heimat noch einen kurzen Zwischenstopp im italienischen Turin eingelegt und auf einer Demonstration gesprochen.

Greta Thunberg in der Deutschen Bahn - Twitter-User kommentieren mit Spott

Viele Nutzer auf Twitter reagierten amüsiert auf das Foto Thunbergs - denn Spott über die Bahn, Zugverspätungen und überfüllte Züge gibt es dort viel. „Stell dich auf Verzögerungen ein“, warnte jemand. Ein anderer kommentierte: „Willkommen in Deutschland, der öffentliche Transport hier ist ein Chaos...“

Greta Thunberg in der Deutschen Bahn - Bahn wirbt für mehr Züge und Fahrten

Die Bahn warb just am Sonntag damit, dass es zum Fahrplanwechsel mehr Züge und mehr Fahrten gebe. Klimafreundliches Reisen werde damit noch attraktiver. Der bundeseigene Konzern spielt eine wichtige Rolle auch im Programm der Bundesregierung für mehr Klimaschutz. Die Bahn hat aber immer noch große Probleme mit Verspätungen und Engpässen im Netz. (dpa)

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